Look at yourself – Ein kleiner Leitfaden zur (Selbst)Reflexion mit dem E-Portfolio

von Tamara Rachbauer

Die biografisch-professionelle Reflexionsfähigkeit gilt an Universitäten und Hochschulen als eine der Schlüsselkompetenzen von Professionalisierungsprozessen, ohne die ein bewusstes Aneignen von neuem Wissen und neuen Fähigkeiten nicht möglich ist. Dabei sollen Studierende lernen, wie sie ihr Wissen, ihre Kompetenzen und ihre praktischen Erfahrungen in eine enge Verzahnung bringen können. Aber wie genau kann dies gelingen? Welche Angebote oder besser gesagt, welche Lehr-/Lernformate und Veranstaltungen sind hierzu im Detail notwendig?

An der Universität Passau habe ich ein entsprechendes Angebot in Form eines online-basierten E-Portfolio-Begleitseminars für reflektiertes und biografisches Lernen und Lehren entwickelt (Rachbauer, 2019). Dabei habe ich mich am Profigrafiemodell von Hansen (2012) orientiert. Dieses Modell besagt, dass es in der Lehrer*innenbildung gezielt Instrumente, Methoden und Lehr- und Lernformate wie z.B. die Arbeit mit dem E-Portfolio braucht. Denn gerade durch die E-Portfolioarbeit erfahren die Studierenden, wie sie ihre subjektiven Einstellungen und Deutungen über und zum Lehrberuf mithilfe systematischer Selbstreflexionsarbeit für den pädagogischen Alltag nutzbar machen können (Hansen, 2012; Hansen & Rachbauer, 2018; Rachbauer, 2019). Insbesondere die digitale Version des Portfolios bietet im Gegensatz zum papierbasierten Portfolio den großen Vorteil, dass die Lehrenden orts- und zeit- unabhängig auf die Inhalte zugreifen und so zeitnah und semesterbegleitend Rückmeldungen auf Reflexionen und Arbeitsaufträge geben können. Diese kontinuierlichen Rückmeldungen unterstützen die Studierenden bei der Entwicklung ihrer Reflexionsfähigkeit.

Lern- und Professionalisierungsprozesse sichtbar machen

Im Rahmen des von mir entwickelten online-basierten E-Portfolio-Begleitseminars ist es Aufgabe der Studierenden, ein semesterbegleitendes E-Portfolio zu führen, in welchem sie regelmäßig über ihren Lern- und Professionalisierungsprozess reflektieren (Hansen & Rachbauer, 2018; Rachbauer, 2019). So halten die Studierenden in den einzelnen Reflexionen ihre Erwartungen an die Inhalte des Seminars fest oder setzen sich persönliche Ziele, an denen sie im Rahmen des besuchten Seminars arbeiten möchten. Sie beschreiben nicht nur ihren IST-Stand bezüglich Fach-, Methoden-, Personal-, Sozial- und Selbstreflexionskompetenz vor dem besuchten Seminar, sondern erzählen ihre biografischen Geschichten und beschreiben ihre spezifischen, Einstellungen, Erwartungen, Ziele und Fähigkeiten (Hansen, 2012; Rachbauer, 2019).

Auf diese Weise können die Dozierenden die biografische Ausgangslage ihrer Studierenden im Rahmen des jeweiligen Seminars berücksichtigen. Gerade die Berücksichtigung dieser individuellen biografischen Ausgangslage stellt eine zentrale Säule des Profigrafiemodells von Hansen dar (Rachbauer, 2019).

Zu Semesterende beschreiben die Studierenden ihren IST-Stand bezüglich Fach-, Methoden-, Personal-, Sozial- und Selbstreflexionskompetenz nach dem Seminar. Dazu fragen sie sich, wie und wodurch sie sich weiterentwickelt haben, ob sie ihre gesteckten Ziele erreicht haben oder welche neuen Ziele sie sich für das kommende Semester setzen. Von zentraler Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass die Studierenden ihren persönlichen Standpunkt zu den einzelnen Themengebieten noch einmal gezielt ansprechen, d. h. sie erläutern, was sie aus dem Seminar für sich mitgenommen haben oder welche Inhalte für sie besonders interessant waren (Rachbauer, 2019).

Im Detail besteht das E-Portfolio an der Universität Passau aus einem Prozess- und einem Produkt-E-Portfolio.

Prozess-Portfolio plus Produkt-Portfolio ist gleich e-Portfolio
Aufbau des semesterbegleitenden E-Portfolios an der Universität Passau

Eine Entwicklung nachvollziehen können: Reflexion als Prozess

Das Prozess-E-Portfolio dient den Studierenden zur semesterbegleitenden Dokumentation ihrer gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse sowie zur (Selbst)Reflexion ihres Lern- und Professionalisierungsprozesses und beinhaltet dabei folgende Bestandteile (Hansen & Rachbauer, 2018; Rachbauer, 2019):

  • Die Auftaktreflexion ist die erste Reflexion, die die Studierenden in jedem Prozess-E-Portfolio zu Beginn des besuchten Seminars verfassen. Hier halten diese ihre Erwartungen an die Inhalte des Seminars fest. Zusätzlich setzen sich die Studierenden zwei oder drei persönliche Ziele, an denen sie im Rahmen des besuchten Seminars arbeiten.
  • In den regelmäßigen semesterbegleitenden Reflexionen fassen die Studierenden die wesentlichen Kernthemen und zentralen Aussagen jeder Sitzung mit eigenen Worten zusammen.
  • Das fachsprachliche Lexikon bzw. der Index ist ein Nachschlagewerk, in dem die Studierenden Definitionen der wesentlichen Begriffe festhalten, mit denen sie sich in den einzelnen Seminaren beschäftigen. Dieser Index muss wissenschaftlich fundiert sein, d.h. mit Literaturzitaten zu den Definitionen wie z.B. Autor*in, Erscheinungsjahr, Seitenangabe und einem Literaturverzeichnis versehen sein.
  • Die Abschlussreflexion ist der abschließende bzw. der letzte Eintrag im Prozess-E-Portfolio. Hier fassen die Studierenden die im Seminar kennengelernten, fachlichen Inhalte kurz zusammen. Von zentraler Bedeutung ist in diesem Zusammenhang der persönliche Standpunkt zu den Themen. Außerdem fragen sie sich, wie und wodurch sie sich weiterentwickelt haben (Referate, Aufbereiten der Inhalte, Zeitmanagement mit dem E-Portfolio, Bewältigung der Arbeitsaufträge, wissenschaftliche Ausarbeitungen, Gruppenarbeiten im Seminar, Vorbereitung und Durchführung einer Hospitation etc.) und ob sie ihre in der Auftaktreflexion gesteckten Ziele erreicht haben oder welche Ziele sie sich für das neue Semester setzen.

 

Einen Ist-Stand analysieren können: Reflexion als Produkt

Das Produkt-E-Portfolio dient den Studierenden dazu, eine wissenschaftlich fundierte Ausarbeitung zu einem konkreten Thema, das sie im Rahmen des Seminars besonders interessiert, durchzuführen. Diese schriftliche Arbeit ist zusammen mit der Eigenständigkeitserklärung zentraler Bestandteil des Produkt-E-Portfolios. Der Inhalt des Produkt-E-Portfolios variiert je nach besuchtem Seminar. Entscheidend ist aber, dass der Produktteil zwingend wissenschaftlich fundiert sein muss (Rachbauer, 2019)

Fazit: Ein E-Portfolio im Prozess

Nach einer Pilotphase im Wintersemester 2014/15 ist das E-Portfolio-Begleitseminar bereits fest im Curriculum der Lehrer*innenbildung an der Universität Passau verankert und wird seitdem auch kontinuierlich weiterentwickelt. Aufgrund technischer Weiterentwicklungen, Updates und Neuerungen der eingesetzten E-Portfolio-Software sowie auch neuer Entwicklungen im Bereich des digitalen Lehrens und Lernens müssen im Sinne des lebenslangen Lernens – Stichwort Lifelong Learning (LLL) – immer wieder Anpassungen durchgeführt werden, um das E-Portfolio-Begleitseminar auf dem aktuellen Stand zu halten (Rachbauer, 2019).

Vielen Dank an Tamara Rachbauer von der Universität Passau für ihren spannenden Gastbeitrag! Wir finden, dass die Anregungen zur Reflexion mit einem E-Portfolio nicht nur für Dozierende relevant sind, die in der Lehrkräfte-Ausbildung tätig sind, sondern auch generell zeigen, wie wir Dozierenden unsere Tätigkeit reflektieren und immer weiter professionalisieren können.

Literaturverzeichnis

Hansen, C. (geb. Schenz, C.) (2012). LehrerInnenbildung und Grundschule: Pädagogisches Handeln im Spannungsfeld zwischen Gesellschaft und Person. Pädagogik: Bd. 21. München, Deutschland: Utz.

Hansen, C. & Rachbauer, T. (2018). Reflektieren? Worauf und Wozu? Arbeiten mit dem E-Portfolio – ein Reflexionsinstrument für die LehrerInnenbildung am Beispiel der Universität Passau. e-teaching.org. Portalbereich: Aus der Praxis. Abgerufen am 5. August, 2019, von http://bit.ly/e-portfolio_lehrerbildung.

Rachbauer, T. (2019). E-Portfolios als Instrument für Selbstreflexionsprozesse in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Eine empirische Untersuchung zur Implementierung von E-Portfolios in der universitären Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Reihe: Pädagogische Professionalisierung und Schule. Praxis-Forschung. Berlin, Münster, Wien, Zürich, London: LIT Verlag.

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So funktionieren Laborpraktika in der reinen Online-Lehre – ein praktisches Beispiel von der Fakultät für Medical and Life Sciences

Laborpraktika online?

von Nico Laur und Attila Duyar

Wir unterrichten als Lehrbeauftragte an der Hochschule Furtwangen an der Fakultät Medical and Life Sciences das Wahlfach „HPLC Methodenentwicklung und Optimierung“. Eine HPLC ist ein analytisches Nachweisgerät im medizinischen Bereich, mit diesem man kleinste Spuren von Stoffen (Medikamente, Stoffwechselprodukte, Vitamine, und und und) nachweisen kann. Wirklich jedes diagnostische Labor besitzt solch ein Gerät. Leider sind diese Geräte sehr teuer, wartungsintensiv und kaum eine Hochschule oder Universität ist mit solch einem Gerät ausgestattet – falls doch, dann wird dieses Gerät für Forschungsprojekte oder ähnliches rund um die Uhr beschlagnahmt. Theoretisch wird dieses Gerät und dessen Funktionsweise an jeder Hochschule gelehrt, jedoch arbeitet kaum ein Student, kaum eine Studentin praktisch damit.

Und genau an dieser Stelle kommt unsere Vorlesung ins Spiel.

Eine Brücke zwischen Studium und Praxis

Ich (Nico Laur) arbeite hauptberuflich in einem medizinisch-diagnostischem Labor, das sich auf die Entwicklung und den Nachweis von Substanzen dieser HPLC Geräte spezialisiert hat. In meinem Labor stehen acht solcher Geräte. Einige sind Testgeräte für Methodenentwicklungen, andere dienen der Diagnostik. Atilla Duyar arbeitet neben seiner Tätigkeit als Lehrbeauftragter als Forschungs- und Entwicklungsingenieur ebenfalls in einem medizinisch diagnostischen Unternehmen, welches sich mit der Wartung und Reinigung solcher Geräte beschäftigt. Wir beide haben an der Hochschule Furtwangen studiert und kennen uns daher schon lange. Da wir beide nun mehrere Jahre Berufserfahrung auf diesem Gebiet gesammelt haben und die Situationen der Hochschulen kennen, wollten wir die Chance nutzen und den Studierenden diese Vorlesung inklusive virtuellem Praktikum anbieten. Unsere Vorlesung mit Mini-Praktikum sieht vor, den Studenten die Möglichkeit zu geben, selbst „virtuell“ anhand von Videos eine Methode auf diesen Geräten zu entwickeln und das Ergebnis zu beurteilen.

Lehrvideos geben den Studierenden – und uns Dozenten – Informationen

Zur Einleitung in die Vorlesung haben wir mehrere Videos in Form von Powerpoint-Präsentationen erstellt. Hier werden Basics der HPLC-Methodik besprochen und der übliche Vorgang bei Methodenentwicklungen und Optimierungen besprochen. Jedes dieser Einleitungsvideos wird mit einem kurzen Mini-Test (ca. fünf Multiple-Choice-Fragen) abgeschlossen. Dies dient zum einen zur Anwesenheitskontrolle und zum anderen auch zur Kontrolle, ob die Studierenden den Inhalt prinzipiell verstanden haben. Denn jede Vorlesung baut im Prinzip auf die nachfolgende auf. Wenn man z. B. die grundlegende Arbeitsweise des Gerätes nicht verstanden hat, so weiß man später nicht, an welchen Stellschrauben man bei der eigentlichen Methodenentwicklung drehen kann bzw. darf. Über das Learning Management System ist für uns als Dozenten ersichtlich, welche Studierenden wann das Video unterbrochen bzw. pausiert haben. Daraus lässt sich für uns und unsere zukünftigen Vorlesungen ableiten, dass hier an dieser Stelle eventuell etwas genauer besprochen oder erklärt werden müsste, sollten mehrere Studierende das Video dort pausiert haben.

Praktische Arbeit aus der Ferne

Nach den Grundlagenvideos folgt der praktische Teil: Hier erarbeiten die Studierenden in kleinen Gruppen eine HPLC-Methodik. Das Thema wird von uns vorgegeben (bereits publizierte HPLC-Protokolle). Anschließend erstellten die Studierenden eine Art „Kochrezept“, d. h. sie sagen uns anhand einer Checkliste, was zu tun ist und welche Geräteeinstellungen wir vornehmen müssen. Diese Einstellungen übertragen wir auf die Testgeräte in unserer Firma und starten anschließend den Lauf. Das Ergebnis bekommen die Studierenden über unser Learning Management System mitgeteilt.

 

Eine HPLC-Anlage.
Eine HPLC-Anlage.

Anschließend folgt eine Online-Diskussion: Was ging schief? Wie beurteilt man das Ergebnis? Was könnte man verbessern? Wir hatten in der Eingangsvorlesung angekündigt, dass eine aktive Teilnahme im Diskussionsforum gewünscht wird. Wenn wir ehrlich sind, dachten wir beide, dass dies völlig ignoriert werden würde. (Wir waren schließlich auch mal Studenten und erinnern uns an unsere Studienzeit 😊) Jedoch muss gesagt werden, dass die Studierenden dieses Diskussionsforum wirklich in Anspruch genommen haben.

Dann startete der zweite Part der Vorlesung: Die HPLC-Optimierung. Nun sollte das erhaltene Ergebnis optimiert werden. Hierfür mussten sich die Studierenden wieder mit der Literatur beschäftigen: Sie mussten in Erfahrung bringen, welche Einstellungen man verändern kann und welchen Einfluss dies auf einen zu bestimmenden Analyten hat. Auch hier werden von uns wieder Videos zur Verfügung gestellt, und die Studierenden erarbeiten wiederum ein Optimierungsprogramm, welches anschließend auf die Geräte übertragen wird. Den Studierenden wird anschließend das Ergebnis online mitgeteilt.

So wurde quasi ein virtuelles Laborpraktikum simuliert.

Die Studierenden stehen nicht live vor diesem Gerät, aber arbeiten damit, als würden sie live davor stehen.

Die Reaktionen: Das virtuelle Laborpraktikum ist gelungen

Wir sind der Meinung, dass sich dieses Vorlesungskonzept mit einem Mini-Praktikum sehr gut auch für andere Bereiche und andere Fächer übertragen lässt. Hierfür müssten jedoch mehr Kooperationen zwischen Hochschulen und Industrie geknüpft werden. Denn wie bereits oben erwähnt, hat nicht jede Hochschule die entsprechenden Geräte zur Verfügung. Eine gute Kontaktpflege zu Absolvent*innen seitens der Hochschule erscheint hierfür extrem wichtig.

Umfangreiche Erfahrungen haben wir selbst noch nicht, da dies unser erstes Semester als Lehrbeauftragte ist. Die abschließende Evaluierung ist noch nicht durch, jedoch haben wir mal eine kleine Umfrage gestartet, wo wir wissen wollten, wie so eine Art von Unterricht bei den Studierenden ankommt. Bisher haben wir (bis auf einen Kommentar von einem Studenten) ausschließlich positives Feedback erhalten. Einige der Kommentare stellen wir Ihnen hier vor. Der negative Kommentar hat sich auf die abschließende Klausur nach den einzelnen Vorlesungen bezogen:

  • Teilweise waren die Fragen der Tests (vor allem des Tests zu VL5) etwas schwer zu verstehen. Nicht alle Fragen konnten anhand der Vorlesung beantwortet werden.

Hier einige positive Kommentare:

  • Mir hat gut gefallen, dass alles wichtige verständlich rübergebracht wird, aber man von der ganzen Arbeit nicht erschlagen wird (wie es leider in anderen Kursen der Fall ist). Die Tests sind gut. Videos sind sehr gut. Auch die Live-Simulation war gelungen.
  • Die Vorlesung war klar strukturiert und durch die Videos klar erklärt. Durch die wöchentlichen Tests wurde der Inhalt der jeweiligen Vorlesung nochmals überprüft und damit nochmals vertieft.
  • Sehr gut strukturiert, sehr gute Videos, interessant gestaltet und Wissen wird sehr gut vermittelt. Auch das Problem der asynchronen Vorlesung wurde durch die zeitlichen Fenster bei den Tests gut behoben. (man muss wöchentlich etwas machen und kann es nicht aufschieben). Das mit dem Praktikum war auch interessant.
  • Ich fande die Live-Methodenentwicklung etwas chaotisch aber es hat trotzdem spaß gemacht und man hat viel gelernt. Die nachfolgenden Semester können sich auf diese Vorlesung freuen.
  • Schade, dass aufgrund Corona die Vorlesungsstruktur etwas abgeändert werden musste. Trotzdem haben die Dozenten ihren Job super gemacht. Man merkt, dass diese Spaß hatten. Als kleiner Kritikpunkt. Das Praktikum müsste etwas strukturierter ablaufen aber das liegt vermutlich an der kurzen Zeit im Semester.
  • Vorlesung ist inhaltlich gut verständlich. Der klar definierte Zeitplan, ab wann die Vorlesung online ist und der Test zu machen ist wurde stets eingehalten. Fragen wurden von den Dozenten immer zeitnah und ausführlich beantwortet.
  • Man merkt, dass die Dozenten jung sind und Spaß bei der Vorlesung haben. Ich empfinde es als sehr angenehm die Vorlesungen anzuschauen. Diese sind zwar sehr reich an Informationen, aber trotzdem nicht trocken, oder überdimensioniert. Es wirkt alles etwas lockerer und trotzdem klar strukturiert und kompetent.

Vielen Dank an Nico Laur und Attila Duyar für ihren spannenden Gastbeitrag! Wir freuen uns, diesen Einblick in ihr virtuelles Laborpraktikum erhalten zu haben und hoffen, dass Sie daraus auch Inspiration schöpfen können.

Nico Laur im Foto

Nico Laur (M.Sc., Ing.) geb. 1987, Staatsexamen zum Medizinisch-technischen Laboratoriumsassistenten (MTA-L) an der Naturwissenschaftlich Technischen Akademie (NTA) in Isny im Allgäu. Studium der „Molekularen und Technischen Medizin“ und „Medical Diagnostic Technologies“ (Techniken der Medizinischen Diagnostik) an der Hochschule Furtwangen. Derzeit Tätigkeit in einem privaten Schweizer Labor in der klinisch-medizinischen Routineanalytik und ist beteiligt an der Entwicklung neuartiger diagnostischer Methoden.

Kontakt: nico.laur@gmx.net

Atilla Duyar im Foto

Atilla Duyar (M.Sc., Ing.) geb. 1992. Seit 2008 Mitglied einer Hilfsorganisation und Sanitäter im Rettungsdienst. Studium der „Molekularen und Technische Medizin“ und „Technical Physician (M.Sc.)“ an der Hochschule Furtwangen. Seit August 2017 als Entwicklungsingenieur für die Entwicklung neuartiger Therapien von neurovaskulären Erkrankungen (bspw. Schlaganfällen) in Pforzheim tätig.

Kontakt: atilla.duyar@hs-furtwangen.de

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So schaffen Sie eine Verbindung zu Ihren Studierenden in der Online-Lehre

Im virtuellen Raum ist es so kalt und unpersönlich – könnte man meinen. Denn man kriegt kaum etwas von den Studierenden mit. Und dadurch, dass wir keine Körpersprache, keine Gestik und Mimik haben, die uns den Austausch erleichtert und ihn lebendig macht, müssen wir so viel interpretieren, entsteht kein echtes Gefühl von Nähe.

Ich möchte es nicht leugnen: Ja, das ist eine große Herausforderung in der Online-Lehre.

Aber Dozierende können trotzdem ein paar kleine Dinge tun, um eine bessere, menschlichere Gruppendynamik im Online-Kurs zu erzeugen. Diese Dinge sind bewusst alle low-tech: Es geht nicht darum, dass wir, dass die Studierenden eine neue Technologie, ein neues Tool erlernen müssen. Nein, einfache Aufgabenstellungen und Änderungen im LMS reichen.

1. Alle müssen einen Namen haben.

In vielen LMS werden nicht die ganzen Namen der Teilnehmenden angezeigt. Stattdessen werden die eduroam-Codes angezeigt, bei mir z. B. nb1056@uni-freiburg. Wenn man im Forum oder Chat schreibt und nur solche Codes sieht, ist das schrecklich unpersönlich. Deshalb sollten Sie auf jeden Fall als Lehrperson dafür sorgen, dass Ihr ganzer Name angezeigt wird. Bitten Sie auch die Studierenden, ihre Codes zu ersetzen – entweder mit ihrem echten Namen oder mit dem Namen fiktiver Charaktere. Denn Pseudonyme wie „Harry Potter“ oder „Jane Eyre“ wirken auch schon viel menschlicher als „ghr68“ oder „tofu1998“.

Sie werden den Studierenden erklären müssen, wie sie sich den Namen in Ihrem LMS, z. B. bei ILIAS, anzeigen lassen können.

Screenshot aus ILIAS
In meinem ILIAS-Portal bei der Uni Freiburg muss man z. B. unter "Persönliche Daten und Profil" das Profil "für angemeldete Benutzer sichtbar" machen, damit mein Name angezeigt wird.

2. Alle müssen ein Profilbild haben.

Was für die Namen gilt, gilt auch für die Bilder. Menschen sind visuell geprägte Wesen. Pflegen Sie unbedingt ein Profilfoto ein und bitten Sie die Studierenden, dies auch zu tun. Dabei muss es kein Bild des Gesichts sein – es kann auch ein Bild des Haustiers, der Lieblings-Teetasse, oder etwas ganz anderes sein. Hauptsache, jede*r Nutzer*in hat ein visuelles Wiedererkennungsmerkmal.

Bei ILIAS muss man dann in den Einstellungen auch dafür sorgen, dass das Profilfoto auch öffentlich angezeigt wird. Erklären Sie den Studierenden also unbedingt, wie sie das einstellen können.

In meinem ILIAS bei der Uni Freiburg muss ich unter "Persönliche Daten und Profil" ein Foto hochladen UND dieses mit einem Häkchen unter "Profil" sichtbar machen.

Aber es gibt noch mehr Wege, um mit Bildern die Motivation und Nähe zu fördern: Warum nicht auch ein schlichtes Logo für die Veranstaltung erstellen – mit dem kostenlosen Tool Canva geht das z. B. ganz gut, hier hatten wir mal dazu gebloggt – und eine nette, optische Willkommensbotschaft in das LMS einfügen?

Mein Willkommensbild im ILIAS-Kurs.

3. Sie müssen vorangehen: Seien Sie selbst authentisch und wertschätzend

Erzählen Sie den Studierenden oft etwas von sich: Wie es Ihnen mit einer Sache geht, welche Erfahrungen (auch Fehler) Sie gemacht haben, was Ihnen gefällt… Natürlich geht es nicht (unbedingt) darum, dass Sie von Ihrem Privatleben berichten. Als Dozierende sprechen wir bestimmte Bereiche unseres Lebens selbstverständlich nicht mit Studierenden an. Aber dort, wo wir das Gespräch eröffnen, können wir trotzdem als ganze Persönlichkeiten auftauchen. Wir müssen unseren Humor, unsere Meinungen, unsere Stimmung nicht verstecken. Im Gegenteil: Das bringt viel Menschlichkeit in den Kurs und zeigt den Studierenden, dass auch sie sich öffnen können.

4. Stellen Sie sich vor – aber richtig.

Stellen Sie deshalb nicht (nur) Ihren Lebenslauf vor. Den können die Studierenden bestimmt sowieso irgendwo nachschlagen. Stellen Sie sich lieber in einem Video vor und sagen Sie den Studierenden, was Sie bezüglich der Veranstaltung motiviert, worauf Sie gespannt sind, was Ihnen wichtig ist. Teilen Sie Dinge von sich mit, die wirklich interessant sind (hier als Beispiel ein Blogpost, in dem ich mich Studierenden vorstelle).

So sieht mein Willkommensvideo in ILIAS aus. Es ist nur 3 Minuten lang - damit es auch wirklich angeschaut wird!

5. Die Studierenden sollten sich auch vorstellen - kreativ und datenschutzgerecht.

Für die Studierenden gilt dasselbe: Eckdaten der Lebensläufe vergessen Sie – und die anderen Studierenden – schnell. Warum nicht kreativer werden? Sobald das Semester an meiner Uni beginnt, werde ich meine Studierenden bitten, einen Post im Forum zu erstellen mit…

  • ihren Studienfächern und ihrem Fachsemester, sowie
  • 1-3 Bildern, die ihnen etwas bedeuten.

Dies muss kein Profilbild sein (aus den oben genannten Gründen), sondern kann z. b. Folgendes sein:

  • ein Meme,
  • ein Bild des Haustiers, der Lieblingstasse, des Blickes aus dem Fenster, des Lieblingsbuches,
  • ein Bild aus dem Urlaub,
  • ein “Zitat-Bild”,
  • usw…

Die Bilder werden nicht kommentiert oder “geliked” – damit kein Druck, gut “abzuschneiden”, entsteht. Wir machen das in unserem LMS ILIAS, um dem Datenschutz besser gerecht zu werden.

6. Lassen Sie kleinere Begegnungsräume entstehen

Die Studierenden wollen auch wissen, mit wem sie sich im Kurs befinden. Bei 20, 30, ja sogar 100 Studierenden wird es aber immer schwieriger, einen Überblick zu haben, wer alles dabei ist – selbst wenn alle einen Namen, ein Profilbild haben und sich ggf. sogar vorstellen. Darum lassen Sie gerne kleinere Gruppen entstehen, die immer wieder zusammenarbeiten. Dazu können Sie mehrere Foren oder Chaträume erstellen, die Sie alle nach einem Schema benennen, z. B. anhand von:

  • Musikgenres (Blues Rock, Metal, EDM, Pop, K-Pop….)
  • Fiktiven Ländern und Welten (Narnia, Hogwarts, Mittelerde, Westeros, Dinotopia…)
  • Getränken (Smoothie, Saft, Wasser, Tee, Kaffee…)
  • Reiseziele (Australien, Karibik, USA, Provence…)
  • Oder etwas ganz anderem, das Ihnen einfällt, vielleicht auch etwas, das zu Ihrem Fach passt.

Natürlich können Sie auch die Studierenden selbst brainstormen lassen, welche Chat-Gruppennamen sie haben wollen. Das dürfte auch für alle interessant werden. Lassen Sie die Studierenden sich dann selbst in die Gruppen einteilen – das erhöht ihre Motivation und Gruppenzugehörigkeit.

Die Chaträume können die Studierenden dann für informelle Kommunikation sowie für jegliche Gruppenarbeitsaufträge nutzen. Mit der Zeit wird die Nutzung vertraut und es entsteht ein gutes Gruppengefühl.

Eine wichtige Anmerkung muss ich hier ergänzen: Bei den Kleingruppen müssen wir ein Miteinander und nicht ein Gegeneinander fördern. Einteilungen wie Hund, Katze… sind z. B. problematisch. Ich persönlich liebe Hunde und bin kein Fan von Katzen. So – und alle Katzenliebhaber*innen mögen mich wahrscheinlich etwas weniger, nachdem sie diesen Satz gelesen haben. 😉 Darum ist es wichtig, ein Schema zu wählen, wo die meisten Menschen mehrere Vorlieben haben… wo es die Regel ist, dass man mehr als eine der Sachen genießt. Das mindert die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Gegeneinander zwischen den Gruppen entwickelt.

Fazit: Mit kleinen Kniffen wird die kalte Online-Landschaft plötzlich viel freundlicher

Mit Namen, Bildern und kleinen Begegnungsräumen wird jedes LMS freundlicher. Sie lernen die Studierenden besser kennen, wenn Sie sich öffnen, authentisch und empathisch sind. Denn das machen viele Studierenden nach. Auch die Studierenden lernen sich so gegenseitig besser kennen – und letztlich wird Ihre Online-Veranstaltung viel wärmer und freundlicher… für alle Beteiligten.

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Spontaner Onlinekurs mit Studierenden – ein Erfolgsbericht

Seit der Corona-Krise haben Lehrende im Netz viele theoretische Empfehlungen, Linklisten und Tooltips für die Online-Lehre gesammelt. Ist es nicht an der Zeit, dass wir auch einmal sammeln, was wir in den letzten Wochen gelernt und ausprobiert haben? Diese wirklich sehr gute Idee führte zum Beginn einer agilen Beitragsparade, #3weeks2learn.

In meinem Beitrag zur Parade möchte ich kurz erzählen, wie ich einen Workshoptag mit Studierenden spontan in einen Online-Kurs verwandelte.

1. Die Ausgangssituation

24 Studierende an der Uni Freiburg haben einen Kurs im Ergänzungsbereich belegt, Thema: Lerntechniken und Zeitmanagement. Format: Vier ganze Workshoptage, immer einmal die Woche, vier Wochen lang. Die ersten drei haben bereits stattgefunden, wir kennen uns also, haben eine gute Stimmung in der Gruppe. Bisher habe ich die Studierenden, die aus allen möglichen Studiengängen stammen und größtenteils im 1. oder 3. Semester sind, viel mit Diskussionen, Reflexionsaufgaben und Gruppenarbeiten aktiviert. Die Studierenden waren sehr diskussionsfreudig. Meine Vorträge waren häufig, aber kurz, nie länger als zehn Minuten. Auf ILIAS wurden immer die Folien hochgeladen, es gab auch ein Forum, das aber nie genutzt wurde.

2. Der Einschnitt

Am Freitag heißt es, der ganztägige Abschlusstermin am nächsten Donnerstag muss coronabedingt ausfallen.

3. Das neue Konzept

Ich überlege mir ein Flipped-Classroom-Konzept: Ich werde im bestehenden ILIAS-Kurs Materialien zur Verfügung stellen und diese dann im Web-Seminar mit den Studierenden am Donnerstag besprechen. Die Veranstalterin ist damit einverstanden.

4. Die Umsetzung der Informationsdarbietung

Ich entdecke in ILIAS die „Lernsequenz“. Damit kann man Materialien und Texte in chronologischen, linearen Seiten bündeln – also einen geschlossenen Online-Kurs erstellen. Ich nutze also die Lernsequenz für den Flipped Classroom. Ich überlege mir zunächst, was ich den Studierenden vermittelt hätte. Zu manchen Themen kenne ich gute Youtube-Videos. Die verlinke ich in der Lernsequenz. Zu einem anderen Thema gibt es nichts Passendes – also mache ich ein eigenes Lernvideo. Ich nutze meine Folien und nehme sie inkl. Vertonung über PowerPoint auf. Es kommt ein passables Video dabei rum. Ich lade es auf Youtube hoch und verlinke es ebenfalls in der ILIAS-Lernsequenz.

Die Lernsequenz in ILIAS
So sieht die Startseite der Lernsequenz aus. Rechts die Übersicht.

5. Die Umsetzung der Aktivierung im Online-Kurs

Die Studierenden hatten sich schon einmal in ein Google Doc (über ILIAS verlinkt) für Themen eingetragen. Sie wissen also, wie Google Docs funktionieren. Ich lasse den Datenschutz also mal ein bisschen links liegen und verlinke in der Lernsequenz weitere Google Docs mit Aktivierungen für die Teilnehmenden: VOR den Videos sollen sie sich überlegen, was sie bereits zu den Themen wissen. NACH dem Video können sie offene Fragen notieren. In den Google Docs tippen sie anonym ihre Notizen ein.

6. Die Organisation

Ich schicke den Studierenden am Dienstag über ILIAS eine Email und erkläre ihnen den neuen Aufbau. Am Donnerstagvormittag, während der Workshop stattgefunden hätte, sollen sie sich zwei Stunden für die Bearbeitung der Lernsequenz einplanen (ich schätze, dass sie höchstens eine Stunde brauchen werden, aber ich möchte die Studierenden lieber positiv überraschen). Um 14.00 treffen wir uns dann im Web-Seminar. Wer Fragen hat, soll mir eine Mail, SMS oder Whatsapp-Nachricht schreiben.

7. Das Web-Seminar

Im Web-Seminar besprechen wir offene Fragen zu den Inhalten und zur Organisation. Die Studierenden schreiben im Chat, ich spreche in die Kamera. Ich habe eine schlichte PowerPoint mit Fragen und Arbeitsaufträgen vorbereitet. Es ergeben sich tatsächlich spannende offene Fragen – was kann man tun, wenn man sich überwältigt fühlt und nicht weiß, wo man anfangen soll? – über die wir gemeinsam brainstormen. Die Studierenden schreiben ihre Ideen in den Chat. Ich bündele sie auf dem Whiteboard und sage meine Meinung dazu.

Für den Workshop war ursprünglich geplant, dass die Studierenden in Gruppen eine Visualisierung der Kursinhalte erstellen. Das ist eine der offiziellen Studienleistungen, also sind sie natürlich neugierig, wie es jetzt damit aussieht. Ich erkläre, dass sie nun 10 Minuten Zeit bekommen werden, um eine Visualisierung auf einem Blatt Papier zu erstellen. Dieses sollen sie dann fotografieren und mir per Email schicken. Danach haben sie weitere 10 Minuten Pause, während ich die Fotos in meine PowerPoint bündele. Das klappt auch sehr gut, wir schauen uns dann im Web-Seminar alle Fotos an.

8. Die Nachbereitung

Später tippe ich die Whiteboard-Inhalte noch in meine PowerPoint-Präsentation rein. Die Folien mit den Visualisierungs-Fotos, die Google Docs und alles weitere stelle ich schön nummeriert und mit sinnvollen Titeln auf ILIAS, damit man alles nachvollziehen kann.

NUmmerierte Medien in ILIAS
Die Nummerierung und die sinnvollen Titel ordnen die Dateien.

9. Die Evaluation

Die Evaluationsbögen für die Veranstaltung liegen nutzlos bei mir im Büro, die Uni hat keine Möglichkeit zur Online-Evaluation. Ich setze also kurz vor dem Web-Seminar eine Umfrage bei Google Forms um und gebe den Studierenden im Web-Seminar einen Link dazu. Ich weise darauf hin, dass die Umfrage anonym ist, aber Google ihre IP-Adresse vermutlich speichert und dass sie sich nicht gezwungen fühlen sollen, dort teilzunehmen. Zehn Studierende hinterlassen dennoch ein Feedback, das sehr positiv ausfällt.

Evaluation
Ein Auszug aus den Evaluationsergebnissen.

10. Was ich daraus gelernt habe

Studierende sind bereit, mit flexiblen Planänderungen umzugehen; was sie jedoch brauchen, ist eine sehr klare visuelle wie auch organisatorische Strukturierung. Sie wollen sich gut zurechtfinden können und sie brauchen klare Arbeitsaufträge. Eine gewisse Offenheit ist jedoch wichtig – Studierende wollen nicht das Gefühl kriegen, dass sie wegen einer technischen Schwierigkeit aus dem Kurs fliegen könnten. Sie schätzen vor allem den Austausch, die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Die zwischenmenschliche Beziehung ist im virtuellen Raum genauso wichtig wie zuvor. Mein Hauptfazit: Online-Lehre muss nicht „perfekt“ sein, und sie kann wirklich Spaß machen.

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Online-Lehre & Online-Prüfen – in einem Video kurz erklärt

Kennen Sie schon unsere beiden Videos zum Thema Online-Lehre und Online-Prüfen?

Wie kann man Online-Lehre sinnvoll und systematisch planen? In diesem Video (8 min) erhalten Sie die wichtigsten Tipps.

Was zeichnet eine faire, lernförderliche Online-Prüfung aus? In diesem Video (8 min) erfahren Sie, welche Prüfungsformate online gut geeignet sind.

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Checkliste: Virtuelle Präsenzlehre

Viele Lehrende stehen heute vor der Herausforderung, mehr oder weniger schnell ihre für die Präsenz geplante Lehre in eine Online-Unterrichtsform zu überführen. Aus diesem Grund erreichten uns in den letzten Tagen viele Anfragen, was dabei denn zu beachten sei, wie man denn reinen Online-Unterricht durchführen könne.

 

Die größte Herausforderung: Virtuelle Präsenz?

Die größte Herausforderung – so haben wir das in den Anfragen wahrgenommen – liegt für viele Kolleginnen und Kollegen in der Durchführung virtueller Präsenzlehre, also Unterrichtssettings, in denen sich Lehrende und Lernende zu einem bestimmten Zeitpunkt online zusammenfinden (wir nennen dies virtuelle Präsenzlehre oder auch Web-Seminare).

Dies ist aus unserer Sicht EIN Baustein von vielen, die beim reinen Online-Unterricht eingesetzt und berücksichtigt werden sollten. Daneben spielt natürlich das gesteuerte und selbstgesteuerte Selbststudium im Online-Unterricht eine wesentliche Rolle.

 

Tipps für die virtuelle Präsenz

Zum Start haben wir uns nun aber entschieden, den Baustein der virtuellen Präsenzlehre in den Blick zu nehmen, und Ihnen hier eine Checkliste anzubieten, die Sie dabei unterstützt, Ihren virtuellen Präsenzunterricht vorzubereiten und durchzuführen.

Wir haben bewusst darauf verzichtet, alle Möglichkeiten zu erwähnen, um es schlank und übersichtlich für Sie zu lassen. Komplexe Linksammlungen, die gegenseitig auf sich verlinken, findet man im Internet im Moment ja bis zur Genüge. Diese können eine gute Ergänzung für diese Checkliste sein. Wir denken aber, dass der Anfang mit einer übersichtlichen Liste ohne 1000 Links leichter ist.

 

Technik-Tipps warten bei Google und Youtube auf Sie…

Was diese Checkliste nicht bietet, ist eine technische Anleitung. Es gibt viele verschiedene Anbieter/Software (Web-Seminaranbieter), mit denen virtuelle Präsenzkurse durchgeführt werden können (die wohl verbreitetsten sind AdobeConnect, WebEx, GoToMeeting, Zoom, MS Teams). Diese unterscheiden sich natürlich in der Bedienung und auch in ihrer Funktionalität. Wir haben uns hier auf die Funktionen beschränkt, die aus unserer Sicht bei (fast) allen Anbietern gegeben sind. Für technische Anleitungen wenden Sie sich bitte an Ihre Hochschulen oder ziehen Sie die vielen Tutorials hinzu, die es zu allen Tools auf Youtube oder bei den jeweiligen Anbietern in einer großen Anzahl gibt.

Im Laufe der nächsten Woche werden wir vermutlich weitere Checklisten erstellen und zur Verfügung stellen und auch Web-Seminare zum Austausch über die Online-Lehre veranstalten. Vielleicht lohnt es sich deshalb ja für Sie, in unsere Facebook-Gruppe „Hochschuldidaktik“ zu kommen, uns via Twitter zu folgen oder unseren kostenlosen Newsletter zu abonnieren.

Nun aber erst mal viel Spaß mit unserer Liste. Wir hoffen, Sie dient Ihnen, und freuen uns über Ihr Feedback.

Hier können Sie die Checkliste direkt herunterladen:

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Sie möchten lehren „wie die Besten“? Dann beantworten Sie diese 11 Fragen

11 Fragen zur schnellen Planung guter Lehre

Wer sind die besten Hochschuldozierenden, und wie lehren sie eigentlich? Provokative Fragen. In einer umfangreichen qualitativen Studie hat Ken Bain probiert, sie zu beantworten. Die Ergebnisse seiner Analysen und Interviews mit Dutzenden von Dozierenden fasst er im Buch „What the Best College Teachers Do“ zusammen. Auch wenn die Bezeichnung dieser Lehrenden als „die Besten“, wie Bain auch eingesteht, nicht ganz seriös ist, so enthält das Buch dennoch viele gute Ideen für die Hochschullehre. Ganz zentral sind z. B. die Fragen, die sich „die besten“ Dozierenden stellen, wenn sie eine neue Lehrveranstaltung planen. Lassen Sie sich doch auch von diesen Fragen inspirieren, wenn Sie Ihre nächste Lehrveranstaltung planen.

 

1. Was sind die „großen Fragen“ der Lehrveranstaltung?

Welche grundlegenden Fragen über das Leben, die Menschheit und das Universum werden die Studierenden dank dieser Lehrveranstaltung beantworten können? Wie werde ich ihr Interesse an diesen Fragen fördern?

Lernziele beziehen sich oft auf konkrete Themen, deren Relevanz die Studierenden nicht unmittelbar erkennen können, z. B.: Wie hat der erste Weltkrieg begonnen? Diese Frage muss nicht jede/n interessieren. Man kann sie aber wie eine Zwiebel entpacken und tiefere Schichten aufdecken: Hätte der erste Weltkrieg verhindert werden können? Sind große Ereignisse der Weltgeschichte unvermeidbar, oder können einzelne Personen wie wir sie steuern? Können wir unser Schicksal verändern? Die „großen Fragen“, die hinter spezifischen Themen stecken, packen das Interesse der meisten Studierenden, weil sie abstrakt und auf zahlreiche andere Themen anwendbar sind.

 

2. Welche Kompetenzen brauchen Studierende, um diese großen Fragen zu beantworten?

Was heißt es, im jeweiligen Fach wissenschaftlich zu denken? Wie arbeiten PhysikerInnen, IngenieurInnen, LiteraturwissenschaftlerInnen etc.? Hier geht es um Methoden: Instrumente, Modelle, Zitierstile, Schreibstile, Prozesse usw.

 

3. Welche mentalen Modelle bringen Studierende mit, die sich ändern müssen? Wie kann ich diese Änderungen fördern?

Studierende bringen Gewohnheiten und Denkmuster aus der Schule bzw. aus ihrem Leben mit. Diese mentalen Modelle sind oft sehr hartnäckig und müssen explizit angegangen werden, bevor etwas Neues verankert werden kann. Nur wenn Dozierende sich bewusst machen, was bereits „da ist“ und sich ändern muss, können sie die Studierenden unterstützen, sich nachhaltig weiterzuentwickeln. Die „besten“ Lehrenden fragen sich deshalb immer, welche Stolpersteine sich aus dem fehlerhaften bzw. unzureichenden Vorwissen ergeben könnten.

 

4. Welche Informationen brauchen die Studierenden, um die Fragen zu beantworten und neue Kompetenzen zu erwerben? Wie können sie diese Informationen am besten erhalten?

Erst in diesem Schritt geht es um „Input“! Nun werden Inhalte (auch bezogen auf das wissenschaftliche Arbeiten, s. Frage 2), Lehrmethoden und Medien gewählt. Studierende bekommen neue Informationen, die sie benötigen, um ihr Vorwissen zu ergänzen. Diese können sie auch in einem Flipped Classroom-Setting erhalten.

 

5. Wie werde ich Studierende unterstützen, die Schwierigkeiten haben?

Gute Lehre heißt nicht, dass Studierende alles auf Anhieb verstehen und umsetzen. Eine nachhaltige Veränderung erfordert sogar ein gewisses Maß an Schwierigkeiten (laut einer Studie etwa 15 %) – Fehler, Emotionalität und Scheitern gehören dazu. Dozierende sollten sich deshalb überlegen, wie sie die Studierenden unterstützen werden: mit Erklärungen, zusätzlichen Informationsangeboten, Sprechstunden, (Peer-)Feedback, Lerntagebüchern, Quizfragen o. Ä.

 

6. Wie werde ich die Studierenden dazu anregen, den Stoff kritisch zu hinterfragen?

Die Wissenschaft ist nie vollständig, sondern sucht fortwährend nach der „Wahrheit“. Studierende sollten deshalb lernen, dass kritisches Hinterfragen wesentlicher Teil des wissenschaftlichen Arbeitens ist. Dozierende können Konflikte und Lücken in der Forschung aufzeigen.

 

7. Wie werde ich herausfinden, was die Studierenden bereits wissen und welche Erwartungen sie haben, und wie werde ich mit diesen Informationen umgehen?

Das Vorwissen von Studierenden sowie ihre Erwartungen und Interessen können vor dem Semester abgefragt werden; welche Methoden bieten sich dazu an (kann eine Online-Umfrage verschickt werden)? Wie möchte man mit den Ergebnissen umgehen? Dozierende können Verbindungen zwischen dem Stoff und den studentischen Interessen aufzeigen (vielleicht anhand der „großen Fragen“), explizit auf Diskrepanzen hinweisen, zusätzliche Informationsangebote für Studierende mit weniger Vorwissen bereitstellen, ggf. aber auch Themen aufnehmen oder streichen.

 

8. Wie unterstütze ich die Studierenden darin, zu lernen, sprich, sich zu informieren und ihren Lernprozess zu reflektieren?

Die „besten“ Dozierenden möchten Studierende dazu befähigen, auch über das Studium hinaus lebenslang effizient lernen zu können. Sie möchten den Studierenden zeigen, welche Informationsquellen es gibt oder wie sie neue Quellen finden können, wie sie effektiv lesen können, wie sie ihr Lernen und Arbeiten reflektieren und individuell anpassen können. Dozierende können das entweder gekoppelt an die Lehrveranstaltung fördern (z. B. indem sie Lerntagebücher einsetzen) oder auch einfach auf empfehlenswerte Methoden und Gewohnheiten hinweisen.

 

9. Wie kann ich Studierenden Feedback geben, bevor ich ihre Leistung bewerte?

Im Sporttraining erhalten Lernende hunderte, wahrscheinlich sogar tausende Feedbacks, bevor sie jemals in irgendeiner Form geprüft werden. Es ist selbstverständlich, dass etwas Neues nicht auf Anhieb klappt, sondern dass Übung notwendig ist. Auch die „besten“ Hochschuldozierenden teilen diese Sicht. Sie überlegen sich deshalb, wie die Studierenden möglichst viel Feedback zu ihrer Leistung erhalten können, bevor sie bewertet wird: z. B. durch Peerfeedback, Selbsteinschätzungen, Online-Tests, Musterlösungen, Diskussionen, Veröffentlichung von Texten im Internet oder Audio-Feedback bzw. ein kurzes schriftliches Feedback von Dozierenden.

 

10. Wie kann ich Studierende zum Denken anregen?

Anstatt sich zu fragen, was sie „vermitteln“ wollen, stellen sich die besten Dozierenden die Frage, wie sie die Studierenden zum aktiven Denken anregen können. Ihre Kommunikation und methodische Gestaltung der Lehre richten sich also danach, wie sie die Studierenden „am Ball halten“ können. Die Gestaltung von Folien, die Länge von Vorträgen, die Wahl von Metaphern, der Einsatz aktivierender Methoden… jede Entscheidung in der Lehrplanung wird so getroffen, dass die Studierende nicht schlafen, sondern zum Denken angeregt werden.

 

11. Wie werde ich die Qualitätsmerkmale für studentische Leistung festlegen, formulieren und verständlich kommunizieren?

Studierende wie auch Dozierende müssen studentische Leistungen zumindest so weit als möglich objektiv bewerten können. Ist das geleistet worden, was verlangt wurde? Sind die Studierenden fähig, diese Leistung stabil zu zeigen oder entstammt sie einem Zufall? Bewerten Dozierende fair und transparent? Perfektion ist hier nicht zu erwarten. Aber wenn Dozierende sorgfältig formulierte Bewertungskriterien nutzen, dann wird zumindest genauer festgestellt, was Studierende wirklich zu leisten in der Lage sind. Die besten Dozierenden überlegen sich deshalb im Voraus, welche Kriterien sie wählen werden – solche, die die „großen Fragen“ und Kompetenzen widerspiegeln, auch im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens –, wie sie diese verständlich und beobachtbar formulieren, und wann bzw. wie sie diese Kriterien mit den Studierenden besprechen wollen.

 

Fazit: Eine reflektierte Lehrplanung spart Zeit und fördert die Qualität Ihrer Lehre

Wenn Sie sich – wie die „besten“ Dozierenden – bei der Planung Ihrer Lehre fragen, welchen Sinn die Lehre verfolgt, was Ihre Studierenden mitbringen könnten und wie Sie vorgehen möchten, sparen Sie sich letztlich Zeit und Stress bei der Durchführung der Lehre – und Sie gestalten eine motivierende, lernförderliche Lehrveranstaltung.

Natürlich sind diese Fragen nicht “das A und O” des Vorgehens bei der Lehrplanung, die wir Dozent*innen alle haargenau befolgen müssen. Wir können sie einfach als Inspiration nutzen. Persönlich finde ich die erste Frage am ungewöhnlichsten und deshalb am wichtigsten. Und wie geht es Ihnen mit den Fragen? Haben Sie einen Favoriten?

Wir freuen uns über Ihr Feedback und Ihre Fragen! Sie finden uns auf Twitter oder in unserer Facebook-Gruppe.

Speichern Sie sich auch gerne folgende Infografik ab, die die Fragen zusammenfasst (veröffentlicht unter der freien Lizenz CC BY-SA 4.0):

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Lehrvideos auf die Schnelle: Einfacher, als Sie denken!

Der Corona-Virus zwingt aktuell viele Hochschulen, ihre Lehrveranstaltungen von Präsenz auf Online umzustellen. Hier erfahren Sie, wie Sie mit wenig Aufwand Lehrvideos erstellen können, sodass Ihre Lehrveranstaltung auch online wirksam und motivierend ist.

Die Studierenden wollen Ihr Gesicht sehen: Lehrvideos mit Ihnen

Natürlich ist der menschliche Kontakt online nicht so intensiv wie Face-to-Face. Trotzdem lohnt es sich, auch über den virtuellen Raum eine Beziehung zu den Studierenden aufzubauen: Stellen Sie sich, wenn möglich, auch mal vor die Kamera! Die Studierenden schätzen es sehr, Ihr Gesicht sehen und Ihre Stimme hören zu können. Das macht die virutelle Lehre gleich viel attraktiver und motivierender. Stellen Sie sich also mindestens einmal in der Lehrveranstaltung auch selbst im Video vor. Und keine Sorge, Ihr Auftritt muss nicht “perfekt” seinVideoexpertin Karen Costa weist im Podcast darauf hin, dass es sowieso viel sympathischer wirkt, wenn man sich mal verspricht oder ein Hund im Hintergrund bellt.

 

Wie können Sie dabei vorgehen?

  • Überlegen Sie sich im Voraus in etwa, was Sie sagen wollen. Falls Sie sich im Video vorstellen möchten, dann erzählen Sie doch auch etwas Persönliches von sich. Ihr Lebenslauf ist für die Studierenden weniger interessant als z. B. Ihre ungewöhnlichste Erfahrung als ForscherIn oder ein lustiger Fehler, aus dem Sie einmal viel gelernt haben.
  • Richten Sie sich einen Platz zum Aufnehmen ein. Sie brauchen keine Greenscreen und auch keinen weißen Hintergrund – Ihr normaler Arbeitsplatz oder Ihr Küchentisch reichen völlig aus. Wenn Sie sich auf Youtube umschauen, werden Sie sehen, dass die meisten VloggerInnen in einem normalen Zimmer aufnehmen.
  • Sorgen Sie für zusätzliche Beleuchtung. Nehmen Sie tagsüber auf, machen Sie gerne ein paar zusätzliche Lampen an – mehr Licht tut immer gut. Sie müssen aus meiner Sicht keine Extra-Lampen kaufen. Ich stelle immer ein paar Lampen aus der Wohnung in meine Nähe.
  • Probieren Sie es einfach mal aus. Reden Sie sich bei laufender Kamera vielleicht noch ein bisschen warm. Erzählen Sie der Kamera, wie Sie sich fühlen oder was Sie gerade machen. Diesen Einstieg können Sie später wegschneiden. Schauen Sie sich Ihre erste Aufnahme an und machen Sie ggf. weitere Aufnahmen, wenn Sie nicht zufrieden sind. Nach kurzer Zeit werden Sie wissen, wie Sie dabei am liebsten vorgehen.

Was Sie dafür brauchen

  • Ihre Handykamera reicht völlig aus, falls Sie ein modernes Smartphone haben. In meinem Smartphone ist sogar die Frontkamera völlig ausreichend. Oder Sie nutzen die eingebaute Webcam Ihres Laptops.
  • Es lohnt sich vielleicht, ein kleines Mikrofon zum Anknipsen zu nutzen. Mit diesem Modell für aktuell etwa 13 Euro arbeite ich. Oder Sie nutzen ein Headset, falls Sie eins haben.
  • Ein teures Schneideprogramm brauchen Sie bei dieser Art von Video nicht unbedingt. Sie brauchen ja keine komplizierten Schnitte. Schneiden Sie vielleicht lediglich Anfang und Ende des Videos ab, wo Sie zur Kamera greifen oder sich warm reden – das geht entweder ganz einfach mit einem der vielen kostenlosen Online-Tools, oder Sie laden sich den kostenlosen Video-Player VLC herunter und schneiden damit. Falls Sie mit dem Smartphone aufnehmen, können Sie wahrscheinlich auch direkt am Handy einen Ausschnitt rausschneiden.
  • Bonus: Nur falls Sie wollen, können Sie sich ein Stativ für Ihr Smartphone holen – ich nutze dieses hier für aktuell 27 Euro. Falls Sie mitgezählt haben, dann wissen Sie, dass meine “Ausrüstung” aus Mikrofon und Stativ nur 40 Euro gekostet hat.

So habe ich z. B. mein Home Office eingerichtet, um ein Video aufzunehmen. Sie sehen zwei normale Lampen, das Mikro liegt auf dem Stuhl und wartet darauf, in mein Handy eingesteckt zu werden, welches gleich aufs Stativ kommt. Das Stativ steht auf meinem zweiten Schreibtisch, könnte aber auch auf einem Stuhl stehen.

Und so kann es dann im Video aussehen.

Ausschnitt aus Nina Bachs Video

Für fünf Minuten Auf- und Abbau und knappe 40 Euro ein solides Ergebnis.

 

Die Präsentation: Ihre Vorträge als Video

Was ist aber nun mit den Inhalten, die Sie für die Lehrveranstaltung geplant haben? Vielleicht wollten Sie eine Software oder ein Vorgehen,z. B. eine Literaturrecherche, am PC demonstrieren. Dann können Sie aufnehmen, was Sie am Bildschirm tun, sprich, einen Screencast aufnehmen.

 

Die Variante Screencast: Schnell und einfach

An Hardware brauchen Sie nur ein Mikro (s. oben), und falls Sie keins haben, können Sie vielleicht auch Ihr Handy als Mikrofon nutzen – probieren Sie es doch mal aus. Außerdem brauchen Sie eine Software, mit der Sie Ihren Bildschirm und Ihre Stimme aufnehmen können. Ich nutze am liebsten SnagIt, das aktuell für Dozierende knappe 33 Euro kostet. Die Software ist sehr einfach zu bedienen, hat aber auch begrenzte Funktionen. Es gibt auch kostenlose Softwares, u. a. kann man den oben erwähnten VLC-Player auch zum Screencasten nutzen.

Falls Sie neugierig sind, finden Sie hier ein Screencast-Video, das ich 2019 für ein Seminar erstellt habe. Das Video habe ich mit Camtasia aufgenommen, einer professionellen Schnitt- und Screencast-Software, die viel kann, aber auch 183 Euro kostet. Allerdings kann man Camtasia, wie die meisten zahlpflichtigen Softwares, 30 Tage lang kostenlos testen. Vielleicht reichen Ihnen 30 Tage, um alle Ihre Videos zu erstellen?

Screencasts sind also leicht zu erstellen. Und wie sieht es aus, wenn Sie einen Vortrag mit PowerPoint halten wollten?

 

Die Variante PowerPoint: Auch viel einfacher, als Sie denken!

Was viele nicht wissen: Mit PowerPoint lassen sich direkt Videos erstellen. PowerPoint nimmt Ihre Folien UND Ihre Stimme auf und lässt Sie das Ergebnis direkt als Video speichern. Diese Variante ist ebenfalls extrem einfach und kostengünstig – Sie brauchen wieder nur ein Mikro und Ihre normale PowerPoint-Präsentation. Dabei können Sie einstellen, dass Ihre Webcam Sie mit aufnimmt und in der Ecke des Videos anzeigt, oder einfach nur die Folien aufnehmen.

Wie das genau funktioniert, können Sie direkt bei Microsoft Office nachlesen. Oder Sie schauen sich das schöne Erklärvideo dazu von eLearning-Expertin Martina Keglovits an (6 min).

 

Fazit: Sie können gleich heute beginnen, wirksame Lehrvideos zu erstellen, ohne dass es Sie zu viel Zeit kostet.

Nun hoffe ich, Sie davon überzeugt zu haben, dass Sie wirklich ohne große Investitionen gleich jetzt mit der Gestaltung eines Lehrvideos beginnen können. Haben Sie dabei nicht zu hohe Ansprüche an sich – Ihr Lehrvideo muss nicht auf “Hollywood-Niveau” sein. Die Studierenden werden das Video sowieso schätzen!

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Was können Hochschuldozierende von Kampfkunst-TrainerInnen lernen?

Seit November 2019 leite ich gemeinsam mit einem Kollegen das Anfängertraining in Wing Chun und Taekwondo an meiner Kampfkunstschule in Offenburg. Als Hochschuldozentin und Instructional Designer konnte ich schon beim ersten Training gar nicht anders, als meine Rolle als Trainerin mit meinen Erfahrungen als Hochschuldozentin zu vergleichen. Deshalb lade ich Sie heute ein zu einem Ausflug in die Welt der Kampfkunst. Was können wir von TrainerInnen in einem sportlichen Kontext lernen?

1. Das ständige Geben und Einholen von Feedback

Im Kampfkunsttraining arbeiten wir in kleinen Gruppen – TrainerInnen und SchülerInnen sind manchmal sogar im 1:1-Verhältnis. Das erlaubt es uns, den SchülerInnen ständig Feedback zu geben. Während sie Bewegungen ausführen, geben wir Anweisungen und korrigieren die Haltung. Die SchülerInnen geben sich auch gegenseitig Feedback. Es wäre undenkbar, dass es zu einer Übung kein einziges Feedback gibt. Schätzungsweise sind eher 2-5 Feedbackschlaufen pro Übung üblich. Die SchülerInnen können jederzeit Fragen stellen, und wir fragen sie auch, wie sie unsere Anweisungen wahrnehmen. Das Feedback, egal ob positiv oder negativ, ist stets handlungsbezogen und nie auf die Person gerichtet.

Hochschuldozierende und Studierende stehen wohl so gut wie nie im 1:1-Verhältnis, sondern in den meisten Fällen eher im Verhältnis von 1:25 oder gar 1:250 – deshalb werden wir wohl nie so viel Feedback anbieten können wie KampfkunsttrainerInnen. Allerdings können wir probieren, häufigeres Feedback anzubieten – und sei es „nur“ Peerfeedback, eine Musterlösung, Diskussion der Erfahrungen, Positiv- oder Negativbeispiele… Und auch in der Lehre gilt: Wir sollten unser Feedback auf die Handlung beziehen und den Studierenden zeigen, dass Fehler kein Problem sind.

2. Der Glaube an das heterogene Potential aller Lernenden

Die Gründer meiner Kampfkunstschule haben erkannt, dass alle KampfkünstlerInnen unterschiedliche Persönlichkeiten und Stile haben. Aus dieser Erkenntnis entwickelten sie ein Modell der fünf Elemente, das besagt, dass jede Persönlichkeit eine einzigartige Mischung von fünf Elementen – Erde, Feuer, Wasser, Luft, Blitz – aufzeigt. Entsprechend bewegen sich Menschen je nach Element eher blitzschnell, aggressiv, defensiv, standhaft, fließend usw.

Diese Heterogenität wird im Training geschätzt und gefördert. Wir alle – TrainerInnen wie SchülerInnen – werden dazu ermutigt, unser „Hauptelement“ zu entdecken und die entsprechenden Stärken auszunutzen. Die ebenfalls vorhandenen Schwächen müssen wir natürlich ausgleichen. Es gibt also keine „falschen“ Elemente. Die Bezugsnorm für Erfolg ist individuell, das heißt, es zählt nur, ob man seine eigene Leistung verbessert hat. Der soziale Vergleich ist nicht wichtig – darauf weisen wir auch explizit hin.

Auch Hochschuldozierende können von eigenen Fehlern und Entwicklungen erzählen und explizit darauf hinweisen, dass die persönliche Entwicklung zählt (das sollte sich möglichst auch im Leistungsnachweis widerspiegeln), dass jede/r es mit der Zeit schaffen kann, und dass es unterschiedliche Wege gibt, als WissenschaftlerIn bzw. Berufstätige/r „erfolgreich“ zu sein. Eine Wertschätzung des heterogenen Potentials aller Studierenden halte ich auch an Hochschulen für unverzichtbar.

3. Lernen muss Spaß machen

Training muss Spaß machen – bei einer düsteren, unfreundlichen Stimmung wäre die Kampfkunstschule wohl bald pleite. Im Sport duzt man sich generell, was die Hierarchie zwischen TrainerInnen und SchülerInnen abbaut. In meiner Kampfkunstschule wird besonders viel Wert auf Humor gelegt, auch auf die Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können. Sogar in anstrengenden Situationen, die buchstäblich schweißtreibend sind, können wir einen Grund finden, um zu lachen.

Gerade in Deutschland gibt es die Tendenz, eher ernst und förmlich zu sein. Meiner Erfahrung nach schätzen es Studierende, wenn Dozierende  ihnen auf Augenhöhe begegnen und ab und zu ihren Humor hervorkommen lassen. Natürlich ist auch hier wichtig, authentisch zu sein und sich nicht zu verstellen.

4. Man lernt nie aus

Es gibt kein wirklich endgültiges Ziel in der Kampfkunst. Man kann immer noch ein bisschen besser, schneller oder stärker werden. Ich trainiere AnfängerInnen, bin aber größtenteils selbst noch Schülerin und werde dies ein Leben lang bleiben. Meine TrainerInnen lernen auch noch weiter. Selbst die Weltbesten in jedem Sport suchen sich immer neue Herausforderungen und tauschen sich gerne mit anderen aus. Als Hochschuldozierende sollten wir uns nicht als „fertige“ WissenschaftlerInnen darstellen, die den „unfertigen“ Studierenden etwas zu erzählen haben. Wir sind zwar weiter als die Studierenden, aber wir reisen alle auf einem langen Weg. Eine solche Haltung zu kommunizieren, zeigt den Studierenden, dass Fortschritte möglich sind und nimmt ihnen den Perfektionsanspruch, der bekanntermaßen zu Prokrastination und Ängsten führen kann.

5. Das „Warum“ steht im Vordergrund

Bei der Kampfkunst steht die praktische Anwendung im Vordergrund. Die häufigste Frage der SchülerInnen lautet „Wieso?“ Im Training erklären wir immer und immer wieder, wieso wir bestimmte Dinge tun und wie die Übungen sich auf einen echten Kampf übertragen ließen. Dass es aber oft erhebliche Unterschiede zu einem realen Kampf gibt, machen wir auch deutlich.

Diese Lektion aus dem Training finde ich am allerwichtigsten für Hochschuldozierende: Das „Warum“ sollte stets im Vordergrund stehen. Warum diese Inhalte, diese Aktivität? Wo gibt es praktischen Bezug, wo gibt es Unterschiede zur Praxis? Wenn Studierende die Relevanz von Inhalten und Arbeitsaufträgen verstehen, sind sie motivierter und bauen reichhaltige mentale Modelle auf, die sie später in der Praxis wirklich nutzen können.

Fünf Dinge, die Hochschuldozierende von Kampfkunst-TrainerInnen lernen können

Hier sind also nochmal zusammengefasst die fünf Faktoren, die aus meiner Sicht sowohl in einer Kampfkunstschule als auch in einem Hörsaal erheblich zum Lernerfolg und zur Motivation beitragen:

  1. Möglichst oft Feedback geben und nehmen
  2. Heterogenität wertschätzen und fördern
  3. Mit Freude und Humor lehren
  4. Den eigenen Lernprozess vorantreiben und mit den Lernenden teilen
  5. Die Relevanz von Inhalten und Aktivitäten möglichst oft verdeutlichen

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“Es war mir ein Bedürfnis, Lehrenden das Lehren zu erleichtern”

Falls Sie sich fragen, wer hinter dieser Website steckt, dann sind Sie hier richtig. Als ich im Oktober 2018 offizielles Teammitglied bei „Hanke Teachertraining“ geworden bin, habe ich die Gelegenheit genutzt, um Ulrike gründlich zu ihrer Tätigkeit auszufragen. In diesem Interview unterhalten wir uns über ihre Einstellungen und Werte als Dozentin in der Hochschul- und Bibliotheksdidaktik, ihre Pläne für die nächsten Jahre und die Besonderheiten, die die Mischung zweier Zielgruppen mit sich bringt.

[Ursprünglich erschienen am 15. Januar 2019 auf hanke-teachertraining.de]

Nina: Uli, nach vielen Jahren des Forschens und Lehrens an der Uni Freiburg und PH Freiburg hast Du Dich 2014 selbständig gemacht, um Workshops und Lernmaterialien für Hochschullehrende anzubieten. Was hat Dich dazu bewegt?

Uli: Ausschlaggebend dafür waren zwei Dinge: Erstens war es mir ein Bedürfnis, die Dinge, mit denen ich mich an der Uni und der PH mehr als 10 Jahre (mit dem Studium zusammen 17 Jahre) beschäftigt habe, in die Praxis zu tragen und dadurch die Lehre zu verbessern und Lehrenden das Lehren zu erleichtern. Und zweitens, wenn ich ehrlich sein darf, waren es auch die Rahmenbedingungen des Arbeitens in der Wissenschaft, die mich mit ihren ewig befristeten Verträgen einfach mürbe gemacht haben. Ich hätte mich nun auf eine Professur bewerben müssen und dafür weitere Jahre der Unsicherheit, der Vertretungen hier und da ertragen müssen. Dazu war ich nicht mehr bereit.

Nina: Ich denke, Letzteres ist ein bekanntes Problem unserer Hochschullandschaft. Ich hätte auch keine Lust auf jahrelang befristete Verträge… Nun schaust Du also in die Praxis und Dir ist es wichtig, Lehrenden Unterstützung für ihren Lehralltag anzubieten. Wie stellst Du sicher, dass diese Unterstützung wirklich praxistauglich ist?

Uli: Das versuche ich durch verschiedene Bausteine sicherzustellen. Erstens versuche ich selbst, den Kontakt zur Lehrpraxis mit Studierenden nicht zu verlieren, sodass ich auch am eigenen Leib erfahre, was funktioniert, was nicht. Deshalb führe ich selbst regelmäßig Lehrveranstaltungen mit Studierenden durch. Zweitens stehe ich in den Weiterbildungen und über meine Social Media-Kanäle ständig in Kontakt mit vielen Lehrenden, sodass ich recht nah an dem dran bin, was sie bewegt. Und drittens versuche ich meine Weiterbildungen nach allen Regeln der „Didaktik-Kunst“ zu gestalten:

  • Ich nehme Wünsche der Teilnehmenden auf und gehe darauf ein, soweit das irgendwie möglich ist.
  • Ich gestalte meine Weiterbildungen so, dass sie eine Art Beispiel für Lehrveranstaltungen sind.
  • Ich berichte aus der Praxis.
  • Ich frage nach der Praxis der Teilnehmenden.
  • Ich lasse in den Veranstaltungen an konkreten Fragen aus der Praxis arbeiten.
  • Und wenn mir das meine Auftraggeber ermöglichen, versuche ich, Follow-up-Treffen nach den Veranstaltungen zu implementieren, oder besuche meine Teilnehmenden in ihrer Praxis.
  • Außerdem nehme ich die Evaluationsergebnisse ernst und optimiere meine Weiterbildungsveranstaltungen fortlaufend, um den Wünschen und Bedürfnissen der Teilnehmenden gerecht zu werden.

Nina: All das leistest Du inzwischen für zwei ganz unterschiedliche Zielgruppen. Zum einen für Hochschuldozierende, und seit 2006 auch für Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die ja an ihren Bibliotheken auch Führungen und Schulungen durchführen müssen. Wie kamst Du auf die Idee, dass es dort auch einen Bedarf gibt?

Uli: Wie das Leben so spielt… das war ein Zufall in der Zeit, in der ich noch an der Uni Freiburg gearbeitet habe. Ein Kollege hatte damals schon begonnen, Weiterbildungen zum Thema Didaktik für Bibliothekarinnen und Bibliothekare anzubieten. Und er war bei einem Termin verhindert. Also hat er mich gefragt. Und so war ich Anfang 2006 das erste Mal an der UB Heidelberg und habe eine Weiterbildung im Bereich Bibliotheksdidaktik gegeben. Dann kam ein weiterer Zufall dazu, nämlich dass ein Fachreferent der UB Freiburg an unser Institut kam und Interesse signalisierte, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der UB Freiburg zu schulen. Und so kam dann eine Kooperation zwischen ihm und mir zustande. Wir haben einiges zusammen publiziert und geben noch heute zusammen Workshops im Bereich Teaching Library und Bibliotheksdidaktik. Also eigentlich Zufall 😉. Aber in den letzten Jahren ist der Bedarf in diesem Bereich sehr stark gestiegen, was mich natürlich freut.

Nina: Inzwischen gehört es also zu Deinem Alltag, sowohl in der Hochschuldidaktik als auch in der Bibliotheksdidaktik tätig zu sein. Was ist für Dich das Besondere an dieser Mischung?

Uli: Das macht es schlicht und einfach abwechslungsreich. Die Zielgruppen sind unterschiedlich, die Voraussetzungen, unter denen sie arbeiten auch, aber die Didaktik unterscheidet sich wiederum gar nicht so sehr. Die Hochschuldidaktik fordert von mir, dass ich auch viel lese und bei den neueren Publikationen auf dem Laufenden bleibe. In der Bibliotheksdidaktik ist das bekannte Wissen noch lange nicht so groß, da kann ich dagegen NOCH mehr innovativ sein.

Nina: Und, welche Innovationen hast Du gerade im Blick?

Uli: Das ist so mein Problem: Meist spukt mir so viel im Kopf rum, so dass ich oft gar nicht so genau sagen kann, was es ist. Ich denke auf jeden Fall über einen weiteren Online-Kurs mit dem Arbeitstitel „Handwerkszeug in der Bibliotheksdidaktik“ nach. Der ist, so denke ich, längst überfällig. Außerdem möchte ich einen E-Mail-Kurs zum Entwickeln von kleineren Bibliotheken als Teaching Libraries entwickeln und dann ist da noch die Idee für ein Buch mit dem Fokus auf die typischen One-Shot-Bibliotheksveranstaltungen. Und natürlich möchte ich weitere Web-Seminare anbieten… leider hat mein Tag nur 24 Stunden 😉, aber zum Glück habe ich nun ja Dich, Nina, als meine tatkräftige Unterstützerin. Was würdest Du denn davon gerne als erstes gemeinsam mit mir in Angriff nehmen?

Nina: Oha, Rollentausch! 😀 Also, ich denke, ein Online-Kurs zum Thema „Handwerkszeug in der Bibliotheksdidaktik“ wäre so vielseitig, dass er möglichst vielen im Alltag helfen könnte. Damit könnten wir gerne anfangen. An den One-Shot-Bibliotheksveranstaltungen sind wir ja gerade mit unserer Blog-Reihe dran, vielleicht ergibt sich ein Buch daraus, wenn wir da „durch“ sind. Dann aber noch die letzte Frage für dieses kurze Interview, bevor wir zu sehr in unseren Plänen abschweifen 😊 :

Du arbeitest ja zunehmend mit digitalen Medien in unterschiedlichen Formen wie den sozialen Medien, Online-Kursen und Web-Seminaren und auch Deinen Blended-Learning-Workshops… Wie geht es Dir mit dieser Entwicklung? Was gefällt Dir am digitalen Kontakt mit Deinen Zielgruppen? Und welche Chancen oder Herausforderungen siehst Du wiederum für Hochschuldozierende und BibliothekarInnen im digitalen Umgang mit ihren eigenen Zielgruppen?

Uli: Mir gefällt daran, dass ich manche Dinge etwas aus der Präsenzzeit auslagern kann, nicht mehr immer wieder gleiche Inputs geben muss und meine Teilnehmenden dadurch in der Präsenz schon an konkreten Herausforderungen arbeiten können. Dadurch wird es in den Blended Learning-Veranstaltungen viel praktischer. An den sozialen Medien gefällt mir der unkomplizierte Austausch, die schnelle Unterstützung am Point of Need und dass ich mich quasi nebenbei auch selbst weiterbilden kann.

Als Herausforderung für die Dozierenden an Hochschulen und die BibliothekarInnen sehe ich vor allem die eigene Scheu und vielleicht eine gewisse, für mich völlig nachvollziehbare Unsicherheit im Umgang mit den digitalen Lehr-Lern-Formen. Es erscheint am Anfang so, als sei dies viel aufwändiger. Man hat vielleicht auch Scheu, vor die Kamera zu treten oder etwas in den Sozialen Medien kundzutun. Diese Hürde muss man aber, so ist meine ganz persönliche Erfahrung, einmal überwinden, dann wird man vermutlich bald die Vorteile schätzen lernen.

Nina: Wenn Du es schaffst, schaffen andere es auch. Uli, vielen Dank für Deine Zeit und dieses spannende Gespräch!

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