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Gegenwärtig verändert sich unsere Welt sehr schnell. In der Corona-Pandemie ist dieser Veränderungsprozess schlagartig sichtbar geworden. Vieles, was bisher selbstverständlich war, scheint nun nicht mehr zu passen: der lehrerzentrierte Präsenzunterricht oder das Abfragen von Faktenwissen in Klausuren. Die erzwungene Umstellung auf digitale Formate hat manche aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Dabei hatte sich der kulturelle Wandel von einer ausschließlich analogen Welt hin zu einer analog-digitalen Gesellschaft schon länger angedeutet.
Mit unserer Blogreihe wollen wir (Gerd Macke, Nina Bach und Ulrike Hanke) dem noch zögerlichen hochschuldidaktischen Diskurs belebende Impulse geben – unter dem Hashtag #analogdigitaleHD. Wir möchten über den Tellerrand der Hochschuldidaktik hinausschauen (Interdisziplinarität) und eine bildungstheoretische Perspektive einnehmen, die das Individuum in den Mittelpunkt stellt, ohne die Praxis aus dem Blick zu verlieren.
Wir verstehen den Wandel überwiegend so, wie Felix Stalder ihn in seinem Buch „Kultur der Digitalität“ (2016) beschreibt. Für Stalder ist die Kultur der Digitalität die derzeit vorherrschende Kultur. Sie vereint die analoge und die digitale Welt, die man heute nicht mehr getrennt denken kann. Diese Kultur der Vielfältigkeit ermöglicht und erfordert, dass jede und jeder Einzelne vielfältigste Entscheidungen treffen kann und muss – etwa hinsichtlich der Gestaltung des Familienlebens oder der eigenen Geschlechtlichkeit.

Kultur entsteht durch das Handeln von Individuen und Gruppen; sie ist „handlungsleitend und gesellschaftsformend“ und unterliegt einem fortlaufenden Wandel. Die heutige Kultur ist geprägt von der einfachen Vernetzung über soziale Netzwerke, der vereinfachten Kommunikation und der einfachen Zugänglichkeit zu Informationen.
Stalder kennzeichnet die Kultur der Digitalität durch drei Merkmale: Gemeinschaftlichkeit (Kultur entsteht nur in einer Gemeinschaft, in der Werte und Normen verhandelt werden), Referentialität (Menschen beziehen sich aufeinander und entwickeln Bestehendes weiter) und Algorithmizität (die Kultur ist geprägt von maschinellen Prozessen). Während die ersten beiden kulturelles Handeln immer schon konstituiert haben, ist vor allem die Algorithmizität prägend für die heutige Kultur – sie beeinflusst Gemeinschaftlichkeit und Referentialität.

Die Algorithmizität erweitert die Gemeinschaftlichkeit (man findet einfach Menschen gleicher Gesinnung, auch über große Distanzen) und beschränkt sie zugleich: Was mir ein Algorithmus nicht zeigt, bleibt verborgen – es entstehen Filterblasen. Die Algorithmen, über die nur die großen Tech-Konzerne die Macht haben, beeinflussen uns und unsere Gemeinschaften massiv, was uns oft viel zu wenig bewusst ist. Ähnliches gilt für die Referentialität.
Daraus ergeben sich Fragen für die (Hochschul-)Bildung: Was müssen wir als Lehrende tun, um unsere Studierenden zu mündigen Handelnden in einer so leicht manipulierbaren Welt zu machen? Die Blogreihe fragt: Wie muss eine Bildung aussehen, die den Menschen befähigt, in dieser massiv von Algorithmizität geprägten Kultur eine gute Zukunft zu gestalten? Wir freuen uns auf einen lebendigen und vielstimmigen Diskurs.
Stalder, F. (2016). Kultur der Digitalität. Berlin: Suhrkamp Verlag.
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