Was zur Hölle ist Wasser? Eine krisenbedingte neue Einstellung zur digitalen Lehre

Der amerikanische Autor David Foster Wallace erzählte in einer Rede einmal folgende Parabel.

There are these two young fish swimming along, and they happen to meet an older fish swimming the other way, who nods at them and says, “Morning, boys. How’s the water?” And the two young fish swim on for a bit, and then eventually one of them looks over at the other and goes, “What the hell is water?”

Vor der Krise war ich wie die jungen Fische – ich schwamm unbewusst in einem Meer aus Annahmen über die digitale Lehre. Und diese waren teils auch eher negativ: Im Januar hätte ich noch gesagt, dass ich mich eher ungern mit der Online-Lehre beschäftige.

Nicht, weil ich Angst davor hatte – mein Vater ist Informatiker und ich fühle mich schon immer wie eine „Digital Native“ (wenn es so etwas überhaupt gibt, da dieses Gefühl nicht auf alle Menschen meines Alters zutrifft!). Ich verwalte sieben Websites und habe mir deshalb auch etwas HTML beigebracht. Trotzdem war die digitale Lehre für mich etwas Langweiliges oder Trockenes, mein Herz schlägt eigentlich für zwischenmenschliche Begegnungen, Achtsamkeit und Selbstmitgefühl. Workshops zu eLearning-Tools anzubieten, schien mir im Vergleich kalt und trist.

Heute habe ich eine ganz andere Einstellung. Ich habe mich gleich zu Beginn der Pandemie intensiv mit Lehrvideos, mit Web-Seminaren, mit digitaler Lehre ganz allgemein beschäftigt – und habe gemerkt, dass es auch hier um menschliche Begegnungen geht. Man könnte sogar argumentieren, dass Achtsamkeit, (Selbst-)Mitgefühl usw. noch weiter in den Fokus rücken müssen, damit digitale Lehre wirksam sein kann, damit sie den Bedürfnissen der Lehrenden und Lernenden gerecht werden kann.

Wenn wir also darüber sprechen, wie ein Lehrvideo gestaltet sein sollte, oder inwiefern ein Web-Seminar aktivierend sein kann, dann geht es letztlich nicht darum, die coolsten neuen Tools und Tricks zu kennen. Diese sind immer nur ein Mittel zum Zweck. Und dieser lautet: Dozierende sollen in wenig Zeit effektive Mittel und Methoden implementieren, sodass ein möglichst empathischer, offener Austausch mit Studierenden stattfindet und diese sich nachhaltig weiterentwickeln.

Es ist letztlich nicht so wichtig, ob man dazu Mentimeter nutzt, Team-Based Learning, Zoom oder Webex oder die Tausend anderen Tools und Methoden, die uns um die Ohren fliegen. Diese Konzepte kann man sowieso nicht über einen Kamm scheren und bewerten. Die Didaktik und der Mensch müssen (wie schon immer!) im Zentrum der Diskussion stehen. Das ist das allgegenwärtige Wasser, das ich früher auch vage spüren konnte – wie die jungen Fische – aber jetzt erst in Worte fassen kann.

Dieser Post ist Teil der Blogparade: „Wandel oder gewandelt werden? Was der Wandel mit uns macht, und wie wir den Wandel gestalten“

Wandel oder gewandelt werden? – Aufruf zur Blogparade

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Rezension: Online-Lehre – Wie geht das? (Ulrike Hanke / Udemy)

von Jens Andreas Faulstich

Das neue Semester wirft seine Schatten voraus – und an vielen Hochschulen sind die Möglichkeiten für präsenzbasierte Hochschullehre nach wie vor eingeschränkt. Auch ich stehe vor der Aktualisierung meiner Online-Lehrveranstaltungen und habe mir in diesem Zusammenhang einen Blick auf den Online-Kurs “Online-Lehre – Wie geht das” von Ulrike Hanke gegönnt. Um es gleich vorweg zu sagen: Der Blick lohnt sich. Ohne allzu viele Inhalte vorwegzunehmen und damit den Spaß an der eigenen Arbeit mit dem Kurs zu verderben, seien einige Punkte genannt, die aus meiner Sicht einen besonderen Mehrwert darstellen:

Abgeleitet von einem kurzen Einblick in Kernaspekte des Instructional Design (Constructive Alignment, Bloomsche Taxonomie) wird in ca. 1.5 Stunden Lehrvideo-Inhalt entwickelt, welche Lehrinhalte eher asynchron vermittelt werden sollten und wo die virtuellen Präsenzphasen nützlich oder gar notwendig sind, um Kooperation und Austausch zu fördern, Feedback zu geben oder auch um einen Rahmen zur Wissensüberprüfung zu bieten.

Thematisiert werden im Rahmen der Wissensdarbietung die prinzipiellen Möglichkeiten, eigens erstellte Inhalten und darüber hinaus online verfügbare Materialien anderer Herkunft in eine eigene Kursumgebung sinnvoll einzubeziehen. Im Zusammenhang der Eigenerstellung von Lehrinhalten führt der Online-Kurs in wenigen transparenten Schritten zum ersten eigenen Lehrvideo. Während der Fokus des Online-Kurses sonst nicht so sehr auf den Bits und Bites liegt, werden an dieser Stelle auch die technische Umsetzung mit einfachen Mitteln und die erforderliche Hard- und Software thematisiert.

Methodisch wird durch den Online-Kurs vorgeführt, was inhaltlich vermittelt wird: Die Lehrvideos im Rahmen des Online-Kurses sind in kurze, geschlossene Einheiten sequenziert und bieten eine ebenso angenehme wie authentische digitale Ansprache des (in diesem Falle lehrenden) Publikums. Sie motivieren darüber hinaus zu eigenen Gehversuchen – unter anderem dadurch, dass immer wieder dazu eingeladen wird, thematisch vorgeführte Aspekte auf eigene Veranstaltungsplanungen anzuwenden. Der Online-Kurs schließt, wie könnte es anders sein, mit Gedanken zur Durchführung von Online-Prüfungsverfahren – und schließt thematisch hier die Klammer zur Taxonomie der vermittelten Kompetenzen und bietet eine Reihe sehr handhabbarer und nachvollziehbarer Empfehlungen.

Dem eigenen Anspruch nach bietet der Kurs eine Begleitung für den Einstieg – aber auch die viele Lehrenden im Hochschulsektor, die bereits über ein praktisches Vorwissen aus früheren Semestern verfügen und/oder im vergangenen Pandemie-Semester erste Erfahrungen gesammelt haben, werden mit Sicherheit davon profitieren, das eigene Didactic Design noch einmal zu hinterfragen und die einen oder anderen Aspekte zu optimieren.

Insofern ein wirklich praxistaugliches und kompaktes Paket, das ich gerne und mit Nachdruck weiterempfehlen kann!

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Vielen Dank an Jens Andreas Faulstich für seine Rezension! Wir freuen uns, dass er sich die Zeit genommen hat, um seine Eindrücke mit uns zu teilen.

Hier kommen Sie zum Udemy-Kurs “Online-Lehre – wie geht das?”

 
 
Foto von Jens Andreas Faulstich
Jens Andreas Faulstich

Ich bin als Koordinator für Fachfremdsprachen am RheinAhrCampus der Hochschule Koblenz für zahlreiche Präsenz-, Blended-Learning- und Online-Angebote an unserem Hochschulstandort verantwortlich und betreue in diesem Zusammenhang neben meinen eigenen Lehrveranstaltungen auch die Arbeit diverser Lehrbeauftragter. Gerade im aktuellen Zusammenhang beobachte ich sehr aufmerksam die zahlreichen Weiterbildungsangebote im Bereich der Online-Lehrformate, da diese nicht nur für mich, sondern auch für Kolleginnen und Kollegen relevant sein können.

Zum Profil von Jens Andreas Faulstich

 
 
 
 

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Wie geht Lehre gleichzeitig in Präsenz und via Webkonferenz? Das Blended Synchronous-Lehrformat

Viele Hochschulen und Universitäten möchten zumindest soweit als möglich zurück zur Präsenzlehre. Solange jedoch weiterhin Pandemiebedingungen herrschen und die Abstandsregeln eingehalten werden müssen, sind die meisten Räume an den Unis zu klein, um alle Studierenden gleichzeitig dort zu unterrichten. Es wird deshalb immer wieder diskutiert, einen Teil einer Gruppe in Präsenz zu unterrichten und den anderen Teil via Webkonferenztool dazu zu schalten. Dieses Lehrsetting ist in der englischsprachigen Literatur als Blended Synchronous Learning bekannt.

 
Bild von pixabay.com (Sayyidsembilanenam, CC0)

Was aber ist der Mehrwert dieses Lehrsettings gegenüber einer Teilnahme aller Studierenden an der Webkonferenz?

  • Klar, sie können sich wenigstens zum Teil (wieder)sehen; wieder mehr Gemeinschaft erleben.
  • Und wir, wir können „endlich“ wieder zum altbekannten Präsenzunterricht zurückkehren.
 

Aber didaktisch? Wie soll ein solches Lehrsetting gestaltet sein?

Ist die Hochschule nicht technisch perfekt ausgestattet (viele gute Mikrophone im Raum und mehrere Kameras), so wird die Teilnahme für die Online-Studierenden nämlich sehr mühsam:

  • Sie werden vermutlich vieles, was im Raum gesprochen wird, nicht oder nur sehr schlecht verstehen; und
  • an der Diskussion beteiligen können sie sich auch kaum.
  • Auch der Einsatz von Medien wie Pinnwand oder Flipchart sind fast ausgeschlossen, wenn nicht ständig die Kamera neu ausgerichtet werden soll;
  • zumal die Online-Studierenden sich auch hier quasi nicht beteiligen können, da sie nichts aufschreiben können.

Die Gefahr besteht deshalb, dass die Online-Teilnehmenden in einer beobachtenden Rolle „gefangen“ sind.

Aus dieser rein beobachtenden Rolle können wir als Lehrende sie nur herausholen, wenn wir die Präsenzstudierenden an die PCs oder Laptops setzen, sie also quasi in der Präsenz zumindest zum Teil auch zu Webkonferenz-Teilnehmenden machen. Dann können wir nämlich Umfragen machen, gemeinsam an einer virtuellen Pinnwand arbeiten oder sogar miteinander diskutieren (vorausgesetzt alle haben ein Headset). Warum dann nicht gleich alle in der Webkonferenz?

 

Warum wird dieses Lehrsetting auch ohne Pandemie-Bedingungen diskutiert?

Der Vorteil dieses Settings wird darin gesehen, dass es Studierenden erstens die Wahl lässt, ob sie in Präsenz oder online teilnehmen wollen. Zweitens wird durch ein solches Angebot auch Menschen der Zugang zu einem Studium oder einer Lehrveranstaltung ermöglicht, die sonst nicht teilnehmen könnten, weil sie viele Verpflichtungen wie begleitende Erwerbstätigkeit oder Kinderbetreuung oder ähnliches zu organisieren haben (Bower et al., 2014 u. v. a.). Studien (z. B. Wang et al., 2017, Bower et al., 2014) zeigen deshalb, dass die Studierenden dieses Blended Synchronous Learning schätzen.

Einen Schritt weiter als der Ansatz des Blended Synchronous Learning geht noch der sogenannte Hyflex-Ansatz (Beatty, 2019 u. a.). Hier wird neben den beiden synchronen Zugangsformen auch immer noch eine asynchrone Zugangsform angeboten.

Diese beiden Argumente sind für mich überzeugend, weshalb ich im Folgenden einige Ideen und Gelingensbedingungen für ein solches Blended Synchronous-Lehrsetting vorstellen möchte.

 

Gelingensbedingungen

Die im folgenden aufgelisteten Gelingensbedingungen sind entstanden aus meiner Lektüre vieler Publikationen und Studien zum Blended Synchronous Learning Model und zum Hyflex Model…

 

Bruff, D. (2020): Active Learning in Hybrid and Physically Distanced Classrooms. Center for Teaching at Vanderbilt. https://cft.vanderbilt.edu/2020/06/active-learning-in-hybrid-and-socially-distanced-classrooms/

Hybrid/HyFlex Teaching & Learning. Center for Teaching and Learning at Columbia University. https://ctl.columbia.edu/resources-and-technology/teaching-with-technology/teaching-online/hyflex/

Bower, M., Kenney, J., Dalgarno, B., Lee, M. J. W., & Kennedy, G. E. (2014): Patterns and principles for blended synchronous learning: Engaging remote and face-to-face learners in rich-media real-time collaborative activities. Australasian Journal of Educational Technology, 30(3). https://doi.org/10.14742/ajet.1697  

Wang, Q., Quek, C. L., & Hu, X. (2017). Designing and Improving a Blended Synchronous Learning Environment: An Educational Design Research. The International Review of Research in Open and Distributed Learning, 18(3). https://doi.org/10.19173/irrodl.v18i3.3034

 
 
 
Die Wahl geben

Die Stärke dieses des Blended Synchronous Learning ist es also, dass die Studierenden eine Wahl haben und sich dadurch wertgeschätzt fühlen. Studierende, die gerne in die Präsenzveranstaltung kommen, können diesen Zugang wählen, Studierende, die aus welchen Gründen auch immer – gerade auch in der Pandemie-Situation – von zu Hause aus teilnehmen möchten, können dies ebenfalls tun.

Dies bedeutet aber für uns als Lehrende, dass wir den Studierenden diese Wahlmöglichkeit auch geben müssen. Schreiben wir ihnen vor, wer wann in Präsenz und wann online dabei sein muss, so verliert dieses Setting seinen Vorteil direkt wieder. Aufgrund der unter Pandemie-Bedingungen begrenzten Raumsituation müssen wir hier also in irgendeiner Form Möglichkeiten schaffen, dass sich die Teilnehmenden für die Präsenz anmelden und ihnen verdeutlichen, dass sie die Wahl haben, so lange es Plätze gibt. Am besten machen wir dies wochenweise, damit alle Studierenden, die dies wünschen, auch tatsächlich die Möglichkeit erhalten, zumindest hin und wieder einen Platz in der Präsenz zu ergattern.

 
Transparenz schaffen

Eine weitere wichtige Gelingensbedingung ist ein hohes Maß an Transparenz: Die Studierenden müssen im Vorfeld sehr gut über dieses Setting und dessen Ausgestaltung mit all seinen Vor- und Nachteilen informiert werden. Wir müssen ihnen auch verdeutlichen, dass wir dieses Setting wählen, um ihnen wieder Präsenzunterricht zu ermöglichen und nicht, weil es kostensparend oder einfacher für uns ist. Und wir sollten auch hinsichtlich der Nachteile dieses Settings kein Blatt vor den Mund nehmen. Nur so können die Studierenden eine reflektierte Wahl treffen.

 
Gute Vorbereitung

Und dann braucht die Umsetzung eines solchen Blended Synchronous-Szenarios eine gut durchdachte Vorbereitung. Ohne eine solche Vorbereitung werden wir als Lehrende diese Doppelbelastung nicht aushalten und die beiden Teilnehmendengruppen nicht gerecht einbinden.

Deshalb:

  • Haben Sie in der Vorbereitung wie in der Lehrsituation selbst jeweils beide Gruppen im Blick.
  • Stellen Sie bereits vor der Sitzung alle in der Lehrveranstaltung benötigten Materialien online zur Verfügung.
 
Bei nicht perfekter (!) Technik: Alle in die Laptops

Wie oben schon beschrieben, ist es für die Online-Teilnehmenden schwer oder unmöglich, einer Diskussion in der gesamten Präsenz-Gruppe zu folgen, geschweige denn daran teilzunehmen. Auch die Arbeit mit Flipchart oder Pinnwand oder überhaupt mit Bewegung im Raum ist quasi unmöglich, ohne dass die Online-Teilnehmenden benachteiligt werden. Deshalb ist es zu empfehlen, dass alle Teilnehmenden, auch die im Seminarraum, Zugang zu einem PC oder Laptop und der Webkonferenz haben. So kann z. B. gemeinsam an einem virtuellen Whiteboard oder einer virtuellen Pinnwand gearbeitet werden.

 
Backchannel (mit Assistenz) implementieren

Um die Online-Teilnehmenden einzubinden, sollten Sie unbedingt den Textchat des Webkonferenz-Tools als Backchannel implementieren. Bitten Sie die Studierenden, dort ihre Fragen zu stellen und auch miteinander ins Gespräch zu kommen.

Da es sehr anstrengend sein kann für Sie, einerseits die Präsenzgruppe und andererseits die Online-Gruppe im Blick zu behalten, empfiehlt es sich, wenn irgendwie möglich, eine Assistentin oder einen Assistenten zur Betreuung des Backchannels zu haben.

Sollten Sie keinen Zugriff auf eine solche Unterstützung haben, so bitten Sie in der Sitzung eine/n der anwesenden Studierenden, diese Rolle zu übernehmen.

Stattdessen können Sie aber auch mit einem Patensystem arbeiten: Jede/r Studierende im Raum übernimmt die Patenschaft für eine/n Online-Studierenden, und gibt dessen Fragen oder Anmerkungen an die Präsenzteilnehmenden weiter. Dieses Paten-System bietet zusätzlich den Vorteil, dass die Studierenden sich auch zwischen Präsenz- und Online-Teilnehmenden vernetzen. Nachteilig ist aber, dass diese Paten-Situation für die Studierenden Ablenkungspotential bietet, so dass sie nicht so gut aufpassen können.

 
Behalten Sie immer beide Gruppen im Blick
  • Dazu gehört es auch, dass Sie bei unterschiedlichen Aufgabenstellungen für die Präsenz- und die Online-Gruppe diese Aufgaben am besten schriftlich vorbereiten und zur Verfügung stellen. Ansonsten müssen Sie beide Aufgaben erklären, was jeweils für die andere Gruppe sehr langweilig ist.
  • Nehmen Sie außerdem immer bewusste Positionen im Raum ein, so dass Sie auch für die Online-Studierenden stets sichtbar sind.
  • Nehmen Sie sich Zeit für den Backchannel, auch wenn dort zunächst nicht so viel kommt.
 
Geeignete Methoden
  1. Grundsätzlich sind alle Methoden denkbar, die Sie in einem reinen virtuellen Präsenzsetting nutzen könnten (Hanke, Bach & Morath, 2020):
  • Gemeinsame Arbeit an einem Whiteboard, virtuelle Pinnwand, Etherpad
  • Gemeinsames Mitschreiben/Protokollieren
  • Umfragen, Abfragen
  • Vorträge (aber bitte nur in Maßen)
  1. Sehr geeignet sind auch Gruppenarbeiten: Hier besteht die Möglichkeit, dass die Teilnehmenden im Seminarraum Gruppen bilden (Achtung: Abstandsregeln!) und sich die Online-Teilnehmenden in Break-Out-Sessions zusammenfinden. Haben alle Teilnehmenden Zugriff auf die Webkonferenz, kann man auch Präsenz- und Online-Teilnehmende mischen. Lassen Sie die Ergebnisse der Gruppenarbeiten in jedem Fall via Etherpad oder virtueller Pinnwand oder Ähnliches verschriftlichen, so dass später die Ergebnisse für alle gut sichtbar geteilt werden können.
  2. Sie können eine Diskussion im Fishbowl initiieren: Die Studierenden in der Präsenz diskutieren ein Thema, die Online-Studierenden beobachten (und protokollieren) und schildern später ihre Beobachtungen (oder stellen ihre Protokolle vor).
  3. Ebenso können Rollenspiele durchgeführt werden: Auch hier übernehmen die Online-Studierenden die Rolle der Beobachter/innen und berichten später über ihre Beobachtungen.
 
 

Fazit

Jenseits von Gruppenarbeiten, Diskussionen im Fishbowl oder Rollenspielen und Vorträgen (deren idealer Platz aber eigentlich nicht die synchronen Lehrphasen sind) ist eine methodisch abwechslungsreiche Gestaltung dieser Blended Synchronous-Lehrsettings nur möglich, wenn alle Studierenden Zugriff auf PC oder Laptop haben und in gewisser Weise aus dem Seminarraum heraus an der Videokonferenz teilnehmen können. Damit bleibt für mich klar: Der Mehrwert dieses Blended Synchronous-Lehrformates ist nur gegeben, wenn die Studierenden sich dadurch in ihrer Autonomie gestärkt sehen, weil sie selbst wählen können, wie sie teilnehmen. Fällt auch dies weg, weil man manche Studierende „zwingt“, in Präsenz teilzunehmen, so sollte man gleich ganz auf Lehre via Videokonferenz umsteigen.

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Quellen

 

Methodenideen

Bruff, D. (2020): Active Learning in Hybrid and Physically Distanced Classrooms. Center for Teaching at Vanderbilt. https://cft.vanderbilt.edu/2020/06/active-learning-in-hybrid-and-socially-distanced-classrooms/

Hybrid/HyFlex Teaching & Learning. Center for Teaching and Learning at Columbia University. https://ctl.columbia.edu/resources-and-technology/teaching-with-technology/teaching-online/hyflex/

 

Handbuch zum Blended Synchronous Learning Model

Bower, M., Dalgarno, B, Kennedy, G. E. Lee, M.J.W. & Kenney, J. (2014): Blended Synchonous Learning. A Handbook for Educators. https://ltr.edu.au/resources/ID11_1931_Bower_Report_handbook_2014.pdf

 

Forschung mit Case Studies zum Blended Synchronous Learning Model

Bower, M., Dalgarno, B, Kennedy, G. E. Lee, M.J.W. & Kenney, J. (2015): Design and implementation factors in blended synchronous learning environments: Outcomes from a cross-case analysis. Computers & Education 86, 1-7. https://doi.org/10.1016/j.compedu.2015.03.006

Bower, M., Kenney, J., Dalgarno, B., Lee, M. J. W., & Kennedy, G. E. (2014): Patterns and principles for blended synchronous learning: Engaging remote and face-to-face learners in rich-media real-time collaborative activities. Australasian Journal of Educational Technology, 30(3). https://doi.org/10.14742/ajet.1697  

 

Studie zu Gelingensbedingungen des Blended Synchronous Learning Models

Wang, Q., Quek, C. L., & Hu, X. (2017). Designing and Improving a Blended Synchronous Learning Environment: An Educational Design Research. The International Review of Research in Open and Distributed Learning, 18(3). https://doi.org/10.19173/irrodl.v18i3.3034

Li, X, Yang, Y. Wah Chu, S. K., Zainuddin, Z. & Zhang, Y. (2020): Applying blended synchronous teaching and learning for flexible learning in higher education: an action research study at a university in Hong Kong. Asia Pacific Journal of Education. https://doi.org/10.1080/02188791.2020.1766417

 

Hyflex Learning Model

Beatty, B. J., ed. (2019). Hybrid-Flexible course design: Implementing student-directed hybrid classes (1st ed.). EdTech Books. Retrieved from https://edtechbooks.org/hyflex

Cambrian College Teaching & Learning Innovation Hub (2018): HyFlex Course Development Guide. https://teaching.cambriancollege.ca/wp-content/uploads/2018/03/HyFlex-Course-Development-Guide.pdf

 

Look at yourself – Ein kleiner Leitfaden zur (Selbst)Reflexion mit dem E-Portfolio

von Tamara Rachbauer

Die biografisch-professionelle Reflexionsfähigkeit gilt an Universitäten und Hochschulen als eine der Schlüsselkompetenzen von Professionalisierungsprozessen, ohne die ein bewusstes Aneignen von neuem Wissen und neuen Fähigkeiten nicht möglich ist. Dabei sollen Studierende lernen, wie sie ihr Wissen, ihre Kompetenzen und ihre praktischen Erfahrungen in eine enge Verzahnung bringen können. Aber wie genau kann dies gelingen? Welche Angebote oder besser gesagt, welche Lehr-/Lernformate und Veranstaltungen sind hierzu im Detail notwendig?

An der Universität Passau habe ich ein entsprechendes Angebot in Form eines online-basierten E-Portfolio-Begleitseminars für reflektiertes und biografisches Lernen und Lehren entwickelt (Rachbauer, 2019). Dabei habe ich mich am Profigrafiemodell von Hansen (2012) orientiert. Dieses Modell besagt, dass es in der Lehrer*innenbildung gezielt Instrumente, Methoden und Lehr- und Lernformate wie z.B. die Arbeit mit dem E-Portfolio braucht. Denn gerade durch die E-Portfolioarbeit erfahren die Studierenden, wie sie ihre subjektiven Einstellungen und Deutungen über und zum Lehrberuf mithilfe systematischer Selbstreflexionsarbeit für den pädagogischen Alltag nutzbar machen können (Hansen, 2012; Hansen & Rachbauer, 2018; Rachbauer, 2019). Insbesondere die digitale Version des Portfolios bietet im Gegensatz zum papierbasierten Portfolio den großen Vorteil, dass die Lehrenden orts- und zeit- unabhängig auf die Inhalte zugreifen und so zeitnah und semesterbegleitend Rückmeldungen auf Reflexionen und Arbeitsaufträge geben können. Diese kontinuierlichen Rückmeldungen unterstützen die Studierenden bei der Entwicklung ihrer Reflexionsfähigkeit.

Lern- und Professionalisierungsprozesse sichtbar machen

Im Rahmen des von mir entwickelten online-basierten E-Portfolio-Begleitseminars ist es Aufgabe der Studierenden, ein semesterbegleitendes E-Portfolio zu führen, in welchem sie regelmäßig über ihren Lern- und Professionalisierungsprozess reflektieren (Hansen & Rachbauer, 2018; Rachbauer, 2019). So halten die Studierenden in den einzelnen Reflexionen ihre Erwartungen an die Inhalte des Seminars fest oder setzen sich persönliche Ziele, an denen sie im Rahmen des besuchten Seminars arbeiten möchten. Sie beschreiben nicht nur ihren IST-Stand bezüglich Fach-, Methoden-, Personal-, Sozial- und Selbstreflexionskompetenz vor dem besuchten Seminar, sondern erzählen ihre biografischen Geschichten und beschreiben ihre spezifischen, Einstellungen, Erwartungen, Ziele und Fähigkeiten (Hansen, 2012; Rachbauer, 2019).

Auf diese Weise können die Dozierenden die biografische Ausgangslage ihrer Studierenden im Rahmen des jeweiligen Seminars berücksichtigen. Gerade die Berücksichtigung dieser individuellen biografischen Ausgangslage stellt eine zentrale Säule des Profigrafiemodells von Hansen dar (Rachbauer, 2019).

Zu Semesterende beschreiben die Studierenden ihren IST-Stand bezüglich Fach-, Methoden-, Personal-, Sozial- und Selbstreflexionskompetenz nach dem Seminar. Dazu fragen sie sich, wie und wodurch sie sich weiterentwickelt haben, ob sie ihre gesteckten Ziele erreicht haben oder welche neuen Ziele sie sich für das kommende Semester setzen. Von zentraler Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass die Studierenden ihren persönlichen Standpunkt zu den einzelnen Themengebieten noch einmal gezielt ansprechen, d. h. sie erläutern, was sie aus dem Seminar für sich mitgenommen haben oder welche Inhalte für sie besonders interessant waren (Rachbauer, 2019).

Im Detail besteht das E-Portfolio an der Universität Passau aus einem Prozess- und einem Produkt-E-Portfolio.

Prozess-Portfolio plus Produkt-Portfolio ist gleich e-Portfolio
Aufbau des semesterbegleitenden E-Portfolios an der Universität Passau

Eine Entwicklung nachvollziehen können: Reflexion als Prozess

Das Prozess-E-Portfolio dient den Studierenden zur semesterbegleitenden Dokumentation ihrer gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse sowie zur (Selbst)Reflexion ihres Lern- und Professionalisierungsprozesses und beinhaltet dabei folgende Bestandteile (Hansen & Rachbauer, 2018; Rachbauer, 2019):

  • Die Auftaktreflexion ist die erste Reflexion, die die Studierenden in jedem Prozess-E-Portfolio zu Beginn des besuchten Seminars verfassen. Hier halten diese ihre Erwartungen an die Inhalte des Seminars fest. Zusätzlich setzen sich die Studierenden zwei oder drei persönliche Ziele, an denen sie im Rahmen des besuchten Seminars arbeiten.
  • In den regelmäßigen semesterbegleitenden Reflexionen fassen die Studierenden die wesentlichen Kernthemen und zentralen Aussagen jeder Sitzung mit eigenen Worten zusammen.
  • Das fachsprachliche Lexikon bzw. der Index ist ein Nachschlagewerk, in dem die Studierenden Definitionen der wesentlichen Begriffe festhalten, mit denen sie sich in den einzelnen Seminaren beschäftigen. Dieser Index muss wissenschaftlich fundiert sein, d.h. mit Literaturzitaten zu den Definitionen wie z.B. Autor*in, Erscheinungsjahr, Seitenangabe und einem Literaturverzeichnis versehen sein.
  • Die Abschlussreflexion ist der abschließende bzw. der letzte Eintrag im Prozess-E-Portfolio. Hier fassen die Studierenden die im Seminar kennengelernten, fachlichen Inhalte kurz zusammen. Von zentraler Bedeutung ist in diesem Zusammenhang der persönliche Standpunkt zu den Themen. Außerdem fragen sie sich, wie und wodurch sie sich weiterentwickelt haben (Referate, Aufbereiten der Inhalte, Zeitmanagement mit dem E-Portfolio, Bewältigung der Arbeitsaufträge, wissenschaftliche Ausarbeitungen, Gruppenarbeiten im Seminar, Vorbereitung und Durchführung einer Hospitation etc.) und ob sie ihre in der Auftaktreflexion gesteckten Ziele erreicht haben oder welche Ziele sie sich für das neue Semester setzen.

 

Einen Ist-Stand analysieren können: Reflexion als Produkt

Das Produkt-E-Portfolio dient den Studierenden dazu, eine wissenschaftlich fundierte Ausarbeitung zu einem konkreten Thema, das sie im Rahmen des Seminars besonders interessiert, durchzuführen. Diese schriftliche Arbeit ist zusammen mit der Eigenständigkeitserklärung zentraler Bestandteil des Produkt-E-Portfolios. Der Inhalt des Produkt-E-Portfolios variiert je nach besuchtem Seminar. Entscheidend ist aber, dass der Produktteil zwingend wissenschaftlich fundiert sein muss (Rachbauer, 2019)

Fazit: Ein E-Portfolio im Prozess

Nach einer Pilotphase im Wintersemester 2014/15 ist das E-Portfolio-Begleitseminar bereits fest im Curriculum der Lehrer*innenbildung an der Universität Passau verankert und wird seitdem auch kontinuierlich weiterentwickelt. Aufgrund technischer Weiterentwicklungen, Updates und Neuerungen der eingesetzten E-Portfolio-Software sowie auch neuer Entwicklungen im Bereich des digitalen Lehrens und Lernens müssen im Sinne des lebenslangen Lernens – Stichwort Lifelong Learning (LLL) – immer wieder Anpassungen durchgeführt werden, um das E-Portfolio-Begleitseminar auf dem aktuellen Stand zu halten (Rachbauer, 2019).

Vielen Dank an Tamara Rachbauer von der Universität Passau für ihren spannenden Gastbeitrag! Wir finden, dass die Anregungen zur Reflexion mit einem E-Portfolio nicht nur für Dozierende relevant sind, die in der Lehrkräfte-Ausbildung tätig sind, sondern auch generell zeigen, wie wir Dozierenden unsere Tätigkeit reflektieren und immer weiter professionalisieren können.

Literaturverzeichnis

Hansen, C. (geb. Schenz, C.) (2012). LehrerInnenbildung und Grundschule: Pädagogisches Handeln im Spannungsfeld zwischen Gesellschaft und Person. Pädagogik: Bd. 21. München, Deutschland: Utz.

Hansen, C. & Rachbauer, T. (2018). Reflektieren? Worauf und Wozu? Arbeiten mit dem E-Portfolio – ein Reflexionsinstrument für die LehrerInnenbildung am Beispiel der Universität Passau. e-teaching.org. Portalbereich: Aus der Praxis. Abgerufen am 5. August, 2019, von http://bit.ly/e-portfolio_lehrerbildung.

Rachbauer, T. (2019). E-Portfolios als Instrument für Selbstreflexionsprozesse in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Eine empirische Untersuchung zur Implementierung von E-Portfolios in der universitären Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Reihe: Pädagogische Professionalisierung und Schule. Praxis-Forschung. Berlin, Münster, Wien, Zürich, London: LIT Verlag.

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So funktionieren Laborpraktika in der reinen Online-Lehre – ein praktisches Beispiel von der Fakultät für Medical and Life Sciences

Laborpraktika online?

von Nico Laur und Attila Duyar

Wir unterrichten als Lehrbeauftragte an der Hochschule Furtwangen an der Fakultät Medical and Life Sciences das Wahlfach „HPLC Methodenentwicklung und Optimierung“. Eine HPLC ist ein analytisches Nachweisgerät im medizinischen Bereich, mit diesem man kleinste Spuren von Stoffen (Medikamente, Stoffwechselprodukte, Vitamine, und und und) nachweisen kann. Wirklich jedes diagnostische Labor besitzt solch ein Gerät. Leider sind diese Geräte sehr teuer, wartungsintensiv und kaum eine Hochschule oder Universität ist mit solch einem Gerät ausgestattet – falls doch, dann wird dieses Gerät für Forschungsprojekte oder ähnliches rund um die Uhr beschlagnahmt. Theoretisch wird dieses Gerät und dessen Funktionsweise an jeder Hochschule gelehrt, jedoch arbeitet kaum ein Student, kaum eine Studentin praktisch damit.

Und genau an dieser Stelle kommt unsere Vorlesung ins Spiel.

Eine Brücke zwischen Studium und Praxis

Ich (Nico Laur) arbeite hauptberuflich in einem medizinisch-diagnostischem Labor, das sich auf die Entwicklung und den Nachweis von Substanzen dieser HPLC Geräte spezialisiert hat. In meinem Labor stehen acht solcher Geräte. Einige sind Testgeräte für Methodenentwicklungen, andere dienen der Diagnostik. Atilla Duyar arbeitet neben seiner Tätigkeit als Lehrbeauftragter als Forschungs- und Entwicklungsingenieur ebenfalls in einem medizinisch diagnostischen Unternehmen, welches sich mit der Wartung und Reinigung solcher Geräte beschäftigt. Wir beide haben an der Hochschule Furtwangen studiert und kennen uns daher schon lange. Da wir beide nun mehrere Jahre Berufserfahrung auf diesem Gebiet gesammelt haben und die Situationen der Hochschulen kennen, wollten wir die Chance nutzen und den Studierenden diese Vorlesung inklusive virtuellem Praktikum anbieten. Unsere Vorlesung mit Mini-Praktikum sieht vor, den Studenten die Möglichkeit zu geben, selbst „virtuell“ anhand von Videos eine Methode auf diesen Geräten zu entwickeln und das Ergebnis zu beurteilen.

Lehrvideos geben den Studierenden – und uns Dozenten – Informationen

Zur Einleitung in die Vorlesung haben wir mehrere Videos in Form von Powerpoint-Präsentationen erstellt. Hier werden Basics der HPLC-Methodik besprochen und der übliche Vorgang bei Methodenentwicklungen und Optimierungen besprochen. Jedes dieser Einleitungsvideos wird mit einem kurzen Mini-Test (ca. fünf Multiple-Choice-Fragen) abgeschlossen. Dies dient zum einen zur Anwesenheitskontrolle und zum anderen auch zur Kontrolle, ob die Studierenden den Inhalt prinzipiell verstanden haben. Denn jede Vorlesung baut im Prinzip auf die nachfolgende auf. Wenn man z. B. die grundlegende Arbeitsweise des Gerätes nicht verstanden hat, so weiß man später nicht, an welchen Stellschrauben man bei der eigentlichen Methodenentwicklung drehen kann bzw. darf. Über das Learning Management System ist für uns als Dozenten ersichtlich, welche Studierenden wann das Video unterbrochen bzw. pausiert haben. Daraus lässt sich für uns und unsere zukünftigen Vorlesungen ableiten, dass hier an dieser Stelle eventuell etwas genauer besprochen oder erklärt werden müsste, sollten mehrere Studierende das Video dort pausiert haben.

Praktische Arbeit aus der Ferne

Nach den Grundlagenvideos folgt der praktische Teil: Hier erarbeiten die Studierenden in kleinen Gruppen eine HPLC-Methodik. Das Thema wird von uns vorgegeben (bereits publizierte HPLC-Protokolle). Anschließend erstellten die Studierenden eine Art „Kochrezept“, d. h. sie sagen uns anhand einer Checkliste, was zu tun ist und welche Geräteeinstellungen wir vornehmen müssen. Diese Einstellungen übertragen wir auf die Testgeräte in unserer Firma und starten anschließend den Lauf. Das Ergebnis bekommen die Studierenden über unser Learning Management System mitgeteilt.

 

Eine HPLC-Anlage.
Eine HPLC-Anlage.

Anschließend folgt eine Online-Diskussion: Was ging schief? Wie beurteilt man das Ergebnis? Was könnte man verbessern? Wir hatten in der Eingangsvorlesung angekündigt, dass eine aktive Teilnahme im Diskussionsforum gewünscht wird. Wenn wir ehrlich sind, dachten wir beide, dass dies völlig ignoriert werden würde. (Wir waren schließlich auch mal Studenten und erinnern uns an unsere Studienzeit 😊) Jedoch muss gesagt werden, dass die Studierenden dieses Diskussionsforum wirklich in Anspruch genommen haben.

Dann startete der zweite Part der Vorlesung: Die HPLC-Optimierung. Nun sollte das erhaltene Ergebnis optimiert werden. Hierfür mussten sich die Studierenden wieder mit der Literatur beschäftigen: Sie mussten in Erfahrung bringen, welche Einstellungen man verändern kann und welchen Einfluss dies auf einen zu bestimmenden Analyten hat. Auch hier werden von uns wieder Videos zur Verfügung gestellt, und die Studierenden erarbeiten wiederum ein Optimierungsprogramm, welches anschließend auf die Geräte übertragen wird. Den Studierenden wird anschließend das Ergebnis online mitgeteilt.

So wurde quasi ein virtuelles Laborpraktikum simuliert.

Die Studierenden stehen nicht live vor diesem Gerät, aber arbeiten damit, als würden sie live davor stehen.

Die Reaktionen: Das virtuelle Laborpraktikum ist gelungen

Wir sind der Meinung, dass sich dieses Vorlesungskonzept mit einem Mini-Praktikum sehr gut auch für andere Bereiche und andere Fächer übertragen lässt. Hierfür müssten jedoch mehr Kooperationen zwischen Hochschulen und Industrie geknüpft werden. Denn wie bereits oben erwähnt, hat nicht jede Hochschule die entsprechenden Geräte zur Verfügung. Eine gute Kontaktpflege zu Absolvent*innen seitens der Hochschule erscheint hierfür extrem wichtig.

Umfangreiche Erfahrungen haben wir selbst noch nicht, da dies unser erstes Semester als Lehrbeauftragte ist. Die abschließende Evaluierung ist noch nicht durch, jedoch haben wir mal eine kleine Umfrage gestartet, wo wir wissen wollten, wie so eine Art von Unterricht bei den Studierenden ankommt. Bisher haben wir (bis auf einen Kommentar von einem Studenten) ausschließlich positives Feedback erhalten. Einige der Kommentare stellen wir Ihnen hier vor. Der negative Kommentar hat sich auf die abschließende Klausur nach den einzelnen Vorlesungen bezogen:

  • Teilweise waren die Fragen der Tests (vor allem des Tests zu VL5) etwas schwer zu verstehen. Nicht alle Fragen konnten anhand der Vorlesung beantwortet werden.

Hier einige positive Kommentare:

  • Mir hat gut gefallen, dass alles wichtige verständlich rübergebracht wird, aber man von der ganzen Arbeit nicht erschlagen wird (wie es leider in anderen Kursen der Fall ist). Die Tests sind gut. Videos sind sehr gut. Auch die Live-Simulation war gelungen.
  • Die Vorlesung war klar strukturiert und durch die Videos klar erklärt. Durch die wöchentlichen Tests wurde der Inhalt der jeweiligen Vorlesung nochmals überprüft und damit nochmals vertieft.
  • Sehr gut strukturiert, sehr gute Videos, interessant gestaltet und Wissen wird sehr gut vermittelt. Auch das Problem der asynchronen Vorlesung wurde durch die zeitlichen Fenster bei den Tests gut behoben. (man muss wöchentlich etwas machen und kann es nicht aufschieben). Das mit dem Praktikum war auch interessant.
  • Ich fande die Live-Methodenentwicklung etwas chaotisch aber es hat trotzdem spaß gemacht und man hat viel gelernt. Die nachfolgenden Semester können sich auf diese Vorlesung freuen.
  • Schade, dass aufgrund Corona die Vorlesungsstruktur etwas abgeändert werden musste. Trotzdem haben die Dozenten ihren Job super gemacht. Man merkt, dass diese Spaß hatten. Als kleiner Kritikpunkt. Das Praktikum müsste etwas strukturierter ablaufen aber das liegt vermutlich an der kurzen Zeit im Semester.
  • Vorlesung ist inhaltlich gut verständlich. Der klar definierte Zeitplan, ab wann die Vorlesung online ist und der Test zu machen ist wurde stets eingehalten. Fragen wurden von den Dozenten immer zeitnah und ausführlich beantwortet.
  • Man merkt, dass die Dozenten jung sind und Spaß bei der Vorlesung haben. Ich empfinde es als sehr angenehm die Vorlesungen anzuschauen. Diese sind zwar sehr reich an Informationen, aber trotzdem nicht trocken, oder überdimensioniert. Es wirkt alles etwas lockerer und trotzdem klar strukturiert und kompetent.

Vielen Dank an Nico Laur und Attila Duyar für ihren spannenden Gastbeitrag! Wir freuen uns, diesen Einblick in ihr virtuelles Laborpraktikum erhalten zu haben und hoffen, dass Sie daraus auch Inspiration schöpfen können.

Nico Laur im Foto

Nico Laur (M.Sc., Ing.) geb. 1987, Staatsexamen zum Medizinisch-technischen Laboratoriumsassistenten (MTA-L) an der Naturwissenschaftlich Technischen Akademie (NTA) in Isny im Allgäu. Studium der „Molekularen und Technischen Medizin“ und „Medical Diagnostic Technologies“ (Techniken der Medizinischen Diagnostik) an der Hochschule Furtwangen. Derzeit Tätigkeit in einem privaten Schweizer Labor in der klinisch-medizinischen Routineanalytik und ist beteiligt an der Entwicklung neuartiger diagnostischer Methoden.

Kontakt: nico.laur@gmx.net

Atilla Duyar im Foto

Atilla Duyar (M.Sc., Ing.) geb. 1992. Seit 2008 Mitglied einer Hilfsorganisation und Sanitäter im Rettungsdienst. Studium der „Molekularen und Technische Medizin“ und „Technical Physician (M.Sc.)“ an der Hochschule Furtwangen. Seit August 2017 als Entwicklungsingenieur für die Entwicklung neuartiger Therapien von neurovaskulären Erkrankungen (bspw. Schlaganfällen) in Pforzheim tätig.

Kontakt: atilla.duyar@hs-furtwangen.de

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So schaffen Sie eine Verbindung zu Ihren Studierenden in der Online-Lehre

Im virtuellen Raum ist es so kalt und unpersönlich – könnte man meinen. Denn man kriegt kaum etwas von den Studierenden mit. Und dadurch, dass wir keine Körpersprache, keine Gestik und Mimik haben, die uns den Austausch erleichtert und ihn lebendig macht, müssen wir so viel interpretieren, entsteht kein echtes Gefühl von Nähe.

Ich möchte es nicht leugnen: Ja, das ist eine große Herausforderung in der Online-Lehre.

Aber Dozierende können trotzdem ein paar kleine Dinge tun, um eine bessere, menschlichere Gruppendynamik im Online-Kurs zu erzeugen. Diese Dinge sind bewusst alle low-tech: Es geht nicht darum, dass wir, dass die Studierenden eine neue Technologie, ein neues Tool erlernen müssen. Nein, einfache Aufgabenstellungen und Änderungen im LMS reichen.

1. Alle müssen einen Namen haben.

In vielen LMS werden nicht die ganzen Namen der Teilnehmenden angezeigt. Stattdessen werden die eduroam-Codes angezeigt, bei mir z. B. nb1056@uni-freiburg. Wenn man im Forum oder Chat schreibt und nur solche Codes sieht, ist das schrecklich unpersönlich. Deshalb sollten Sie auf jeden Fall als Lehrperson dafür sorgen, dass Ihr ganzer Name angezeigt wird. Bitten Sie auch die Studierenden, ihre Codes zu ersetzen – entweder mit ihrem echten Namen oder mit dem Namen fiktiver Charaktere. Denn Pseudonyme wie „Harry Potter“ oder „Jane Eyre“ wirken auch schon viel menschlicher als „ghr68“ oder „tofu1998“.

Sie werden den Studierenden erklären müssen, wie sie sich den Namen in Ihrem LMS, z. B. bei ILIAS, anzeigen lassen können.

Screenshot aus ILIAS
In meinem ILIAS-Portal bei der Uni Freiburg muss man z. B. unter "Persönliche Daten und Profil" das Profil "für angemeldete Benutzer sichtbar" machen, damit mein Name angezeigt wird.

2. Alle müssen ein Profilbild haben.

Was für die Namen gilt, gilt auch für die Bilder. Menschen sind visuell geprägte Wesen. Pflegen Sie unbedingt ein Profilfoto ein und bitten Sie die Studierenden, dies auch zu tun. Dabei muss es kein Bild des Gesichts sein – es kann auch ein Bild des Haustiers, der Lieblings-Teetasse, oder etwas ganz anderes sein. Hauptsache, jede*r Nutzer*in hat ein visuelles Wiedererkennungsmerkmal.

Bei ILIAS muss man dann in den Einstellungen auch dafür sorgen, dass das Profilfoto auch öffentlich angezeigt wird. Erklären Sie den Studierenden also unbedingt, wie sie das einstellen können.

In meinem ILIAS bei der Uni Freiburg muss ich unter "Persönliche Daten und Profil" ein Foto hochladen UND dieses mit einem Häkchen unter "Profil" sichtbar machen.

Aber es gibt noch mehr Wege, um mit Bildern die Motivation und Nähe zu fördern: Warum nicht auch ein schlichtes Logo für die Veranstaltung erstellen – mit dem kostenlosen Tool Canva geht das z. B. ganz gut, hier hatten wir mal dazu gebloggt – und eine nette, optische Willkommensbotschaft in das LMS einfügen?

Mein Willkommensbild im ILIAS-Kurs.

3. Sie müssen vorangehen: Seien Sie selbst authentisch und wertschätzend

Erzählen Sie den Studierenden oft etwas von sich: Wie es Ihnen mit einer Sache geht, welche Erfahrungen (auch Fehler) Sie gemacht haben, was Ihnen gefällt… Natürlich geht es nicht (unbedingt) darum, dass Sie von Ihrem Privatleben berichten. Als Dozierende sprechen wir bestimmte Bereiche unseres Lebens selbstverständlich nicht mit Studierenden an. Aber dort, wo wir das Gespräch eröffnen, können wir trotzdem als ganze Persönlichkeiten auftauchen. Wir müssen unseren Humor, unsere Meinungen, unsere Stimmung nicht verstecken. Im Gegenteil: Das bringt viel Menschlichkeit in den Kurs und zeigt den Studierenden, dass auch sie sich öffnen können.

4. Stellen Sie sich vor – aber richtig.

Stellen Sie deshalb nicht (nur) Ihren Lebenslauf vor. Den können die Studierenden bestimmt sowieso irgendwo nachschlagen. Stellen Sie sich lieber in einem Video vor und sagen Sie den Studierenden, was Sie bezüglich der Veranstaltung motiviert, worauf Sie gespannt sind, was Ihnen wichtig ist. Teilen Sie Dinge von sich mit, die wirklich interessant sind (hier als Beispiel ein Blogpost, in dem ich mich Studierenden vorstelle).

So sieht mein Willkommensvideo in ILIAS aus. Es ist nur 3 Minuten lang - damit es auch wirklich angeschaut wird!

5. Die Studierenden sollten sich auch vorstellen - kreativ und datenschutzgerecht.

Für die Studierenden gilt dasselbe: Eckdaten der Lebensläufe vergessen Sie – und die anderen Studierenden – schnell. Warum nicht kreativer werden? Sobald das Semester an meiner Uni beginnt, werde ich meine Studierenden bitten, einen Post im Forum zu erstellen mit…

  • ihren Studienfächern und ihrem Fachsemester, sowie
  • 1-3 Bildern, die ihnen etwas bedeuten.

Dies muss kein Profilbild sein (aus den oben genannten Gründen), sondern kann z. b. Folgendes sein:

  • ein Meme,
  • ein Bild des Haustiers, der Lieblingstasse, des Blickes aus dem Fenster, des Lieblingsbuches,
  • ein Bild aus dem Urlaub,
  • ein “Zitat-Bild”,
  • usw…

Die Bilder werden nicht kommentiert oder “geliked” – damit kein Druck, gut “abzuschneiden”, entsteht. Wir machen das in unserem LMS ILIAS, um dem Datenschutz besser gerecht zu werden.

6. Lassen Sie kleinere Begegnungsräume entstehen

Die Studierenden wollen auch wissen, mit wem sie sich im Kurs befinden. Bei 20, 30, ja sogar 100 Studierenden wird es aber immer schwieriger, einen Überblick zu haben, wer alles dabei ist – selbst wenn alle einen Namen, ein Profilbild haben und sich ggf. sogar vorstellen. Darum lassen Sie gerne kleinere Gruppen entstehen, die immer wieder zusammenarbeiten. Dazu können Sie mehrere Foren oder Chaträume erstellen, die Sie alle nach einem Schema benennen, z. B. anhand von:

  • Musikgenres (Blues Rock, Metal, EDM, Pop, K-Pop….)
  • Fiktiven Ländern und Welten (Narnia, Hogwarts, Mittelerde, Westeros, Dinotopia…)
  • Getränken (Smoothie, Saft, Wasser, Tee, Kaffee…)
  • Reiseziele (Australien, Karibik, USA, Provence…)
  • Oder etwas ganz anderem, das Ihnen einfällt, vielleicht auch etwas, das zu Ihrem Fach passt.

Natürlich können Sie auch die Studierenden selbst brainstormen lassen, welche Chat-Gruppennamen sie haben wollen. Das dürfte auch für alle interessant werden. Lassen Sie die Studierenden sich dann selbst in die Gruppen einteilen – das erhöht ihre Motivation und Gruppenzugehörigkeit.

Die Chaträume können die Studierenden dann für informelle Kommunikation sowie für jegliche Gruppenarbeitsaufträge nutzen. Mit der Zeit wird die Nutzung vertraut und es entsteht ein gutes Gruppengefühl.

Eine wichtige Anmerkung muss ich hier ergänzen: Bei den Kleingruppen müssen wir ein Miteinander und nicht ein Gegeneinander fördern. Einteilungen wie Hund, Katze… sind z. B. problematisch. Ich persönlich liebe Hunde und bin kein Fan von Katzen. So – und alle Katzenliebhaber*innen mögen mich wahrscheinlich etwas weniger, nachdem sie diesen Satz gelesen haben. 😉 Darum ist es wichtig, ein Schema zu wählen, wo die meisten Menschen mehrere Vorlieben haben… wo es die Regel ist, dass man mehr als eine der Sachen genießt. Das mindert die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Gegeneinander zwischen den Gruppen entwickelt.

Fazit: Mit kleinen Kniffen wird die kalte Online-Landschaft plötzlich viel freundlicher

Mit Namen, Bildern und kleinen Begegnungsräumen wird jedes LMS freundlicher. Sie lernen die Studierenden besser kennen, wenn Sie sich öffnen, authentisch und empathisch sind. Denn das machen viele Studierenden nach. Auch die Studierenden lernen sich so gegenseitig besser kennen – und letztlich wird Ihre Online-Veranstaltung viel wärmer und freundlicher… für alle Beteiligten.

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Zum Semesterstart: Ein Gruß von der Schweiz nach Deutschland

Die Schweizer Hochschulen hat der Lockdown mitten im Semester getroffen; die meisten deutschen Hochschulen starten erst dieser Tage ins neue Semester.

Unser lieber schweizerischer Kollege Stephan Holländer hat deshalb hier seine Erfahrungen der letzten Wochen mit der Online-Lehre in 7 Tipps zusammengepackt und wünscht einen guten Start ins Online-Semester.

Tipp 1

Es gilt, den Präsensunterricht für die Fernlehre abzuspecken und für die Fernlehre inhaltlich sich auf das Grundgerüst des «roten Fadens» der Thematik zu beschränken. Bei den Unterrichtsformen muss zwischen Vortrag, Webcast und Selbststudium Phase in kurzen Intervallen (max. 15-30 Min.) abgewechselt werden (siehe die Checkliste von Ulrike Hanke) . Die Gesamtlänge eines Präsensunterrichts muss zugunsten von Selbstlernphasen, virtuellen Gruppenarbeiten und Diskussionen in der Fernlehre gekürzt werden.

Tipp 2

Die Umarbeitung oder Neukonzipierung eines Präsensunterrichts braucht je nach Umfang etwa eine Woche, um ihn in eine Online-Version zu bringen. Es gilt der Grundsatz: weniger ist mehr und Mut zur Lücke. Es braucht erklärende Texte und Links, hochgeladene PowerPoint-Präsentationen, Videos von verschiedenen Plattformen zum Thema, um Gesagtes zu vertiefen oder zu illustrieren. Die zusätzlichen Dokumente und Linklisten sollten in einem entsprechenden Bereich des Moodle-Servers der Hochschule hochgeladen und mit einer Mitteilung den Studierenden vorgängig zugehen.

Tipp 3

Ein Unterrichtsablauf mit Zeitangaben der einzelnen Lernschritte und den Unterlagen, die die Studierenden während der Fernlehre bei der Hand haben sollen, sollten mit aufgeführt werden. Diese Information sollte zwei Tage vor dem Unterricht als E-Mail-Mitteilung den Studierenden zugehen.

Tipp 4

Ich wollte im Videokonferenzsystem ein Video mit meinen Studierenden teilen, aber es hat sich gezeigt, dass die Tonqualität und die Bildqualität zu schlecht sind. Also gebe ich nun in meinem Ablaufplan für den Unterricht den Link bekannt und mache dann eine Pause, damit sich die Studierenden das Video anschauen können.

Tipp 5

Die Moodle-Server sind gegenwärtig sehr ausgelastet, also habe ich meine Unterrichtsunterlagen in einen passwortgeschützten Teil meiner Webseite gestellt, da die bei einem Basler Webunternehmen gehostet ist. In Genf beträgt die Dauer, bis etwas im Forum von Moodle hochgeladen ist, am Anfang dieser Woche 24 Stunden.

Tipp 6

Wir wurden aufgefordert, unsere PowerPoint Präsentationen für den Unterricht zu vertonen. Da gibt es aber eine Begrenzung beim Hochladen und die Dateien werden zu umfangreich. Kollegen haben begonnen, ihre Dateien in einzelnen Teilpakete zu zerlegen, ich habe mich entschieden, entweder Erläuterungen im Notizbereich von PowerPoint zu machen oder zusätzlich ein Word-Dokument mit Erläuterungen zu dem PowerPoint Präsentationen auf meiner Webseite zu hinterlegen. Es lohnt sich daher auch, die Unterlagen doppelt zu hinterlegen: Was Du für den Unterrichtstermin brauchst direkt im Videokonferenzsystem für den Unterrichtstermin, da der Moodle Server lange Verzögerungszeit beim Laden ins Moodle-Forum hat. Studierende wollen im Voraus wissen, welche Unterlagen sie für den Unterrichtstermin zur Hand haben sollen. Also Ankündigungen zum Unterricht zwei Tage vorher losschicken.

Tipp 7

Nach der Begrüssung mit Videobild sollte die Videokamera ausgeschaltet werden, da die Bandbreite der Internetverbindung sonst zu niedrig werden kann. Studierende sollen Videokamera und Mikro während den Online-Unterrichtsphasen ausgeschaltet lassen und Fragen über das Chatsystem an den Dozenten richten, die dann in Pausen mündlich übers Mikro vom Dozenten beantwortet werden. Studierende in der Schweiz haben eine gewisse Scheu, das Mikro zu benutzen und mögen auch nicht mit Videokamera für die anderen sichtbar zu sein, so meine Erfahrung. Das legt sich aber mit der Zeit.

 

Wir hoffen, dass diese Tipps für Ihre Online-Lehre hilfreich sind!

Stephan Holländer im Bild

Ein herzliches Dankeschön an unseren Gastautoren: Stephan Holländer ist selbständiger, wissenschaftlicher Dokumentar. Er unterrichtet seit 30 Jahren in der Weiterbildung, ist Lehrbeauftragter für Informationswissenschaften an den Fachhochschulen Chur, Genf und Olten und war von 2011-2018 Delegierter für Weiterbildung für den Verband Bibliothek Information Schweiz (BIS)

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Spontaner Onlinekurs mit Studierenden – ein Erfolgsbericht

Seit der Corona-Krise haben Lehrende im Netz viele theoretische Empfehlungen, Linklisten und Tooltips für die Online-Lehre gesammelt. Ist es nicht an der Zeit, dass wir auch einmal sammeln, was wir in den letzten Wochen gelernt und ausprobiert haben? Diese wirklich sehr gute Idee führte zum Beginn einer agilen Beitragsparade, #3weeks2learn.

In meinem Beitrag zur Parade möchte ich kurz erzählen, wie ich einen Workshoptag mit Studierenden spontan in einen Online-Kurs verwandelte.

1. Die Ausgangssituation

24 Studierende an der Uni Freiburg haben einen Kurs im Ergänzungsbereich belegt, Thema: Lerntechniken und Zeitmanagement. Format: Vier ganze Workshoptage, immer einmal die Woche, vier Wochen lang. Die ersten drei haben bereits stattgefunden, wir kennen uns also, haben eine gute Stimmung in der Gruppe. Bisher habe ich die Studierenden, die aus allen möglichen Studiengängen stammen und größtenteils im 1. oder 3. Semester sind, viel mit Diskussionen, Reflexionsaufgaben und Gruppenarbeiten aktiviert. Die Studierenden waren sehr diskussionsfreudig. Meine Vorträge waren häufig, aber kurz, nie länger als zehn Minuten. Auf ILIAS wurden immer die Folien hochgeladen, es gab auch ein Forum, das aber nie genutzt wurde.

2. Der Einschnitt

Am Freitag heißt es, der ganztägige Abschlusstermin am nächsten Donnerstag muss coronabedingt ausfallen.

3. Das neue Konzept

Ich überlege mir ein Flipped-Classroom-Konzept: Ich werde im bestehenden ILIAS-Kurs Materialien zur Verfügung stellen und diese dann im Web-Seminar mit den Studierenden am Donnerstag besprechen. Die Veranstalterin ist damit einverstanden.

4. Die Umsetzung der Informationsdarbietung

Ich entdecke in ILIAS die „Lernsequenz“. Damit kann man Materialien und Texte in chronologischen, linearen Seiten bündeln – also einen geschlossenen Online-Kurs erstellen. Ich nutze also die Lernsequenz für den Flipped Classroom. Ich überlege mir zunächst, was ich den Studierenden vermittelt hätte. Zu manchen Themen kenne ich gute Youtube-Videos. Die verlinke ich in der Lernsequenz. Zu einem anderen Thema gibt es nichts Passendes – also mache ich ein eigenes Lernvideo. Ich nutze meine Folien und nehme sie inkl. Vertonung über PowerPoint auf. Es kommt ein passables Video dabei rum. Ich lade es auf Youtube hoch und verlinke es ebenfalls in der ILIAS-Lernsequenz.

Die Lernsequenz in ILIAS
So sieht die Startseite der Lernsequenz aus. Rechts die Übersicht.

5. Die Umsetzung der Aktivierung im Online-Kurs

Die Studierenden hatten sich schon einmal in ein Google Doc (über ILIAS verlinkt) für Themen eingetragen. Sie wissen also, wie Google Docs funktionieren. Ich lasse den Datenschutz also mal ein bisschen links liegen und verlinke in der Lernsequenz weitere Google Docs mit Aktivierungen für die Teilnehmenden: VOR den Videos sollen sie sich überlegen, was sie bereits zu den Themen wissen. NACH dem Video können sie offene Fragen notieren. In den Google Docs tippen sie anonym ihre Notizen ein.

6. Die Organisation

Ich schicke den Studierenden am Dienstag über ILIAS eine Email und erkläre ihnen den neuen Aufbau. Am Donnerstagvormittag, während der Workshop stattgefunden hätte, sollen sie sich zwei Stunden für die Bearbeitung der Lernsequenz einplanen (ich schätze, dass sie höchstens eine Stunde brauchen werden, aber ich möchte die Studierenden lieber positiv überraschen). Um 14.00 treffen wir uns dann im Web-Seminar. Wer Fragen hat, soll mir eine Mail, SMS oder Whatsapp-Nachricht schreiben.

7. Das Web-Seminar

Im Web-Seminar besprechen wir offene Fragen zu den Inhalten und zur Organisation. Die Studierenden schreiben im Chat, ich spreche in die Kamera. Ich habe eine schlichte PowerPoint mit Fragen und Arbeitsaufträgen vorbereitet. Es ergeben sich tatsächlich spannende offene Fragen – was kann man tun, wenn man sich überwältigt fühlt und nicht weiß, wo man anfangen soll? – über die wir gemeinsam brainstormen. Die Studierenden schreiben ihre Ideen in den Chat. Ich bündele sie auf dem Whiteboard und sage meine Meinung dazu.

Für den Workshop war ursprünglich geplant, dass die Studierenden in Gruppen eine Visualisierung der Kursinhalte erstellen. Das ist eine der offiziellen Studienleistungen, also sind sie natürlich neugierig, wie es jetzt damit aussieht. Ich erkläre, dass sie nun 10 Minuten Zeit bekommen werden, um eine Visualisierung auf einem Blatt Papier zu erstellen. Dieses sollen sie dann fotografieren und mir per Email schicken. Danach haben sie weitere 10 Minuten Pause, während ich die Fotos in meine PowerPoint bündele. Das klappt auch sehr gut, wir schauen uns dann im Web-Seminar alle Fotos an.

8. Die Nachbereitung

Später tippe ich die Whiteboard-Inhalte noch in meine PowerPoint-Präsentation rein. Die Folien mit den Visualisierungs-Fotos, die Google Docs und alles weitere stelle ich schön nummeriert und mit sinnvollen Titeln auf ILIAS, damit man alles nachvollziehen kann.

NUmmerierte Medien in ILIAS
Die Nummerierung und die sinnvollen Titel ordnen die Dateien.

9. Die Evaluation

Die Evaluationsbögen für die Veranstaltung liegen nutzlos bei mir im Büro, die Uni hat keine Möglichkeit zur Online-Evaluation. Ich setze also kurz vor dem Web-Seminar eine Umfrage bei Google Forms um und gebe den Studierenden im Web-Seminar einen Link dazu. Ich weise darauf hin, dass die Umfrage anonym ist, aber Google ihre IP-Adresse vermutlich speichert und dass sie sich nicht gezwungen fühlen sollen, dort teilzunehmen. Zehn Studierende hinterlassen dennoch ein Feedback, das sehr positiv ausfällt.

Evaluation
Ein Auszug aus den Evaluationsergebnissen.

10. Was ich daraus gelernt habe

Studierende sind bereit, mit flexiblen Planänderungen umzugehen; was sie jedoch brauchen, ist eine sehr klare visuelle wie auch organisatorische Strukturierung. Sie wollen sich gut zurechtfinden können und sie brauchen klare Arbeitsaufträge. Eine gewisse Offenheit ist jedoch wichtig – Studierende wollen nicht das Gefühl kriegen, dass sie wegen einer technischen Schwierigkeit aus dem Kurs fliegen könnten. Sie schätzen vor allem den Austausch, die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Die zwischenmenschliche Beziehung ist im virtuellen Raum genauso wichtig wie zuvor. Mein Hauptfazit: Online-Lehre muss nicht „perfekt“ sein, und sie kann wirklich Spaß machen.

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Online-Lehre & Online-Prüfen – in einem Video kurz erklärt

Kennen Sie schon unsere beiden Videos zum Thema Online-Lehre und Online-Prüfen?

Wie kann man Online-Lehre sinnvoll und systematisch planen? In diesem Video (8 min) erhalten Sie die wichtigsten Tipps.

Was zeichnet eine faire, lernförderliche Online-Prüfung aus? In diesem Video (8 min) erfahren Sie, welche Prüfungsformate online gut geeignet sind.

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Checkliste: Virtuelle Präsenzlehre

Viele Lehrende stehen heute vor der Herausforderung, mehr oder weniger schnell ihre für die Präsenz geplante Lehre in eine Online-Unterrichtsform zu überführen. Aus diesem Grund erreichten uns in den letzten Tagen viele Anfragen, was dabei denn zu beachten sei, wie man denn reinen Online-Unterricht durchführen könne.

 

Die größte Herausforderung: Virtuelle Präsenz?

Die größte Herausforderung – so haben wir das in den Anfragen wahrgenommen – liegt für viele Kolleginnen und Kollegen in der Durchführung virtueller Präsenzlehre, also Unterrichtssettings, in denen sich Lehrende und Lernende zu einem bestimmten Zeitpunkt online zusammenfinden (wir nennen dies virtuelle Präsenzlehre oder auch Web-Seminare).

Dies ist aus unserer Sicht EIN Baustein von vielen, die beim reinen Online-Unterricht eingesetzt und berücksichtigt werden sollten. Daneben spielt natürlich das gesteuerte und selbstgesteuerte Selbststudium im Online-Unterricht eine wesentliche Rolle.

 

Tipps für die virtuelle Präsenz

Zum Start haben wir uns nun aber entschieden, den Baustein der virtuellen Präsenzlehre in den Blick zu nehmen, und Ihnen hier eine Checkliste anzubieten, die Sie dabei unterstützt, Ihren virtuellen Präsenzunterricht vorzubereiten und durchzuführen.

Wir haben bewusst darauf verzichtet, alle Möglichkeiten zu erwähnen, um es schlank und übersichtlich für Sie zu lassen. Komplexe Linksammlungen, die gegenseitig auf sich verlinken, findet man im Internet im Moment ja bis zur Genüge. Diese können eine gute Ergänzung für diese Checkliste sein. Wir denken aber, dass der Anfang mit einer übersichtlichen Liste ohne 1000 Links leichter ist.

 

Technik-Tipps warten bei Google und Youtube auf Sie…

Was diese Checkliste nicht bietet, ist eine technische Anleitung. Es gibt viele verschiedene Anbieter/Software (Web-Seminaranbieter), mit denen virtuelle Präsenzkurse durchgeführt werden können (die wohl verbreitetsten sind AdobeConnect, WebEx, GoToMeeting, Zoom, MS Teams). Diese unterscheiden sich natürlich in der Bedienung und auch in ihrer Funktionalität. Wir haben uns hier auf die Funktionen beschränkt, die aus unserer Sicht bei (fast) allen Anbietern gegeben sind. Für technische Anleitungen wenden Sie sich bitte an Ihre Hochschulen oder ziehen Sie die vielen Tutorials hinzu, die es zu allen Tools auf Youtube oder bei den jeweiligen Anbietern in einer großen Anzahl gibt.

Im Laufe der nächsten Woche werden wir vermutlich weitere Checklisten erstellen und zur Verfügung stellen und auch Web-Seminare zum Austausch über die Online-Lehre veranstalten. Vielleicht lohnt es sich deshalb ja für Sie, in unsere Facebook-Gruppe „Hochschuldidaktik“ zu kommen, uns via Twitter zu folgen oder unseren kostenlosen Newsletter zu abonnieren.

Nun aber erst mal viel Spaß mit unserer Liste. Wir hoffen, Sie dient Ihnen, und freuen uns über Ihr Feedback.

Hier können Sie die Checkliste direkt herunterladen:

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