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Seit der Corona-Krise haben Lehrende im Netz viele theoretische Empfehlungen, Linklisten und Tooltipps gesammelt. Ist es nicht an der Zeit, auch einmal zu sammeln, was wir in den letzten Wochen selbst gelernt und ausprobiert haben? Diese Idee führte zur agilen Beitragsparade #3weeks2learn. Mein Beitrag: wie ich einen Workshoptag mit Studierenden spontan in einen Online-Kurs verwandelte.
24 Studierende der Uni Freiburg belegen einen Kurs zu Lerntechniken und Zeitmanagement – vier ganze Workshoptage, einer pro Woche. Drei haben bereits stattgefunden, wir kennen uns, die Stimmung ist gut. Dann heißt es am Freitag: Der ganztägige Abschlusstermin am nächsten Donnerstag muss coronabedingt ausfallen.
Ich entwickle ein Flipped-Classroom-Konzept: Im bestehenden ILIAS-Kurs stelle ich Materialien bereit, die wir dann im Web-Seminar besprechen. Für die Informationsdarbietung nutze ich die ILIAS-„Lernsequenz“, die Materialien in linearen Seiten bündelt. Zu manchen Themen verlinke ich gute YouTube-Videos; zu einem anderen erstelle ich mit vertonten Folien ein eigenes Lernvideo und lade es hoch.

Für die Aktivierung verlinke ich Google Docs: Vor den Videos notieren die Studierenden anonym, was sie bereits wissen, danach ihre offenen Fragen. Am Dienstag erkläre ich per E-Mail den neuen Aufbau; am Donnerstagvormittag sollen sie zwei Stunden für die Lernsequenz einplanen, um 14 Uhr treffen wir uns im Web-Seminar.
Wir besprechen offene Fragen; die Studierenden schreiben im Chat, ich spreche in die Kamera und bündele Ideen auf dem Whiteboard. Es ergeben sich spannende Fragen – etwa, was man tun kann, wenn man sich überwältigt fühlt. Für die als Studienleistung geplante Visualisierung bekommen die Studierenden 10 Minuten, erstellen sie auf Papier, fotografieren sie und schicken sie mir; ich bündele die Fotos in meiner Präsentation, die wir gemeinsam anschauen.
Anschließend stelle ich alle Materialien nummeriert und mit sinnvollen Titeln auf ILIAS. Da die Uni keine Online-Evaluation anbietet, setze ich kurzfristig eine anonyme Google-Forms-Umfrage auf – mit Hinweis, dass niemand sich zur Teilnahme gedrängt fühlen soll. Zehn Studierende geben dennoch sehr positives Feedback.
Studierende gehen bereitwillig mit flexiblen Planänderungen um – was sie brauchen, ist eine sehr klare visuelle und organisatorische Strukturierung, klare Arbeitsaufträge und die Gewissheit, nicht wegen einer technischen Schwierigkeit „aus dem Kurs zu fliegen“. Sie schätzen vor allem den Austausch und die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Die zwischenmenschliche Beziehung ist im virtuellen Raum genauso wichtig wie zuvor. Mein Hauptfazit: Online-Lehre muss nicht perfekt sein – und sie kann wirklich Spaß machen.
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