Didaktik-To-Go: Sagen Sie Ihren Lernenden immer …

Eine Person steht auf einem Berg

… welche Relevanz die Lernziele für sie haben.

Verdeutlichen Sie Ihren Lernenden zu Beginn einer Lehrveranstaltung,

  • warum diese Lehrveranstaltung für die Lernenden persönlich relevant ist.
  • welche Relevanz die Inhalte für das weitere (Berufs-)Leben der Lernenden hat.
  • warum es sich für sie lohnt, dabei zu sein.

Ihre Vorteile

  • Die Lernenden sind interessierter, folglich auch engagierter und aktiver, beteiligen sich mehr und stören weniger.
  • Die Lernenden lernen durch das höhere Interesse und dadurch das höhere Engagement mehr, weil sie aktiver sind.

Begründung

Menschen sind bereit, sich anzustrengen, wenn es sich für sie lohnt. Solange Teilnehmende einer Lehrveranstaltung, auch Schulung oder Führung, also nicht so genau wissen, warum sie etwas lernen sollten, warum sie aufmerksam sein und sich engagieren sollten, wird sich ihr Engagement in Grenzen halten. Dazu kommt, dass es ihnen dann sehr viel schwerer fallen wird, Anknüpfungspunkte für die neuen Informationen in ihrem bestehenden Wissen zu finden, so dass dadurch das Lernen schwerer oder gar unmöglich wird.

Möchten Sie mehr wissen und erfahren, wie man die Relevanz gut verdeutlicht?

Dann schauen Sie doch gerne mal in meinen kostenlosen Online-Kurs “Aktivierende Methoden für Einstiege in Lehrveranstaltungen” hinein.

Lernende motivieren? Muss ich das? Und wenn ja, wie?

Zwei Frauen stehen auf einem Berg, sie heben die Arme in die Luft und freuen sich

Das Motivieren von Lernenden ist ein Dauerbrenner bei allen Lehrenden. Es stellen sich Fragen wie: Wie motiviert man die Lernenden? Aber auch: Muss ich die Lernenden eigentlich motivieren? Ist das meine Aufgabe?

Grundlegende Motivation ist nötig, damit Menschen lernen, denn ohne grundlegende Motivation wird dem Lerngegenstand keine Aufmerksamkeit geschenkt. Und ohne Aufmerksamkeit erfolgt kein Lernen.

Nun ist es natürlich abhängig vom Rollenverständnis und auch der konkreten Aufgabe, die wir als Lehrende erfüllen müssen, inwieweit wir uns als Motivator/inn/en sehen oder auch nicht. Während Lehrende an Hochschulen sich möglicherweise weniger als Motivator/inn/en sehen – schließlich sind die Studierenden freiwillig an der Hochschule oder Universität – ist dies bei Lehrer/innen im Schuldienst sicherlich anders. Ihnen kommt mehr auch die Aufgabe des Erziehens und Sozialisierens zu, so dass es hier sicherlich mehr gilt, die Schüler/innen auch zu motivieren.

Egal, welches Rollenverständnis Sie persönlich haben, ist es nach meiner Überzeugung die Aufgabe aller Lehrenden, zumindest die Motivation der Lernenden zu stärken – auch an Hochschulen und Universitäten.

Wie geht das?

Es beginnt mit Aufmerksamkeit

Wecken Sie am Anfang Aufmerksamkeit, indem Sie einen Einstieg ins Thema gestalten, der neugierig macht. Z.B. können Sie mit einer Frage starten, die die Lernenden noch nicht beantworten können, deren Antwort sie aber interessiert. Sie können auch mit einem Problem oder Fall einsteigen und den Lernenden in Aussicht stellen, dass Sie in dieser Lehrveranstaltung lernen, mit solchen Problemen und Fällen umzugehen. Sehr motivierend ist es auch, eine Fähigkeit zu demonstrieren, die die Lernenden auch beherrschen möchten. Weitere Ideen finden Sie in meinem Blog und meinem Blogbeitrag am Zentrum für Erwachsenenbildung und Hochschuldidaktik der PH Zürich.

Machen Sie die Relevanz deutlich

Informieren Sie die Lernenden über die Ziele, die sie durch die Mitarbeit in der Lehrveranstaltung erreichen können. Je mehr dadurch die Relevanz des Themas für die Lernenden deutlich wird, desto besser. Dies erreichen Sie z.B. auch durch praktische Fälle und Beispiele aus der Praxis (siehe voriger Abschnitt mit den Links).

Sorgen Sie für ein gutes Gruppengefühl

Ermöglichen Sie Interaktionen, damit sich die Lernenden akzeptiert und eingebunden fühlen. Sich in einer Gruppe alleine und anonym zu fühlen, ist nicht motivationsförderlich. Lassen Sie die Lernenden also auch mal zu zweit oder in Gruppen arbeiten. Versuchen auch Sie, mit den einzelnen Lernenden hin und wieder persönlich ins Gespräch zu kommen.

Lassen Sie die Studierenden Kompetenz erleben

Ermöglichen Sie Erfolgserlebnisse. Nichts ist so frustrierend, wie immer zu scheitern. Geben Sie den Lernenden also Aufgaben, die Sie fordern aber nicht überfordern, so dass sie spüren, dass sie schon etwas gelernt haben. Auch das Aufzeigen von erreichten Etappenzielen innerhalb der Lehrveranstaltung erfüllt diesen Zweck.

Lassen Sie Raum für Autonomie

Bieten Sie Wahlmöglichkeiten, wo immer das die Rahmenbedingungen zulassen. D.h. lassen Sie die Lernenden zwischen Aufgaben wählen. Lassen Sie sie wählen, ob sie alleine oder zu zweit arbeiten möchten. Lassen Sie sie ihr Tempo selbst bestimmen. Natürlich geht das in Lehrveranstaltungen nicht immer. Und manchmal gibt es auch gute Gründe, die gegen solche freien Wahlmöglichkeiten sprechen. Dann ist das auch kein Problem. Aber Sie sollten versuchen, nicht IMMER alles vorzugeben.

Nun sind Sie dran

Ich hoffe, diese Tipps helfen Ihnen, eine grundlegend motivierende Lernumgebung für Ihre Lernenden zu schaffen. Damit Sie sich gut daran erinnern, habe ich Ihnen diese Tipps in der angehängten Infografik zusammengefasst und visualisiert.

Viel Spaß damit und bis bald.

Motivieren durch Relevanz aufzeigen

Ein Buch liegt offen auf einem Tisch, man sieht es im Profil. Zwei Seiten bliden ein Herz.

Oft erkennen Studierende die Relevanz der Lerninhalte nicht. Auf uns Dozierende machen sie dann einen unmotivierten Eindruck. Wie einfach es sein kann, Lernende zu motivieren – ohne zum Edutainer zu werden – und damit den Lernerfolg zu steigern, zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie:

Die Studie “Motivationsförderung im Mathematikunterricht” (MoMa) beantwortet eine drängende Frage aus der Praxis und wurde jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Developmental Psychology veröffentlicht. Sie steht für eine neue Generation von Interventionsstudien in Schulen, die anwendungsnahe Ergebnisse für die Schulpraxis versprechen.

Bekanntlich sinkt die Lust auf Mathematik im Teenageralter ‒ Ziel der Studie in 82 Gymnasialklassen der 9. Jahrgangsstufe war es, herauszufinden, wie sich diese steigern lässt. In der Bildungsforschung weiß man: Ob ich mich in einem Fach anstrenge, hängt stark damit zusammen, wie nützlich ich es finde. Im Rahmen der Untersuchung vermittelten die Wissenschaftler den Schülern daher in einem kurzen Vortrag den Nutzen von Mathematik für Studium und Beruf. Anschließend erhielten die Klassen unterschiedliche Arbeitsaufträge. Ein Teil sollte einen kurzen Aufsatz zum Nutzen der Mathematik für ihr Leben schreiben, der andere Teil beurteilte Zitate von jungen Erwachsenen zum selben Thema.

Das Ergebnis: Beide Versuchsgruppen fanden Mathematik sechs Wochen und auch fünf Monate nach dem Besuch der Wissenschaftler nützlicher als ihre Parallelklassen, die herkömmlichen Mathematikunterricht erhalten hatten. Schüler, die als Arbeitsauftrag Zitate beurteilt hatten, profitierten dabei noch etwas mehr vom Besuch der Wissenschaftler, als Schüler, die einen Aufsatz schrieben. Sie erkannten nicht nur den Nutzen des Faches für Schule und Leben, sondern waren auch mit mehr Spaß bei der Sache und schnitten bei einem Leistungstest in Rechnen am besten ab.

“Dass sich Zitate als besonders wirksame Methode zur Motivationssteigerung erwiesen haben, könnte mit ihrem Identifikationspotenzial zusammenhängen. Wenn eine Psychologiestudentin erzählt, wie wichtig Mathe für ihr Studium ist, macht das auf Neuntklässler gleich einen ganz anderen Eindruck. Maßnahmen zur Motivationsförderung müssen also auch immer an die Altersgruppe angepasst sein”, sagt Hanna Gaspard, die mit der Studie an der durch die Exzellenzinitiative geförderten Graduiertenschule LEAD promovierte.

“Ob unsere Unterrichtseinheit den gleichen Effekt hat, wenn der eigene Lehrer sie durchführt, wollen wir in weiteren Studien untersuchen”, sagte Professor Benjamin Nagengast, einer der Leiter der Studie. “Wir sehen aber jetzt schon, dass bereits mit geringem Kosten- und Zeitaufwand viel bewirkt werden kann.”

Zur Bedeutung der Studie für die Bildungsforschung ergänzte Professor Ulrich Trautwein, Direktor der Graduiertenschule LEAD und des Hector-Instituts: “Die Bildungspolitik wünscht sich von der Bildungsforschung nicht nur Defizitdiagnosen, sondern auch Wissen darüber, wie Verbesserungen erzielt werden können. Die Ergebnisse unserer Studie signalisieren: Auch mit kurzen Interventionen lassen sich in manchen Fällen lang anhaltende Motivationseffekte erzielen.”

Originalpublikation:
Gaspard, H., Dicke, A.-L., Flunger, B., Brisson, B. M., Häfner, I., Nagengast, B. & Trautwein, U. (2015). Fostering adolescents´ value beliefs for mathematics with a relevance intervention in the classroom. Developmental Psychology.

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