Look at yourself – Ein kleiner Leitfaden zur (Selbst)Reflexion mit dem E-Portfolio

von Tamara Rachbauer

Die biografisch-professionelle Reflexionsfähigkeit gilt an Universitäten und Hochschulen als eine der Schlüsselkompetenzen von Professionalisierungsprozessen, ohne die ein bewusstes Aneignen von neuem Wissen und neuen Fähigkeiten nicht möglich ist. Dabei sollen Studierende lernen, wie sie ihr Wissen, ihre Kompetenzen und ihre praktischen Erfahrungen in eine enge Verzahnung bringen können. Aber wie genau kann dies gelingen? Welche Angebote oder besser gesagt, welche Lehr-/Lernformate und Veranstaltungen sind hierzu im Detail notwendig?

An der Universität Passau habe ich ein entsprechendes Angebot in Form eines online-basierten E-Portfolio-Begleitseminars für reflektiertes und biografisches Lernen und Lehren entwickelt (Rachbauer, 2019). Dabei habe ich mich am Profigrafiemodell von Hansen (2012) orientiert. Dieses Modell besagt, dass es in der Lehrer*innenbildung gezielt Instrumente, Methoden und Lehr- und Lernformate wie z.B. die Arbeit mit dem E-Portfolio braucht. Denn gerade durch die E-Portfolioarbeit erfahren die Studierenden, wie sie ihre subjektiven Einstellungen und Deutungen über und zum Lehrberuf mithilfe systematischer Selbstreflexionsarbeit für den pädagogischen Alltag nutzbar machen können (Hansen, 2012; Hansen & Rachbauer, 2018; Rachbauer, 2019). Insbesondere die digitale Version des Portfolios bietet im Gegensatz zum papierbasierten Portfolio den großen Vorteil, dass die Lehrenden orts- und zeit- unabhängig auf die Inhalte zugreifen und so zeitnah und semesterbegleitend Rückmeldungen auf Reflexionen und Arbeitsaufträge geben können. Diese kontinuierlichen Rückmeldungen unterstützen die Studierenden bei der Entwicklung ihrer Reflexionsfähigkeit.

Lern- und Professionalisierungsprozesse sichtbar machen

Im Rahmen des von mir entwickelten online-basierten E-Portfolio-Begleitseminars ist es Aufgabe der Studierenden, ein semesterbegleitendes E-Portfolio zu führen, in welchem sie regelmäßig über ihren Lern- und Professionalisierungsprozess reflektieren (Hansen & Rachbauer, 2018; Rachbauer, 2019). So halten die Studierenden in den einzelnen Reflexionen ihre Erwartungen an die Inhalte des Seminars fest oder setzen sich persönliche Ziele, an denen sie im Rahmen des besuchten Seminars arbeiten möchten. Sie beschreiben nicht nur ihren IST-Stand bezüglich Fach-, Methoden-, Personal-, Sozial- und Selbstreflexionskompetenz vor dem besuchten Seminar, sondern erzählen ihre biografischen Geschichten und beschreiben ihre spezifischen, Einstellungen, Erwartungen, Ziele und Fähigkeiten (Hansen, 2012; Rachbauer, 2019).

Auf diese Weise können die Dozierenden die biografische Ausgangslage ihrer Studierenden im Rahmen des jeweiligen Seminars berücksichtigen. Gerade die Berücksichtigung dieser individuellen biografischen Ausgangslage stellt eine zentrale Säule des Profigrafiemodells von Hansen dar (Rachbauer, 2019).

Zu Semesterende beschreiben die Studierenden ihren IST-Stand bezüglich Fach-, Methoden-, Personal-, Sozial- und Selbstreflexionskompetenz nach dem Seminar. Dazu fragen sie sich, wie und wodurch sie sich weiterentwickelt haben, ob sie ihre gesteckten Ziele erreicht haben oder welche neuen Ziele sie sich für das kommende Semester setzen. Von zentraler Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass die Studierenden ihren persönlichen Standpunkt zu den einzelnen Themengebieten noch einmal gezielt ansprechen, d. h. sie erläutern, was sie aus dem Seminar für sich mitgenommen haben oder welche Inhalte für sie besonders interessant waren (Rachbauer, 2019).

Im Detail besteht das E-Portfolio an der Universität Passau aus einem Prozess- und einem Produkt-E-Portfolio.

Prozess-Portfolio plus Produkt-Portfolio ist gleich e-Portfolio
Aufbau des semesterbegleitenden E-Portfolios an der Universität Passau

Eine Entwicklung nachvollziehen können: Reflexion als Prozess

Das Prozess-E-Portfolio dient den Studierenden zur semesterbegleitenden Dokumentation ihrer gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse sowie zur (Selbst)Reflexion ihres Lern- und Professionalisierungsprozesses und beinhaltet dabei folgende Bestandteile (Hansen & Rachbauer, 2018; Rachbauer, 2019):

  • Die Auftaktreflexion ist die erste Reflexion, die die Studierenden in jedem Prozess-E-Portfolio zu Beginn des besuchten Seminars verfassen. Hier halten diese ihre Erwartungen an die Inhalte des Seminars fest. Zusätzlich setzen sich die Studierenden zwei oder drei persönliche Ziele, an denen sie im Rahmen des besuchten Seminars arbeiten.
  • In den regelmäßigen semesterbegleitenden Reflexionen fassen die Studierenden die wesentlichen Kernthemen und zentralen Aussagen jeder Sitzung mit eigenen Worten zusammen.
  • Das fachsprachliche Lexikon bzw. der Index ist ein Nachschlagewerk, in dem die Studierenden Definitionen der wesentlichen Begriffe festhalten, mit denen sie sich in den einzelnen Seminaren beschäftigen. Dieser Index muss wissenschaftlich fundiert sein, d.h. mit Literaturzitaten zu den Definitionen wie z.B. Autor*in, Erscheinungsjahr, Seitenangabe und einem Literaturverzeichnis versehen sein.
  • Die Abschlussreflexion ist der abschließende bzw. der letzte Eintrag im Prozess-E-Portfolio. Hier fassen die Studierenden die im Seminar kennengelernten, fachlichen Inhalte kurz zusammen. Von zentraler Bedeutung ist in diesem Zusammenhang der persönliche Standpunkt zu den Themen. Außerdem fragen sie sich, wie und wodurch sie sich weiterentwickelt haben (Referate, Aufbereiten der Inhalte, Zeitmanagement mit dem E-Portfolio, Bewältigung der Arbeitsaufträge, wissenschaftliche Ausarbeitungen, Gruppenarbeiten im Seminar, Vorbereitung und Durchführung einer Hospitation etc.) und ob sie ihre in der Auftaktreflexion gesteckten Ziele erreicht haben oder welche Ziele sie sich für das neue Semester setzen.

 

Einen Ist-Stand analysieren können: Reflexion als Produkt

Das Produkt-E-Portfolio dient den Studierenden dazu, eine wissenschaftlich fundierte Ausarbeitung zu einem konkreten Thema, das sie im Rahmen des Seminars besonders interessiert, durchzuführen. Diese schriftliche Arbeit ist zusammen mit der Eigenständigkeitserklärung zentraler Bestandteil des Produkt-E-Portfolios. Der Inhalt des Produkt-E-Portfolios variiert je nach besuchtem Seminar. Entscheidend ist aber, dass der Produktteil zwingend wissenschaftlich fundiert sein muss (Rachbauer, 2019)

Fazit: Ein E-Portfolio im Prozess

Nach einer Pilotphase im Wintersemester 2014/15 ist das E-Portfolio-Begleitseminar bereits fest im Curriculum der Lehrer*innenbildung an der Universität Passau verankert und wird seitdem auch kontinuierlich weiterentwickelt. Aufgrund technischer Weiterentwicklungen, Updates und Neuerungen der eingesetzten E-Portfolio-Software sowie auch neuer Entwicklungen im Bereich des digitalen Lehrens und Lernens müssen im Sinne des lebenslangen Lernens – Stichwort Lifelong Learning (LLL) – immer wieder Anpassungen durchgeführt werden, um das E-Portfolio-Begleitseminar auf dem aktuellen Stand zu halten (Rachbauer, 2019).

Vielen Dank an Tamara Rachbauer von der Universität Passau für ihren spannenden Gastbeitrag! Wir finden, dass die Anregungen zur Reflexion mit einem E-Portfolio nicht nur für Dozierende relevant sind, die in der Lehrkräfte-Ausbildung tätig sind, sondern auch generell zeigen, wie wir Dozierenden unsere Tätigkeit reflektieren und immer weiter professionalisieren können.

Literaturverzeichnis

Hansen, C. (geb. Schenz, C.) (2012). LehrerInnenbildung und Grundschule: Pädagogisches Handeln im Spannungsfeld zwischen Gesellschaft und Person. Pädagogik: Bd. 21. München, Deutschland: Utz.

Hansen, C. & Rachbauer, T. (2018). Reflektieren? Worauf und Wozu? Arbeiten mit dem E-Portfolio – ein Reflexionsinstrument für die LehrerInnenbildung am Beispiel der Universität Passau. e-teaching.org. Portalbereich: Aus der Praxis. Abgerufen am 5. August, 2019, von http://bit.ly/e-portfolio_lehrerbildung.

Rachbauer, T. (2019). E-Portfolios als Instrument für Selbstreflexionsprozesse in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Eine empirische Untersuchung zur Implementierung von E-Portfolios in der universitären Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Reihe: Pädagogische Professionalisierung und Schule. Praxis-Forschung. Berlin, Münster, Wien, Zürich, London: LIT Verlag.

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So funktionieren Laborpraktika in der reinen Online-Lehre – ein praktisches Beispiel von der Fakultät für Medical and Life Sciences

Laborpraktika online?

von Nico Laur und Attila Duyar

Wir unterrichten als Lehrbeauftragte an der Hochschule Furtwangen an der Fakultät Medical and Life Sciences das Wahlfach „HPLC Methodenentwicklung und Optimierung“. Eine HPLC ist ein analytisches Nachweisgerät im medizinischen Bereich, mit diesem man kleinste Spuren von Stoffen (Medikamente, Stoffwechselprodukte, Vitamine, und und und) nachweisen kann. Wirklich jedes diagnostische Labor besitzt solch ein Gerät. Leider sind diese Geräte sehr teuer, wartungsintensiv und kaum eine Hochschule oder Universität ist mit solch einem Gerät ausgestattet – falls doch, dann wird dieses Gerät für Forschungsprojekte oder ähnliches rund um die Uhr beschlagnahmt. Theoretisch wird dieses Gerät und dessen Funktionsweise an jeder Hochschule gelehrt, jedoch arbeitet kaum ein Student, kaum eine Studentin praktisch damit.

Und genau an dieser Stelle kommt unsere Vorlesung ins Spiel.

Eine Brücke zwischen Studium und Praxis

Ich (Nico Laur) arbeite hauptberuflich in einem medizinisch-diagnostischem Labor, das sich auf die Entwicklung und den Nachweis von Substanzen dieser HPLC Geräte spezialisiert hat. In meinem Labor stehen acht solcher Geräte. Einige sind Testgeräte für Methodenentwicklungen, andere dienen der Diagnostik. Atilla Duyar arbeitet neben seiner Tätigkeit als Lehrbeauftragter als Forschungs- und Entwicklungsingenieur ebenfalls in einem medizinisch diagnostischen Unternehmen, welches sich mit der Wartung und Reinigung solcher Geräte beschäftigt. Wir beide haben an der Hochschule Furtwangen studiert und kennen uns daher schon lange. Da wir beide nun mehrere Jahre Berufserfahrung auf diesem Gebiet gesammelt haben und die Situationen der Hochschulen kennen, wollten wir die Chance nutzen und den Studierenden diese Vorlesung inklusive virtuellem Praktikum anbieten. Unsere Vorlesung mit Mini-Praktikum sieht vor, den Studenten die Möglichkeit zu geben, selbst „virtuell“ anhand von Videos eine Methode auf diesen Geräten zu entwickeln und das Ergebnis zu beurteilen.

Lehrvideos geben den Studierenden – und uns Dozenten – Informationen

Zur Einleitung in die Vorlesung haben wir mehrere Videos in Form von Powerpoint-Präsentationen erstellt. Hier werden Basics der HPLC-Methodik besprochen und der übliche Vorgang bei Methodenentwicklungen und Optimierungen besprochen. Jedes dieser Einleitungsvideos wird mit einem kurzen Mini-Test (ca. fünf Multiple-Choice-Fragen) abgeschlossen. Dies dient zum einen zur Anwesenheitskontrolle und zum anderen auch zur Kontrolle, ob die Studierenden den Inhalt prinzipiell verstanden haben. Denn jede Vorlesung baut im Prinzip auf die nachfolgende auf. Wenn man z. B. die grundlegende Arbeitsweise des Gerätes nicht verstanden hat, so weiß man später nicht, an welchen Stellschrauben man bei der eigentlichen Methodenentwicklung drehen kann bzw. darf. Über das Learning Management System ist für uns als Dozenten ersichtlich, welche Studierenden wann das Video unterbrochen bzw. pausiert haben. Daraus lässt sich für uns und unsere zukünftigen Vorlesungen ableiten, dass hier an dieser Stelle eventuell etwas genauer besprochen oder erklärt werden müsste, sollten mehrere Studierende das Video dort pausiert haben.

Praktische Arbeit aus der Ferne

Nach den Grundlagenvideos folgt der praktische Teil: Hier erarbeiten die Studierenden in kleinen Gruppen eine HPLC-Methodik. Das Thema wird von uns vorgegeben (bereits publizierte HPLC-Protokolle). Anschließend erstellten die Studierenden eine Art „Kochrezept“, d. h. sie sagen uns anhand einer Checkliste, was zu tun ist und welche Geräteeinstellungen wir vornehmen müssen. Diese Einstellungen übertragen wir auf die Testgeräte in unserer Firma und starten anschließend den Lauf. Das Ergebnis bekommen die Studierenden über unser Learning Management System mitgeteilt.

 

Eine HPLC-Anlage.
Eine HPLC-Anlage.

Anschließend folgt eine Online-Diskussion: Was ging schief? Wie beurteilt man das Ergebnis? Was könnte man verbessern? Wir hatten in der Eingangsvorlesung angekündigt, dass eine aktive Teilnahme im Diskussionsforum gewünscht wird. Wenn wir ehrlich sind, dachten wir beide, dass dies völlig ignoriert werden würde. (Wir waren schließlich auch mal Studenten und erinnern uns an unsere Studienzeit 😊) Jedoch muss gesagt werden, dass die Studierenden dieses Diskussionsforum wirklich in Anspruch genommen haben.

Dann startete der zweite Part der Vorlesung: Die HPLC-Optimierung. Nun sollte das erhaltene Ergebnis optimiert werden. Hierfür mussten sich die Studierenden wieder mit der Literatur beschäftigen: Sie mussten in Erfahrung bringen, welche Einstellungen man verändern kann und welchen Einfluss dies auf einen zu bestimmenden Analyten hat. Auch hier werden von uns wieder Videos zur Verfügung gestellt, und die Studierenden erarbeiten wiederum ein Optimierungsprogramm, welches anschließend auf die Geräte übertragen wird. Den Studierenden wird anschließend das Ergebnis online mitgeteilt.

So wurde quasi ein virtuelles Laborpraktikum simuliert.

Die Studierenden stehen nicht live vor diesem Gerät, aber arbeiten damit, als würden sie live davor stehen.

Die Reaktionen: Das virtuelle Laborpraktikum ist gelungen

Wir sind der Meinung, dass sich dieses Vorlesungskonzept mit einem Mini-Praktikum sehr gut auch für andere Bereiche und andere Fächer übertragen lässt. Hierfür müssten jedoch mehr Kooperationen zwischen Hochschulen und Industrie geknüpft werden. Denn wie bereits oben erwähnt, hat nicht jede Hochschule die entsprechenden Geräte zur Verfügung. Eine gute Kontaktpflege zu Absolvent*innen seitens der Hochschule erscheint hierfür extrem wichtig.

Umfangreiche Erfahrungen haben wir selbst noch nicht, da dies unser erstes Semester als Lehrbeauftragte ist. Die abschließende Evaluierung ist noch nicht durch, jedoch haben wir mal eine kleine Umfrage gestartet, wo wir wissen wollten, wie so eine Art von Unterricht bei den Studierenden ankommt. Bisher haben wir (bis auf einen Kommentar von einem Studenten) ausschließlich positives Feedback erhalten. Einige der Kommentare stellen wir Ihnen hier vor. Der negative Kommentar hat sich auf die abschließende Klausur nach den einzelnen Vorlesungen bezogen:

  • Teilweise waren die Fragen der Tests (vor allem des Tests zu VL5) etwas schwer zu verstehen. Nicht alle Fragen konnten anhand der Vorlesung beantwortet werden.

Hier einige positive Kommentare:

  • Mir hat gut gefallen, dass alles wichtige verständlich rübergebracht wird, aber man von der ganzen Arbeit nicht erschlagen wird (wie es leider in anderen Kursen der Fall ist). Die Tests sind gut. Videos sind sehr gut. Auch die Live-Simulation war gelungen.
  • Die Vorlesung war klar strukturiert und durch die Videos klar erklärt. Durch die wöchentlichen Tests wurde der Inhalt der jeweiligen Vorlesung nochmals überprüft und damit nochmals vertieft.
  • Sehr gut strukturiert, sehr gute Videos, interessant gestaltet und Wissen wird sehr gut vermittelt. Auch das Problem der asynchronen Vorlesung wurde durch die zeitlichen Fenster bei den Tests gut behoben. (man muss wöchentlich etwas machen und kann es nicht aufschieben). Das mit dem Praktikum war auch interessant.
  • Ich fande die Live-Methodenentwicklung etwas chaotisch aber es hat trotzdem spaß gemacht und man hat viel gelernt. Die nachfolgenden Semester können sich auf diese Vorlesung freuen.
  • Schade, dass aufgrund Corona die Vorlesungsstruktur etwas abgeändert werden musste. Trotzdem haben die Dozenten ihren Job super gemacht. Man merkt, dass diese Spaß hatten. Als kleiner Kritikpunkt. Das Praktikum müsste etwas strukturierter ablaufen aber das liegt vermutlich an der kurzen Zeit im Semester.
  • Vorlesung ist inhaltlich gut verständlich. Der klar definierte Zeitplan, ab wann die Vorlesung online ist und der Test zu machen ist wurde stets eingehalten. Fragen wurden von den Dozenten immer zeitnah und ausführlich beantwortet.
  • Man merkt, dass die Dozenten jung sind und Spaß bei der Vorlesung haben. Ich empfinde es als sehr angenehm die Vorlesungen anzuschauen. Diese sind zwar sehr reich an Informationen, aber trotzdem nicht trocken, oder überdimensioniert. Es wirkt alles etwas lockerer und trotzdem klar strukturiert und kompetent.

Vielen Dank an Nico Laur und Attila Duyar für ihren spannenden Gastbeitrag! Wir freuen uns, diesen Einblick in ihr virtuelles Laborpraktikum erhalten zu haben und hoffen, dass Sie daraus auch Inspiration schöpfen können.

Nico Laur im Foto

Nico Laur (M.Sc., Ing.) geb. 1987, Staatsexamen zum Medizinisch-technischen Laboratoriumsassistenten (MTA-L) an der Naturwissenschaftlich Technischen Akademie (NTA) in Isny im Allgäu. Studium der „Molekularen und Technischen Medizin“ und „Medical Diagnostic Technologies“ (Techniken der Medizinischen Diagnostik) an der Hochschule Furtwangen. Derzeit Tätigkeit in einem privaten Schweizer Labor in der klinisch-medizinischen Routineanalytik und ist beteiligt an der Entwicklung neuartiger diagnostischer Methoden.

Kontakt: nico.laur@gmx.net

Atilla Duyar im Foto

Atilla Duyar (M.Sc., Ing.) geb. 1992. Seit 2008 Mitglied einer Hilfsorganisation und Sanitäter im Rettungsdienst. Studium der „Molekularen und Technische Medizin“ und „Technical Physician (M.Sc.)“ an der Hochschule Furtwangen. Seit August 2017 als Entwicklungsingenieur für die Entwicklung neuartiger Therapien von neurovaskulären Erkrankungen (bspw. Schlaganfällen) in Pforzheim tätig.

Kontakt: atilla.duyar@hs-furtwangen.de

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So schaffen Sie eine Verbindung zu Ihren Studierenden in der Online-Lehre

Im virtuellen Raum ist es so kalt und unpersönlich – könnte man meinen. Denn man kriegt kaum etwas von den Studierenden mit. Und dadurch, dass wir keine Körpersprache, keine Gestik und Mimik haben, die uns den Austausch erleichtert und ihn lebendig macht, müssen wir so viel interpretieren, entsteht kein echtes Gefühl von Nähe.

Ich möchte es nicht leugnen: Ja, das ist eine große Herausforderung in der Online-Lehre.

Aber Dozierende können trotzdem ein paar kleine Dinge tun, um eine bessere, menschlichere Gruppendynamik im Online-Kurs zu erzeugen. Diese Dinge sind bewusst alle low-tech: Es geht nicht darum, dass wir, dass die Studierenden eine neue Technologie, ein neues Tool erlernen müssen. Nein, einfache Aufgabenstellungen und Änderungen im LMS reichen.

1. Alle müssen einen Namen haben.

In vielen LMS werden nicht die ganzen Namen der Teilnehmenden angezeigt. Stattdessen werden die eduroam-Codes angezeigt, bei mir z. B. nb1056@uni-freiburg. Wenn man im Forum oder Chat schreibt und nur solche Codes sieht, ist das schrecklich unpersönlich. Deshalb sollten Sie auf jeden Fall als Lehrperson dafür sorgen, dass Ihr ganzer Name angezeigt wird. Bitten Sie auch die Studierenden, ihre Codes zu ersetzen – entweder mit ihrem echten Namen oder mit dem Namen fiktiver Charaktere. Denn Pseudonyme wie „Harry Potter“ oder „Jane Eyre“ wirken auch schon viel menschlicher als „ghr68“ oder „tofu1998“.

Sie werden den Studierenden erklären müssen, wie sie sich den Namen in Ihrem LMS, z. B. bei ILIAS, anzeigen lassen können.

Screenshot aus ILIAS
In meinem ILIAS-Portal bei der Uni Freiburg muss man z. B. unter "Persönliche Daten und Profil" das Profil "für angemeldete Benutzer sichtbar" machen, damit mein Name angezeigt wird.

2. Alle müssen ein Profilbild haben.

Was für die Namen gilt, gilt auch für die Bilder. Menschen sind visuell geprägte Wesen. Pflegen Sie unbedingt ein Profilfoto ein und bitten Sie die Studierenden, dies auch zu tun. Dabei muss es kein Bild des Gesichts sein – es kann auch ein Bild des Haustiers, der Lieblings-Teetasse, oder etwas ganz anderes sein. Hauptsache, jede*r Nutzer*in hat ein visuelles Wiedererkennungsmerkmal.

Bei ILIAS muss man dann in den Einstellungen auch dafür sorgen, dass das Profilfoto auch öffentlich angezeigt wird. Erklären Sie den Studierenden also unbedingt, wie sie das einstellen können.

In meinem ILIAS bei der Uni Freiburg muss ich unter "Persönliche Daten und Profil" ein Foto hochladen UND dieses mit einem Häkchen unter "Profil" sichtbar machen.

Aber es gibt noch mehr Wege, um mit Bildern die Motivation und Nähe zu fördern: Warum nicht auch ein schlichtes Logo für die Veranstaltung erstellen – mit dem kostenlosen Tool Canva geht das z. B. ganz gut, hier hatten wir mal dazu gebloggt – und eine nette, optische Willkommensbotschaft in das LMS einfügen?

Mein Willkommensbild im ILIAS-Kurs.

3. Sie müssen vorangehen: Seien Sie selbst authentisch und wertschätzend

Erzählen Sie den Studierenden oft etwas von sich: Wie es Ihnen mit einer Sache geht, welche Erfahrungen (auch Fehler) Sie gemacht haben, was Ihnen gefällt… Natürlich geht es nicht (unbedingt) darum, dass Sie von Ihrem Privatleben berichten. Als Dozierende sprechen wir bestimmte Bereiche unseres Lebens selbstverständlich nicht mit Studierenden an. Aber dort, wo wir das Gespräch eröffnen, können wir trotzdem als ganze Persönlichkeiten auftauchen. Wir müssen unseren Humor, unsere Meinungen, unsere Stimmung nicht verstecken. Im Gegenteil: Das bringt viel Menschlichkeit in den Kurs und zeigt den Studierenden, dass auch sie sich öffnen können.

4. Stellen Sie sich vor – aber richtig.

Stellen Sie deshalb nicht (nur) Ihren Lebenslauf vor. Den können die Studierenden bestimmt sowieso irgendwo nachschlagen. Stellen Sie sich lieber in einem Video vor und sagen Sie den Studierenden, was Sie bezüglich der Veranstaltung motiviert, worauf Sie gespannt sind, was Ihnen wichtig ist. Teilen Sie Dinge von sich mit, die wirklich interessant sind (hier als Beispiel ein Blogpost, in dem ich mich Studierenden vorstelle).

So sieht mein Willkommensvideo in ILIAS aus. Es ist nur 3 Minuten lang - damit es auch wirklich angeschaut wird!

5. Die Studierenden sollten sich auch vorstellen - kreativ und datenschutzgerecht.

Für die Studierenden gilt dasselbe: Eckdaten der Lebensläufe vergessen Sie – und die anderen Studierenden – schnell. Warum nicht kreativer werden? Sobald das Semester an meiner Uni beginnt, werde ich meine Studierenden bitten, einen Post im Forum zu erstellen mit…

  • ihren Studienfächern und ihrem Fachsemester, sowie
  • 1-3 Bildern, die ihnen etwas bedeuten.

Dies muss kein Profilbild sein (aus den oben genannten Gründen), sondern kann z. b. Folgendes sein:

  • ein Meme,
  • ein Bild des Haustiers, der Lieblingstasse, des Blickes aus dem Fenster, des Lieblingsbuches,
  • ein Bild aus dem Urlaub,
  • ein “Zitat-Bild”,
  • usw…

Die Bilder werden nicht kommentiert oder “geliked” – damit kein Druck, gut “abzuschneiden”, entsteht. Wir machen das in unserem LMS ILIAS, um dem Datenschutz besser gerecht zu werden.

6. Lassen Sie kleinere Begegnungsräume entstehen

Die Studierenden wollen auch wissen, mit wem sie sich im Kurs befinden. Bei 20, 30, ja sogar 100 Studierenden wird es aber immer schwieriger, einen Überblick zu haben, wer alles dabei ist – selbst wenn alle einen Namen, ein Profilbild haben und sich ggf. sogar vorstellen. Darum lassen Sie gerne kleinere Gruppen entstehen, die immer wieder zusammenarbeiten. Dazu können Sie mehrere Foren oder Chaträume erstellen, die Sie alle nach einem Schema benennen, z. B. anhand von:

  • Musikgenres (Blues Rock, Metal, EDM, Pop, K-Pop….)
  • Fiktiven Ländern und Welten (Narnia, Hogwarts, Mittelerde, Westeros, Dinotopia…)
  • Getränken (Smoothie, Saft, Wasser, Tee, Kaffee…)
  • Reiseziele (Australien, Karibik, USA, Provence…)
  • Oder etwas ganz anderem, das Ihnen einfällt, vielleicht auch etwas, das zu Ihrem Fach passt.

Natürlich können Sie auch die Studierenden selbst brainstormen lassen, welche Chat-Gruppennamen sie haben wollen. Das dürfte auch für alle interessant werden. Lassen Sie die Studierenden sich dann selbst in die Gruppen einteilen – das erhöht ihre Motivation und Gruppenzugehörigkeit.

Die Chaträume können die Studierenden dann für informelle Kommunikation sowie für jegliche Gruppenarbeitsaufträge nutzen. Mit der Zeit wird die Nutzung vertraut und es entsteht ein gutes Gruppengefühl.

Eine wichtige Anmerkung muss ich hier ergänzen: Bei den Kleingruppen müssen wir ein Miteinander und nicht ein Gegeneinander fördern. Einteilungen wie Hund, Katze… sind z. B. problematisch. Ich persönlich liebe Hunde und bin kein Fan von Katzen. So – und alle Katzenliebhaber*innen mögen mich wahrscheinlich etwas weniger, nachdem sie diesen Satz gelesen haben. 😉 Darum ist es wichtig, ein Schema zu wählen, wo die meisten Menschen mehrere Vorlieben haben… wo es die Regel ist, dass man mehr als eine der Sachen genießt. Das mindert die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Gegeneinander zwischen den Gruppen entwickelt.

Fazit: Mit kleinen Kniffen wird die kalte Online-Landschaft plötzlich viel freundlicher

Mit Namen, Bildern und kleinen Begegnungsräumen wird jedes LMS freundlicher. Sie lernen die Studierenden besser kennen, wenn Sie sich öffnen, authentisch und empathisch sind. Denn das machen viele Studierenden nach. Auch die Studierenden lernen sich so gegenseitig besser kennen – und letztlich wird Ihre Online-Veranstaltung viel wärmer und freundlicher… für alle Beteiligten.

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Zum Semesterstart: Ein Gruß von der Schweiz nach Deutschland

Die Schweizer Hochschulen hat der Lockdown mitten im Semester getroffen; die meisten deutschen Hochschulen starten erst dieser Tage ins neue Semester.

Unser lieber schweizerischer Kollege Stephan Holländer hat deshalb hier seine Erfahrungen der letzten Wochen mit der Online-Lehre in 7 Tipps zusammengepackt und wünscht einen guten Start ins Online-Semester.

Tipp 1

Es gilt, den Präsensunterricht für die Fernlehre abzuspecken und für die Fernlehre inhaltlich sich auf das Grundgerüst des «roten Fadens» der Thematik zu beschränken. Bei den Unterrichtsformen muss zwischen Vortrag, Webcast und Selbststudium Phase in kurzen Intervallen (max. 15-30 Min.) abgewechselt werden (siehe die Checkliste von Ulrike Hanke) . Die Gesamtlänge eines Präsensunterrichts muss zugunsten von Selbstlernphasen, virtuellen Gruppenarbeiten und Diskussionen in der Fernlehre gekürzt werden.

Tipp 2

Die Umarbeitung oder Neukonzipierung eines Präsensunterrichts braucht je nach Umfang etwa eine Woche, um ihn in eine Online-Version zu bringen. Es gilt der Grundsatz: weniger ist mehr und Mut zur Lücke. Es braucht erklärende Texte und Links, hochgeladene PowerPoint-Präsentationen, Videos von verschiedenen Plattformen zum Thema, um Gesagtes zu vertiefen oder zu illustrieren. Die zusätzlichen Dokumente und Linklisten sollten in einem entsprechenden Bereich des Moodle-Servers der Hochschule hochgeladen und mit einer Mitteilung den Studierenden vorgängig zugehen.

Tipp 3

Ein Unterrichtsablauf mit Zeitangaben der einzelnen Lernschritte und den Unterlagen, die die Studierenden während der Fernlehre bei der Hand haben sollen, sollten mit aufgeführt werden. Diese Information sollte zwei Tage vor dem Unterricht als E-Mail-Mitteilung den Studierenden zugehen.

Tipp 4

Ich wollte im Videokonferenzsystem ein Video mit meinen Studierenden teilen, aber es hat sich gezeigt, dass die Tonqualität und die Bildqualität zu schlecht sind. Also gebe ich nun in meinem Ablaufplan für den Unterricht den Link bekannt und mache dann eine Pause, damit sich die Studierenden das Video anschauen können.

Tipp 5

Die Moodle-Server sind gegenwärtig sehr ausgelastet, also habe ich meine Unterrichtsunterlagen in einen passwortgeschützten Teil meiner Webseite gestellt, da die bei einem Basler Webunternehmen gehostet ist. In Genf beträgt die Dauer, bis etwas im Forum von Moodle hochgeladen ist, am Anfang dieser Woche 24 Stunden.

Tipp 6

Wir wurden aufgefordert, unsere PowerPoint Präsentationen für den Unterricht zu vertonen. Da gibt es aber eine Begrenzung beim Hochladen und die Dateien werden zu umfangreich. Kollegen haben begonnen, ihre Dateien in einzelnen Teilpakete zu zerlegen, ich habe mich entschieden, entweder Erläuterungen im Notizbereich von PowerPoint zu machen oder zusätzlich ein Word-Dokument mit Erläuterungen zu dem PowerPoint Präsentationen auf meiner Webseite zu hinterlegen. Es lohnt sich daher auch, die Unterlagen doppelt zu hinterlegen: Was Du für den Unterrichtstermin brauchst direkt im Videokonferenzsystem für den Unterrichtstermin, da der Moodle Server lange Verzögerungszeit beim Laden ins Moodle-Forum hat. Studierende wollen im Voraus wissen, welche Unterlagen sie für den Unterrichtstermin zur Hand haben sollen. Also Ankündigungen zum Unterricht zwei Tage vorher losschicken.

Tipp 7

Nach der Begrüssung mit Videobild sollte die Videokamera ausgeschaltet werden, da die Bandbreite der Internetverbindung sonst zu niedrig werden kann. Studierende sollen Videokamera und Mikro während den Online-Unterrichtsphasen ausgeschaltet lassen und Fragen über das Chatsystem an den Dozenten richten, die dann in Pausen mündlich übers Mikro vom Dozenten beantwortet werden. Studierende in der Schweiz haben eine gewisse Scheu, das Mikro zu benutzen und mögen auch nicht mit Videokamera für die anderen sichtbar zu sein, so meine Erfahrung. Das legt sich aber mit der Zeit.

 

Wir hoffen, dass diese Tipps für Ihre Online-Lehre hilfreich sind!

Stephan Holländer im Bild

Ein herzliches Dankeschön an unseren Gastautoren: Stephan Holländer ist selbständiger, wissenschaftlicher Dokumentar. Er unterrichtet seit 30 Jahren in der Weiterbildung, ist Lehrbeauftragter für Informationswissenschaften an den Fachhochschulen Chur, Genf und Olten und war von 2011-2018 Delegierter für Weiterbildung für den Verband Bibliothek Information Schweiz (BIS)

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Spontaner Onlinekurs mit Studierenden – ein Erfolgsbericht

Seit der Corona-Krise haben Lehrende im Netz viele theoretische Empfehlungen, Linklisten und Tooltips für die Online-Lehre gesammelt. Ist es nicht an der Zeit, dass wir auch einmal sammeln, was wir in den letzten Wochen gelernt und ausprobiert haben? Diese wirklich sehr gute Idee führte zum Beginn einer agilen Beitragsparade, #3weeks2learn.

In meinem Beitrag zur Parade möchte ich kurz erzählen, wie ich einen Workshoptag mit Studierenden spontan in einen Online-Kurs verwandelte.

1. Die Ausgangssituation

24 Studierende an der Uni Freiburg haben einen Kurs im Ergänzungsbereich belegt, Thema: Lerntechniken und Zeitmanagement. Format: Vier ganze Workshoptage, immer einmal die Woche, vier Wochen lang. Die ersten drei haben bereits stattgefunden, wir kennen uns also, haben eine gute Stimmung in der Gruppe. Bisher habe ich die Studierenden, die aus allen möglichen Studiengängen stammen und größtenteils im 1. oder 3. Semester sind, viel mit Diskussionen, Reflexionsaufgaben und Gruppenarbeiten aktiviert. Die Studierenden waren sehr diskussionsfreudig. Meine Vorträge waren häufig, aber kurz, nie länger als zehn Minuten. Auf ILIAS wurden immer die Folien hochgeladen, es gab auch ein Forum, das aber nie genutzt wurde.

2. Der Einschnitt

Am Freitag heißt es, der ganztägige Abschlusstermin am nächsten Donnerstag muss coronabedingt ausfallen.

3. Das neue Konzept

Ich überlege mir ein Flipped-Classroom-Konzept: Ich werde im bestehenden ILIAS-Kurs Materialien zur Verfügung stellen und diese dann im Web-Seminar mit den Studierenden am Donnerstag besprechen. Die Veranstalterin ist damit einverstanden.

4. Die Umsetzung der Informationsdarbietung

Ich entdecke in ILIAS die „Lernsequenz“. Damit kann man Materialien und Texte in chronologischen, linearen Seiten bündeln – also einen geschlossenen Online-Kurs erstellen. Ich nutze also die Lernsequenz für den Flipped Classroom. Ich überlege mir zunächst, was ich den Studierenden vermittelt hätte. Zu manchen Themen kenne ich gute Youtube-Videos. Die verlinke ich in der Lernsequenz. Zu einem anderen Thema gibt es nichts Passendes – also mache ich ein eigenes Lernvideo. Ich nutze meine Folien und nehme sie inkl. Vertonung über PowerPoint auf. Es kommt ein passables Video dabei rum. Ich lade es auf Youtube hoch und verlinke es ebenfalls in der ILIAS-Lernsequenz.

Die Lernsequenz in ILIAS
So sieht die Startseite der Lernsequenz aus. Rechts die Übersicht.

5. Die Umsetzung der Aktivierung im Online-Kurs

Die Studierenden hatten sich schon einmal in ein Google Doc (über ILIAS verlinkt) für Themen eingetragen. Sie wissen also, wie Google Docs funktionieren. Ich lasse den Datenschutz also mal ein bisschen links liegen und verlinke in der Lernsequenz weitere Google Docs mit Aktivierungen für die Teilnehmenden: VOR den Videos sollen sie sich überlegen, was sie bereits zu den Themen wissen. NACH dem Video können sie offene Fragen notieren. In den Google Docs tippen sie anonym ihre Notizen ein.

6. Die Organisation

Ich schicke den Studierenden am Dienstag über ILIAS eine Email und erkläre ihnen den neuen Aufbau. Am Donnerstagvormittag, während der Workshop stattgefunden hätte, sollen sie sich zwei Stunden für die Bearbeitung der Lernsequenz einplanen (ich schätze, dass sie höchstens eine Stunde brauchen werden, aber ich möchte die Studierenden lieber positiv überraschen). Um 14.00 treffen wir uns dann im Web-Seminar. Wer Fragen hat, soll mir eine Mail, SMS oder Whatsapp-Nachricht schreiben.

7. Das Web-Seminar

Im Web-Seminar besprechen wir offene Fragen zu den Inhalten und zur Organisation. Die Studierenden schreiben im Chat, ich spreche in die Kamera. Ich habe eine schlichte PowerPoint mit Fragen und Arbeitsaufträgen vorbereitet. Es ergeben sich tatsächlich spannende offene Fragen – was kann man tun, wenn man sich überwältigt fühlt und nicht weiß, wo man anfangen soll? – über die wir gemeinsam brainstormen. Die Studierenden schreiben ihre Ideen in den Chat. Ich bündele sie auf dem Whiteboard und sage meine Meinung dazu.

Für den Workshop war ursprünglich geplant, dass die Studierenden in Gruppen eine Visualisierung der Kursinhalte erstellen. Das ist eine der offiziellen Studienleistungen, also sind sie natürlich neugierig, wie es jetzt damit aussieht. Ich erkläre, dass sie nun 10 Minuten Zeit bekommen werden, um eine Visualisierung auf einem Blatt Papier zu erstellen. Dieses sollen sie dann fotografieren und mir per Email schicken. Danach haben sie weitere 10 Minuten Pause, während ich die Fotos in meine PowerPoint bündele. Das klappt auch sehr gut, wir schauen uns dann im Web-Seminar alle Fotos an.

8. Die Nachbereitung

Später tippe ich die Whiteboard-Inhalte noch in meine PowerPoint-Präsentation rein. Die Folien mit den Visualisierungs-Fotos, die Google Docs und alles weitere stelle ich schön nummeriert und mit sinnvollen Titeln auf ILIAS, damit man alles nachvollziehen kann.

NUmmerierte Medien in ILIAS
Die Nummerierung und die sinnvollen Titel ordnen die Dateien.

9. Die Evaluation

Die Evaluationsbögen für die Veranstaltung liegen nutzlos bei mir im Büro, die Uni hat keine Möglichkeit zur Online-Evaluation. Ich setze also kurz vor dem Web-Seminar eine Umfrage bei Google Forms um und gebe den Studierenden im Web-Seminar einen Link dazu. Ich weise darauf hin, dass die Umfrage anonym ist, aber Google ihre IP-Adresse vermutlich speichert und dass sie sich nicht gezwungen fühlen sollen, dort teilzunehmen. Zehn Studierende hinterlassen dennoch ein Feedback, das sehr positiv ausfällt.

Evaluation
Ein Auszug aus den Evaluationsergebnissen.

10. Was ich daraus gelernt habe

Studierende sind bereit, mit flexiblen Planänderungen umzugehen; was sie jedoch brauchen, ist eine sehr klare visuelle wie auch organisatorische Strukturierung. Sie wollen sich gut zurechtfinden können und sie brauchen klare Arbeitsaufträge. Eine gewisse Offenheit ist jedoch wichtig – Studierende wollen nicht das Gefühl kriegen, dass sie wegen einer technischen Schwierigkeit aus dem Kurs fliegen könnten. Sie schätzen vor allem den Austausch, die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Die zwischenmenschliche Beziehung ist im virtuellen Raum genauso wichtig wie zuvor. Mein Hauptfazit: Online-Lehre muss nicht „perfekt“ sein, und sie kann wirklich Spaß machen.

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Online-Lehre & Online-Prüfen – in einem Video kurz erklärt

Kennen Sie schon unsere beiden Videos zum Thema Online-Lehre und Online-Prüfen?

Wie kann man Online-Lehre sinnvoll und systematisch planen? In diesem Video (8 min) erhalten Sie die wichtigsten Tipps.

Was zeichnet eine faire, lernförderliche Online-Prüfung aus? In diesem Video (8 min) erfahren Sie, welche Prüfungsformate online gut geeignet sind.

Wir freuen uns über Ihr Feedback und Ihre Fragen! Sie finden uns auf Twitter oder in unserer Facebook-Gruppe.

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Checkliste: Virtuelle Präsenzlehre

Viele Lehrende stehen heute vor der Herausforderung, mehr oder weniger schnell ihre für die Präsenz geplante Lehre in eine Online-Unterrichtsform zu überführen. Aus diesem Grund erreichten uns in den letzten Tagen viele Anfragen, was dabei denn zu beachten sei, wie man denn reinen Online-Unterricht durchführen könne.

 

Die größte Herausforderung: Virtuelle Präsenz?

Die größte Herausforderung – so haben wir das in den Anfragen wahrgenommen – liegt für viele Kolleginnen und Kollegen in der Durchführung virtueller Präsenzlehre, also Unterrichtssettings, in denen sich Lehrende und Lernende zu einem bestimmten Zeitpunkt online zusammenfinden (wir nennen dies virtuelle Präsenzlehre oder auch Web-Seminare).

Dies ist aus unserer Sicht EIN Baustein von vielen, die beim reinen Online-Unterricht eingesetzt und berücksichtigt werden sollten. Daneben spielt natürlich das gesteuerte und selbstgesteuerte Selbststudium im Online-Unterricht eine wesentliche Rolle.

 

Tipps für die virtuelle Präsenz

Zum Start haben wir uns nun aber entschieden, den Baustein der virtuellen Präsenzlehre in den Blick zu nehmen, und Ihnen hier eine Checkliste anzubieten, die Sie dabei unterstützt, Ihren virtuellen Präsenzunterricht vorzubereiten und durchzuführen.

Wir haben bewusst darauf verzichtet, alle Möglichkeiten zu erwähnen, um es schlank und übersichtlich für Sie zu lassen. Komplexe Linksammlungen, die gegenseitig auf sich verlinken, findet man im Internet im Moment ja bis zur Genüge. Diese können eine gute Ergänzung für diese Checkliste sein. Wir denken aber, dass der Anfang mit einer übersichtlichen Liste ohne 1000 Links leichter ist.

 

Technik-Tipps warten bei Google und Youtube auf Sie…

Was diese Checkliste nicht bietet, ist eine technische Anleitung. Es gibt viele verschiedene Anbieter/Software (Web-Seminaranbieter), mit denen virtuelle Präsenzkurse durchgeführt werden können (die wohl verbreitetsten sind AdobeConnect, WebEx, GoToMeeting, Zoom, MS Teams). Diese unterscheiden sich natürlich in der Bedienung und auch in ihrer Funktionalität. Wir haben uns hier auf die Funktionen beschränkt, die aus unserer Sicht bei (fast) allen Anbietern gegeben sind. Für technische Anleitungen wenden Sie sich bitte an Ihre Hochschulen oder ziehen Sie die vielen Tutorials hinzu, die es zu allen Tools auf Youtube oder bei den jeweiligen Anbietern in einer großen Anzahl gibt.

Im Laufe der nächsten Woche werden wir vermutlich weitere Checklisten erstellen und zur Verfügung stellen und auch Web-Seminare zum Austausch über die Online-Lehre veranstalten. Vielleicht lohnt es sich deshalb ja für Sie, in unsere Facebook-Gruppe „Hochschuldidaktik“ zu kommen, uns via Twitter zu folgen oder unseren kostenlosen Newsletter zu abonnieren.

Nun aber erst mal viel Spaß mit unserer Liste. Wir hoffen, Sie dient Ihnen, und freuen uns über Ihr Feedback.

Hier können Sie die Checkliste direkt herunterladen:

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Lehrvideos auf die Schnelle: Einfacher, als Sie denken!

Der Corona-Virus zwingt aktuell viele Hochschulen, ihre Lehrveranstaltungen von Präsenz auf Online umzustellen. Hier erfahren Sie, wie Sie mit wenig Aufwand Lehrvideos erstellen können, sodass Ihre Lehrveranstaltung auch online wirksam und motivierend ist.

Die Studierenden wollen Ihr Gesicht sehen: Lehrvideos mit Ihnen

Natürlich ist der menschliche Kontakt online nicht so intensiv wie Face-to-Face. Trotzdem lohnt es sich, auch über den virtuellen Raum eine Beziehung zu den Studierenden aufzubauen: Stellen Sie sich, wenn möglich, auch mal vor die Kamera! Die Studierenden schätzen es sehr, Ihr Gesicht sehen und Ihre Stimme hören zu können. Das macht die virutelle Lehre gleich viel attraktiver und motivierender. Stellen Sie sich also mindestens einmal in der Lehrveranstaltung auch selbst im Video vor. Und keine Sorge, Ihr Auftritt muss nicht “perfekt” seinVideoexpertin Karen Costa weist im Podcast darauf hin, dass es sowieso viel sympathischer wirkt, wenn man sich mal verspricht oder ein Hund im Hintergrund bellt.

 

Wie können Sie dabei vorgehen?

  • Überlegen Sie sich im Voraus in etwa, was Sie sagen wollen. Falls Sie sich im Video vorstellen möchten, dann erzählen Sie doch auch etwas Persönliches von sich. Ihr Lebenslauf ist für die Studierenden weniger interessant als z. B. Ihre ungewöhnlichste Erfahrung als ForscherIn oder ein lustiger Fehler, aus dem Sie einmal viel gelernt haben.
  • Richten Sie sich einen Platz zum Aufnehmen ein. Sie brauchen keine Greenscreen und auch keinen weißen Hintergrund – Ihr normaler Arbeitsplatz oder Ihr Küchentisch reichen völlig aus. Wenn Sie sich auf Youtube umschauen, werden Sie sehen, dass die meisten VloggerInnen in einem normalen Zimmer aufnehmen.
  • Sorgen Sie für zusätzliche Beleuchtung. Nehmen Sie tagsüber auf, machen Sie gerne ein paar zusätzliche Lampen an – mehr Licht tut immer gut. Sie müssen aus meiner Sicht keine Extra-Lampen kaufen. Ich stelle immer ein paar Lampen aus der Wohnung in meine Nähe.
  • Probieren Sie es einfach mal aus. Reden Sie sich bei laufender Kamera vielleicht noch ein bisschen warm. Erzählen Sie der Kamera, wie Sie sich fühlen oder was Sie gerade machen. Diesen Einstieg können Sie später wegschneiden. Schauen Sie sich Ihre erste Aufnahme an und machen Sie ggf. weitere Aufnahmen, wenn Sie nicht zufrieden sind. Nach kurzer Zeit werden Sie wissen, wie Sie dabei am liebsten vorgehen.

Was Sie dafür brauchen

  • Ihre Handykamera reicht völlig aus, falls Sie ein modernes Smartphone haben. In meinem Smartphone ist sogar die Frontkamera völlig ausreichend. Oder Sie nutzen die eingebaute Webcam Ihres Laptops.
  • Es lohnt sich vielleicht, ein kleines Mikrofon zum Anknipsen zu nutzen. Mit diesem Modell für aktuell etwa 13 Euro arbeite ich. Oder Sie nutzen ein Headset, falls Sie eins haben.
  • Ein teures Schneideprogramm brauchen Sie bei dieser Art von Video nicht unbedingt. Sie brauchen ja keine komplizierten Schnitte. Schneiden Sie vielleicht lediglich Anfang und Ende des Videos ab, wo Sie zur Kamera greifen oder sich warm reden – das geht entweder ganz einfach mit einem der vielen kostenlosen Online-Tools, oder Sie laden sich den kostenlosen Video-Player VLC herunter und schneiden damit. Falls Sie mit dem Smartphone aufnehmen, können Sie wahrscheinlich auch direkt am Handy einen Ausschnitt rausschneiden.
  • Bonus: Nur falls Sie wollen, können Sie sich ein Stativ für Ihr Smartphone holen – ich nutze dieses hier für aktuell 27 Euro. Falls Sie mitgezählt haben, dann wissen Sie, dass meine “Ausrüstung” aus Mikrofon und Stativ nur 40 Euro gekostet hat.

So habe ich z. B. mein Home Office eingerichtet, um ein Video aufzunehmen. Sie sehen zwei normale Lampen, das Mikro liegt auf dem Stuhl und wartet darauf, in mein Handy eingesteckt zu werden, welches gleich aufs Stativ kommt. Das Stativ steht auf meinem zweiten Schreibtisch, könnte aber auch auf einem Stuhl stehen.

Und so kann es dann im Video aussehen.

Ausschnitt aus Nina Bachs Video

Für fünf Minuten Auf- und Abbau und knappe 40 Euro ein solides Ergebnis.

 

Die Präsentation: Ihre Vorträge als Video

Was ist aber nun mit den Inhalten, die Sie für die Lehrveranstaltung geplant haben? Vielleicht wollten Sie eine Software oder ein Vorgehen,z. B. eine Literaturrecherche, am PC demonstrieren. Dann können Sie aufnehmen, was Sie am Bildschirm tun, sprich, einen Screencast aufnehmen.

 

Die Variante Screencast: Schnell und einfach

An Hardware brauchen Sie nur ein Mikro (s. oben), und falls Sie keins haben, können Sie vielleicht auch Ihr Handy als Mikrofon nutzen – probieren Sie es doch mal aus. Außerdem brauchen Sie eine Software, mit der Sie Ihren Bildschirm und Ihre Stimme aufnehmen können. Ich nutze am liebsten SnagIt, das aktuell für Dozierende knappe 33 Euro kostet. Die Software ist sehr einfach zu bedienen, hat aber auch begrenzte Funktionen. Es gibt auch kostenlose Softwares, u. a. kann man den oben erwähnten VLC-Player auch zum Screencasten nutzen.

Falls Sie neugierig sind, finden Sie hier ein Screencast-Video, das ich 2019 für ein Seminar erstellt habe. Das Video habe ich mit Camtasia aufgenommen, einer professionellen Schnitt- und Screencast-Software, die viel kann, aber auch 183 Euro kostet. Allerdings kann man Camtasia, wie die meisten zahlpflichtigen Softwares, 30 Tage lang kostenlos testen. Vielleicht reichen Ihnen 30 Tage, um alle Ihre Videos zu erstellen?

Screencasts sind also leicht zu erstellen. Und wie sieht es aus, wenn Sie einen Vortrag mit PowerPoint halten wollten?

 

Die Variante PowerPoint: Auch viel einfacher, als Sie denken!

Was viele nicht wissen: Mit PowerPoint lassen sich direkt Videos erstellen. PowerPoint nimmt Ihre Folien UND Ihre Stimme auf und lässt Sie das Ergebnis direkt als Video speichern. Diese Variante ist ebenfalls extrem einfach und kostengünstig – Sie brauchen wieder nur ein Mikro und Ihre normale PowerPoint-Präsentation. Dabei können Sie einstellen, dass Ihre Webcam Sie mit aufnimmt und in der Ecke des Videos anzeigt, oder einfach nur die Folien aufnehmen.

Wie das genau funktioniert, können Sie direkt bei Microsoft Office nachlesen. Oder Sie schauen sich das schöne Erklärvideo dazu von eLearning-Expertin Martina Keglovits an (6 min).

 

Fazit: Sie können gleich heute beginnen, wirksame Lehrvideos zu erstellen, ohne dass es Sie zu viel Zeit kostet.

Nun hoffe ich, Sie davon überzeugt zu haben, dass Sie wirklich ohne große Investitionen gleich jetzt mit der Gestaltung eines Lehrvideos beginnen können. Haben Sie dabei nicht zu hohe Ansprüche an sich – Ihr Lehrvideo muss nicht auf “Hollywood-Niveau” sein. Die Studierenden werden das Video sowieso schätzen!

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Prezi vs. PowerPoint: die Qual der Wahl

brezel und brötchen - das ist powerpoint versus prezi

PowerPoint-Präsentationen erinnern mich an Weißbrot: Dieser Klassiker ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Allerdings häuft sich in letzter Zeit auch die Kritik – gibt es nicht vielleicht gesündere Alternativen?

Am Weißbrot wird bemängelt, dass es nicht genügend Nährstoffe enthält und aufgrund der fehlenden Ballaststoffe auch nicht satt macht. Entsprechend werden PowerPoint-Präsentationen dafür kritisiert, dass sie oft oberflächlich eingesetzt werden und zu keinem nachhaltigen Lernerfolg führen.

Ist Prezi vielleicht eine Alternative zum Weißbrot PowerPoint?

Die Vor- und Nachteile von Prezi

Die Präsentationssoftware Prezi ist sehr schick – typisch sind die fließenden Übergänge zwischen Bausteinen, die ein sog. Zoomable User Interface (ZUI) bilden. Subjektiv bin ich der Meinung, dass diese Übergänge die Übersicht über die Struktur eines Themas erleichtern. Der rote Faden der Präsentation ist gut erkennbar.

Dass man nicht-linear präsentieren kann, ist ein weiterer Vorteil. Falls man zu einer vorigen Folie zurückspringen will, muss man sich nicht linear durch die Folien durchklicken wie in PowerPoint, sondern kann elegant raus- und an der passenden Stelle wieder reinzoomen.

Es gibt zahlreiche Vorlagen zur Auswahl, die mit ästhetischen Schriftarten und Farbkombinationen verführen. Das Einpflegen der eigenen Inhalte ist einfach, ebenso das Hinzufügen von Elementen.

Inzwischen sind aber einige Funktionen von Prezi kostenpflichtig, z. B. ist jede Präsentation, die man erstellt, öffentlich im Internet zugänglich, wenn man nicht das kostenpflichtige Abo kauft. Dies allein dürfte für einige Lehrende ein Ausschlusskriterium sein.

Außerdem finde ich die Anordnung der Bausteine und die Navigation durch die vielen fließenden Übergänge unnötig kompliziert. Hier braucht man schon etwas Zeit, um sich einzuarbeiten.

Ist Prezi besser als PowerPoint?

Bisher liegen keine Forschungsergebnisse vor, die einen Unterschied zwischen Prezi und PowerPoint nahelegen. Ich habe eine Studie gefunden, in der die Teilnehmenden eine positivere Rückmeldung zu Prezi gegeben haben.

Participants evaluated Prezi presentations as more organized, engaging, persuasive, and effective than both PowerPoint and oral presentations.

(Moulton, Türkay, & Kosslyn, 2017)

Der Lernerfolg war aber auch in dieser Studie bei allen Präsentationsformaten gleich. Prezi kann also scheinbar höchstens mit der Beliebtheit punkten.

Vielleicht ist Prezi ja die Brezel in unserer metaphorischen Präsentationssoftware-Bäckerei – ein beliebter Snack, der aber etwa die selben Nährstoffe enthält wie das Weißbrot.

Braucht man überhaupt eine Präsentationssoftware?

Eine Metaanalyse zeigte neulich, dass der Einsatz jeglicher Präsentationssoftware tatsächlich keinen Effekt auf den Lernerfolg zeigt – weder einen positiven noch einen negativen.

Vielleicht ist es wenig hilfreich, die Frage als Dichotomie, also als logischen Ausschluss zu formulieren. Denn der bisherige Einsatz von Powerpoint hat weder gross genutzt noch geschadet. Statt also ein Entweder-Oder zu postulieren, lohnt es sich zu fragen, wie Präsentationssoftware gewinnbringend eingesetzt werden kann. 

(Philipp, 2019)

Fazit: Wie sollte man also präsentieren?

Da keine Präsentationssoftware lernförderlicher ist als eine andere und der Einsatz jeglicher Präsentationssoftwares keinen eigenen Effekt hat, finde ich es wichtig, als Dozierende/r nach dem persönlichen Geschmack zu arbeiten. Denn das, womit man sich selber wohlfühlt, kann man auch am besten umsetzen – sei es nun eine PowerPoint, eine Prezi oder ein “Chalk-and-Talk” ganz ohne Software.

Ob Weißbrot wirklich weniger gesund ist als Vollkornbrot, wird inzwischen auch in Frage gestellt. Es kommt vielleicht eben doch nicht auf das Brot an, sondern auf die Gesamtkombination.

Ebenso beim Vortrag: Für die Motivation und Lernförderlichkeit sorgen andere Faktoren, z. B. das Wecken von Aufmerksamkeit, verständliche Erklärungen oder aktivierende Zwischenfragen. Ich möchte Prezi trotzdem etwas öfter einsetzen und testen, ob ich den “Beliebtheitsfaktor” auch aufdecken werde.

Dieser Beitrag erschien zunächst auf bach-teachandstudy.de.

Hier wird er mit Zustimmung der Autorin veröffentlicht.

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