Didaktik-To-Go: Ziehen Sie ein Zwischen- oder Abschlussfazit…

Diese Infograik zeigt, dass bei einem Marktspaziergang zuerst Themen verteilt werden, dann werden Marktstand-Einträge erarbeitet. Schließlich öffnet der Markt und die Studis können sich alle Stände anschauen.

…mit einem Marktspaziergang.

Wie beendet man ein Semester inhaltlich? Wie zieht man ein Zwischenfazit? Wie unterstützt man den Studierenden, ihr neues Wissen zu konsolidieren und sich z.B. auf eine Klausur vorzubereiten?

Meine Lieblingsmethode für diese Zwecke ist der sogenannte Marktspaziergang.
Wie der Marktspaziergang funktioniert, erfahren Sie in der obigen Infografik.

Wenn Sie mehr erfahren möchten, können Sie sich in meinem Gastbeitrag im Lebenslang-Lernen-Blog der PH Zürich weiter informieren.

Das Fundament für gelingende Lehrveranstaltungen sichern

Man sieht einen Tisch mit Arbeitsmaterial, eine Gruppe junger Menschen sitzt am Tisch und unterhält sich.

Die Arbeit mit einer neuen Gruppe ist zunächst immer etwas holprig. Ein gegenseitiges Kennen- und Vertrauenlernen ist nötig, damit die Lehrveranstaltung gelingen kann.

Wie kann man als Dozierende/r dafür sorgen?

In meinem Gastblogbeitrag an der PH Zürich stelle ich eine entsprechende Lehrmethode für den Einstieg vor: die Vorstellungsgruppe.

Vorstellungsgruppe: Zuerst kennen lernen, dann Inhalte

einfachlehren bietet Antworten auf drängende Fragen von Lehrenden

Die hochschuldidaktische Arbeitsstelle der TU Darmstadt hat eine sehr gute Seite, die schnelle Antworten auf viele Fragen bietet, die Lehrende sich in ihrem Lehralltag stellen … wie eine ausführliche FAQ-Liste fürs Lehren. Ich finde die Antworten zumeist sehr gut und fundiert. Manche Beiträge wären eigentlich fast ein kürzeres E-Book wert.

Ein Blick lohnt sich wirklich:

Lehrmethode Reframing

Eine weibliche Hand hält einen weißen Bilderrahmen hoch. Dahinter sieht man einen weiten Meeresblick. Ein Teil des Horizonts wird nun eingerahmt.

Anwendungsbeispiel

In einem Seminar zur Vorbereitung auf eine Praxisphase im Studium angehender Lehrerinnen und Lehrer habe ich diese Methode kürzlich angewendet. Es ging um Unterrichtsplanung. Sie Studierenden sollten lernen, Unterrichtsmethoden auf der Grundlage von Überlegungen zu den Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler und der anzustrebenden Kompetenz auszuwählen.

Nach einem theoretischen Input habe ich die Studierenden gebeten, in Gruppen eine bestimmte Unterrichtsstunde zu planen; Voraussetzungen und Ziele habe ich vorgegeben. Die Gruppen erstellten jeweils einen Unterrichtsentwurf. Anschließend gab ich einen minimal veränderten Auftrag (nur das Ziel war verändert) in die Gruppen und lies sie nun einen weiteren Unterrichtsentwurf erstellen. Hier begann das Reframing: Die Studierenden mussten nun in einem minimal veränderten Kontext (Frame, Rahmen) die Unterrichtsstunde neu denken.

Anschließend erhielten sie einen weiteren Auftrag, der sich ebenfalls nur marginal vom ersten unterschied. Jetzt mussten sie erneut „reframen“. In einer abschließenden Ergebnissicherung im Plenum ließ ich protokollieren, was ihnen bei dieser Aufgabe aufgefallen war, und fasste es mit ihnen zusammen. Außerdem kündigte ich an, dass wir in der nächsten Sitzung konkrete Zuordnungen von Methoden zu bestimmten Voraussetzungen und Lernzielen vornehmen würden. Die Sitzung verlief sehr gut. Die Studierenden hatten viele Aha-Erlebnisse und haben dadurch die Relevanz des Klärens von Voraussetzungen und des Definierens von Lernzielen erkannt.

Die Methode, etwas abstrakter

Beim Reframing geht es darum, einen Sachverhalt in einen neuen Kontext zu setzen und sich dadurch ergebende Veränderungen zu reflektieren. Diese Lehrmethode setzt damit bereits ein gutes Wissen und Verständnis voraus und ziel dann darauf, die Analysefähigkeit der Lernenden zu fördern und sie dazu zu bringen, Situationen und Sachverhalte jeweils in Relation zu ihrem spezifischen Kontext zu bewerten/beurteilen.

Dieses Reframing kann dabei in der Gesamtgruppe einer Lehrveranstaltung erfolgen, ist aber sicherlich eindrücklicher und lernförderlicher in Gruppen, weil dann alle Lernenden aktiver eingebunden sind.

Es ist auch sehr gut mit der Methode Lernstafette/Partnerstafette (Macke, Hanke & Viehmann, 2012) oder Send-a-problem (Barkley, Cross & Major, 2005) kombinierbar.

Ideen zur Umsetzung in verschiedenen Fächern

  • Wirtschaftswissenschaften, Soziale Arbeit, Medizin: Fallarbeit; Verändern Sie die Fallbeschreibung marginal und lassen Sie den Fall anschließend erneut bearbeiten.
  • Naturwissenschaften: Verändern Sie nach dem Lösen ein
  • Wissenschaftliches Arbeiten 1: Lassen Sie eine Quelle in Relation zu Ihrem Auffindungsort bewerten. Lassen Sie Ihre Lernenden eine Information/ein Faktum für Wikipedia, die Regenbogenpresse oder eine Fachzeitschrift aufbereiten. Diskutieren Sie anschließend mit den Lernenden weniger die Ergebnisse, sondern mehr die Erfahrungen, die die Lernenden beim Aufarbeiten der Information für die jeweilige Publikationsquelle gemacht haben.
  • Wissenschaftliches Arbeiten 2: Lassen Sie Ihre Lernenden identische Suchanfragen in unterschiedlichen Datenbanken durchführen und bewerten Sie gemeinsam die unterschiedlichen Ergebnisse oder verändern Sie eine Suchanfrage minimal, z.B. durch den Austausch oder das Weglassen der Boolschen Operatoren und lassen Sie die Lernenden die unterschiedlichen Ergebnisse bewerten.
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