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Hochschuldidaktik allgemein · Interview

„Das Wichtigste ist der Wille, gute Lehre machen zu wollen“

Dorothea Kaufmann im Interview

Als promovierte Molekularbiologin ist Dorothea Kaufmann als Studienkoordinatorin und Dozentin am Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie an der Uni Heidelberg tätig. Ihre Aufgaben reichen von der Curriculumsgestaltung über die Qualitätssicherung bis zur Entwicklung innovativer Lehrkonzepte.

Du arbeitest an einem Studierfähigkeitstest für Pharmazie. Wie kam es dazu?

2018 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass das Auswahlverfahren zum Pharmaziestudium teils mit dem Grundgesetz unvereinbar ist. Deshalb entwickeln die Universitäten Heidelberg, Freiburg und Tübingen im Auftrag des Landes den Studierfähigkeitstest „PhaST“. Gemeinsam mit meiner Doktorandin habe ich die Biologie-Fragen entwickelt. Der Prozess war komplex – aufregend war es, den Staatsvertrag mitzuverhandeln. Mit einem erfahrenen Partner startet PhaST nun; mein Ziel ist, dass bis 2021 alle 22 Pharmazie-Universitäten mitmachen.

Was ist beim Lehren in den Naturwissenschaften anders?

Der maßgebliche Unterschied ist, dass es bei uns eine feststehende Lehrmeinung gibt, während es in anderen Disziplinen fluider ist. Unsere Studierenden müssen enorme Mengen Fachwissen in kurzer Zeit verinnerlichen – das Lehrbuch meiner Grundvorlesung hat 1.600 Seiten. Umso wichtiger ist es, sie zum selbstgesteuerten Lernen zu motivieren. Ein großer Vorteil: Alles ist anwendungsbezogen; ich kann viele Beispiele aus Medizin und Technik heranziehen, das macht die Wissenschaft greifbar.

Welche Tipps gibst Du Kolleg:innen mit?

Man muss sich klar sein, dass man selbst nicht das Maß der Dinge ist. Wir stehen vor Studierenden, weil wir „es geschafft haben“ – doch die vor uns sind viel diverser, und wir müssen alle unterstützen. Eigentlich ist es einfach: 20 Minuten spreche ich, dann eine kurze Murmelphase, offene Fragen im Plenum, viele Beispiele, gern ein Lehrfilm. Das Wichtigste aber ist der Wille, gute Lehre machen zu wollen und diese Zeit nicht als Zeitverschwendung zu sehen. Meine Zellkulturflaschen haben mir nie gesagt, dass sie eine tolle Zeit hatten – von meinen Studierenden höre ich das regelmäßig.

Was sind Deine nächsten Projekte?

Serious Games und Virtual Reality: Gemeinsam mit der Hochschule der Medien in Stuttgart entwickle ich VR-Lehrinhalte, die in einem Serious Game erlebt werden – gerade komplexe Prozesse wie die Krebsentstehung lassen sich in 2D nur unzureichend erklären. Außerdem schließe ich meine Habilitation in der Fachdidaktik der Biologie ab, für die ich die Lern-App „MoBiLe“ entwickelt und ihre Wirkung auf Selbstwirksamkeit und Motivation untersucht habe. Eines ist sicher: Ohne Lehre will ich nicht leben, denn sie ist das, was ich am allerliebsten mache.

Vielen Dank für das spannende Gespräch!

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