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Online-Lehre & Digitale Medien

„Ich wünschte, ich könnte sofort verschwinden“: Virtuelle Präsenz aus der Perspektive einer Studentin

Virtuelle Präsenz aus studentischer Perspektive

Wir Dozierenden kennen die virtuelle Lehre aus unserer eigenen Perspektive. Aber wie ist es, auf der anderen Seite des Bildschirms zu sitzen? Wir freuen uns sehr, die Perspektive der Studentin Afsaneh Taheri teilen zu können. Sie gibt uns einen Einblick, wie es sein kann, an unpersönlichen, distanzierten Lehrveranstaltungen teilzunehmen – und wie groß die Hemmschwelle ist, sich zu beteiligen, vor allem, wenn Deutsch nicht die Muttersprache ist.

Ich sitze an meinem Schreibtisch. Mein Onlineseminar beginnt in wenigen Minuten. Ich schalte die Kamera ein. Ich sehe mich. Ich sehe mein Zimmer, Kleiderschrank, Bett, Kleidung und mich in all dem. Es ist, als würde ich mich in meinem Zimmer auflösen, als würde ich mich selbst in ein Möbelstück verwandeln. Ich schaue in meine Augen, die mich ansehen. Wie ungewohnt es ist, mein Gesicht so zu sehen – ohne Lächeln. Ich denke mir, es ist besser, die Kamera auszuschalten. Dies wiederholt sich jeden Tag.

Schon länger spreche ich meine Beiträge, meine Kommentare nur in meinem Kopf.

Es ist dunkel … Dunkle Fenster mit einem Buchstaben oder einem Namen. Meine Augen kennen sie nicht! Sie sind seit einem Jahr meine Kommiliton:innen. Mein Name ist hier unbekannt und schwer auszusprechen. Ich bin oft eine der Letzten, die sich vorstellt, weil Menschen mit deutschen Namen früher sprechen können.

Ich finde es schön, wenn mein Name manchmal falsch ausgesprochen wird. Ich finde den Versuch, es einfach zu tun, sehr nett!

Wenn ich im Onlineseminar versuche, meine Gedanken bestmöglich auszudrücken, waren da immer wieder diese Gesichter mit den seltsamen Blicken. Und die Konfrontation mit den Momenten der Stille! Niemand ist motiviert zu fragen: Was meintest du damit? Ich wünschte, ich könnte sofort verschwinden.

Und dann: Ah, schön! Heute Seminar mit meiner Lieblingsdozent:in und der netten Runde! Hier schalte ich meine Kamera an und manchmal auch das Mikrofon. Mein Gesicht ist nicht so ernst und lächelt manchmal. Ich werde hier immer gesehen und gehört. Alle meine Farben werden gesehen, meine Stimme und sogar mein Akzent werden gerne gehört und respektiert!

Ich bin motiviert, mehr zu lernen, aktiv zu sein und achtsam zuzuhören. Es ist hier nicht wichtig, wie ich heiße, wie ich aussehe und wie ich rede.

Afsanehs Beitrag zeigt, wie wichtig es ist, dass Studierende sich auch in virtuellen Treffen gesehen und wertgeschätzt fühlen. Wenn eine große Distanz gespürt wird, ist die Hemmschwelle groß, sich zu beteiligen. Dozierende müssen also Strukturen für eine empathische, offene Zusammenarbeit schaffen. Konkrete Inspiration bietet u.a. unser Gastbeitrag von Dr. Jan-Arne Gewert zur Gestaltung der virtuellen Präsenz.

Afsaneh Taheri kommt aus dem Iran und studiert Soziale Arbeit an der Alice Salomon Hochschule. Danke an Afsaneh für ihren Beitrag!

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