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Seit November 2019 leite ich das Anfängertraining in Wing Chun und Taekwondo an einer Kampfkunstschule in Offenburg. Als Hochschuldozentin und Instructional Designerin konnte ich gar nicht anders, als meine Rolle als Trainerin mit meinen Erfahrungen in der Hochschullehre zu vergleichen. Was können wir also von Trainer:innen im sportlichen Kontext lernen?
Im Training arbeiten wir in kleinen Gruppen, oft 1:1, und geben pro Übung mehrere handlungsbezogene Rückmeldungen – nie auf die Person gerichtet. An der Hochschule stehen wir selten im 1:1-Verhältnis, können aber häufigeres Feedback anbieten: Peerfeedback, Musterlösungen, Diskussion der Erfahrungen, Positiv- und Negativbeispiele – und zeigen, dass Fehler kein Problem sind.
An meiner Schule prägt ein Modell der fünf Elemente die Sicht: Jede Persönlichkeit ist eine einzigartige Mischung – es gibt keine „falschen“ Elemente. Erfolg wird individuell bemessen, der soziale Vergleich ist nicht wichtig. Auch Dozierende können von eigenen Fehlern erzählen, betonen, dass die persönliche Entwicklung zählt und dass es unterschiedliche Wege gibt, erfolgreich zu sein.
Training muss Freude machen; im Sport duzt man sich, was Hierarchien abbaut, und Humor – auch über sich selbst – hat viel Platz. Gerade in Deutschland herrscht oft eine ernste Förmlichkeit. Studierende schätzen es, wenn Dozierende ihnen auf Augenhöhe begegnen und authentisch ihren Humor zeigen.
In der Kampfkunst gibt es kein endgültiges Ziel – auch Trainer:innen und Weltbeste lernen weiter. Als Dozierende sollten wir uns nicht als „fertige“ Wissenschaftler:innen darstellen. Diese Haltung zeigt Studierenden, dass Fortschritt möglich ist, und nimmt ihnen den Perfektionsanspruch, der zu Prokrastination und Ängsten führen kann.
Die häufigste Frage der Schüler:innen lautet „Wieso?“ – wir erklären immer wieder, warum wir etwas tun und wie es sich auf einen echten Kampf überträgt. Diese Lektion halte ich für die wichtigste: Warum diese Inhalte, diese Aktivität? Wo gibt es Praxisbezug? Wenn Studierende die Relevanz verstehen, sind sie motivierter und bauen reichhaltige mentale Modelle auf.
Zusammengefasst tragen diese fünf Faktoren sowohl in der Kampfkunstschule als auch im Hörsaal erheblich zu Lernerfolg und Motivation bei: möglichst oft Feedback geben und nehmen, Heterogenität wertschätzen, mit Freude und Humor lehren, den eigenen Lernprozess vorantreiben und teilen sowie die Relevanz von Inhalten und Aktivitäten verdeutlichen.
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