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Die biografisch-professionelle Reflexionsfähigkeit gilt an Hochschulen als eine der Schlüsselkompetenzen von Professionalisierungsprozessen, ohne die ein bewusstes Aneignen von neuem Wissen nicht möglich ist. Studierende sollen lernen, ihr Wissen, ihre Kompetenzen und ihre praktischen Erfahrungen eng zu verzahnen. Aber wie kann das gelingen? An der Universität Passau habe ich dazu ein online-basiertes E-Portfolio-Begleitseminar entwickelt (Rachbauer, 2019), orientiert am Profigrafiemodell von Hansen (2012). Gerade durch die E-Portfolioarbeit erfahren die Studierenden, wie sie ihre subjektiven Einstellungen zum Lehrberuf mithilfe systematischer Selbstreflexion nutzbar machen können. Die digitale Version bietet gegenüber dem papierbasierten Portfolio den Vorteil, dass Lehrende orts- und zeitunabhängig zeitnah und semesterbegleitend Rückmeldung geben können.
Aufgabe der Studierenden ist es, ein semesterbegleitendes E-Portfolio zu führen, in dem sie regelmäßig über ihren Lern- und Professionalisierungsprozess reflektieren. Sie halten ihre Erwartungen fest, setzen sich persönliche Ziele und beschreiben ihren IST-Stand bezüglich Fach-, Methoden-, Personal-, Sozial- und Selbstreflexionskompetenz – vor und nach dem Seminar. So können Dozierende die biografische Ausgangslage ihrer Studierenden berücksichtigen, eine zentrale Säule des Profigrafiemodells. Zu Semesterende fragen sich die Studierenden, wie und wodurch sie sich weiterentwickelt haben und welche neuen Ziele sie sich setzen.

Das Prozess-E-Portfolio dient der semesterbegleitenden Dokumentation und (Selbst)Reflexion und enthält: die Auftaktreflexion (Erwartungen und zwei bis drei persönliche Ziele), die regelmäßigen Reflexionen (Kernthemen jeder Sitzung mit eigenen Worten), das fachsprachliche Lexikon (wissenschaftlich fundiertes Nachschlagewerk mit Literaturzitaten) und die Abschlussreflexion (Zusammenfassung, persönlicher Standpunkt, erreichte Ziele).
Das Produkt-E-Portfolio dient einer wissenschaftlich fundierten Ausarbeitung zu einem Thema, das die Studierenden besonders interessiert. Diese schriftliche Arbeit ist – zusammen mit der Eigenständigkeitserklärung – zentraler Bestandteil und muss zwingend wissenschaftlich fundiert sein.
Das E-Portfolio-Begleitseminar ist fest im Curriculum der Lehrer:innenbildung an der Universität Passau verankert und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Aufgrund technischer Neuerungen und neuer Entwicklungen im digitalen Lehren und Lernen sind im Sinne des Lifelong Learning immer wieder Anpassungen nötig. Die Anregungen sind nicht nur für die Lehrkräfte-Ausbildung relevant, sondern zeigen generell, wie wir Dozierende unsere Tätigkeit reflektieren und immer weiter professionalisieren können.
Herzlichen Dank für den Gastbeitrag an Tamara Rachbauer von der Universität Passau.
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