Lehrvideos auf die Schnelle: Einfacher, als Sie denken!

Der Corona-Virus zwingt aktuell viele Hochschulen, ihre Lehrveranstaltungen von Präsenz auf Online umzustellen. Hier erfahren Sie, wie Sie mit wenig Aufwand Lehrvideos erstellen können, sodass Ihre Lehrveranstaltung auch online wirksam und motivierend ist.

Die Studierenden wollen Ihr Gesicht sehen: Lehrvideos mit Ihnen

Natürlich ist der menschliche Kontakt online nicht so intensiv wie Face-to-Face. Trotzdem lohnt es sich, auch über den virtuellen Raum eine Beziehung zu den Studierenden aufzubauen: Stellen Sie sich, wenn möglich, auch mal vor die Kamera! Die Studierenden schätzen es sehr, Ihr Gesicht sehen und Ihre Stimme hören zu können. Das macht die virutelle Lehre gleich viel attraktiver und motivierender. Stellen Sie sich also mindestens einmal in der Lehrveranstaltung auch selbst im Video vor. Und keine Sorge, Ihr Auftritt muss nicht “perfekt” seinVideoexpertin Karen Costa weist im Podcast darauf hin, dass es sowieso viel sympathischer wirkt, wenn man sich mal verspricht oder ein Hund im Hintergrund bellt.

 

Wie können Sie dabei vorgehen?

  • Überlegen Sie sich im Voraus in etwa, was Sie sagen wollen. Falls Sie sich im Video vorstellen möchten, dann erzählen Sie doch auch etwas Persönliches von sich. Ihr Lebenslauf ist für die Studierenden weniger interessant als z. B. Ihre ungewöhnlichste Erfahrung als ForscherIn oder ein lustiger Fehler, aus dem Sie einmal viel gelernt haben.
  • Richten Sie sich einen Platz zum Aufnehmen ein. Sie brauchen keine Greenscreen und auch keinen weißen Hintergrund – Ihr normaler Arbeitsplatz oder Ihr Küchentisch reichen völlig aus. Wenn Sie sich auf Youtube umschauen, werden Sie sehen, dass die meisten VloggerInnen in einem normalen Zimmer aufnehmen.
  • Sorgen Sie für zusätzliche Beleuchtung. Nehmen Sie tagsüber auf, machen Sie gerne ein paar zusätzliche Lampen an – mehr Licht tut immer gut. Sie müssen aus meiner Sicht keine Extra-Lampen kaufen. Ich stelle immer ein paar Lampen aus der Wohnung in meine Nähe.
  • Probieren Sie es einfach mal aus. Reden Sie sich bei laufender Kamera vielleicht noch ein bisschen warm. Erzählen Sie der Kamera, wie Sie sich fühlen oder was Sie gerade machen. Diesen Einstieg können Sie später wegschneiden. Schauen Sie sich Ihre erste Aufnahme an und machen Sie ggf. weitere Aufnahmen, wenn Sie nicht zufrieden sind. Nach kurzer Zeit werden Sie wissen, wie Sie dabei am liebsten vorgehen.

Was Sie dafür brauchen

  • Ihre Handykamera reicht völlig aus, falls Sie ein modernes Smartphone haben. In meinem Smartphone ist sogar die Frontkamera völlig ausreichend. Oder Sie nutzen die eingebaute Webcam Ihres Laptops.
  • Es lohnt sich vielleicht, ein kleines Mikrofon zum Anknipsen zu nutzen. Mit diesem Modell für aktuell etwa 13 Euro arbeite ich. Oder Sie nutzen ein Headset, falls Sie eins haben.
  • Ein teures Schneideprogramm brauchen Sie bei dieser Art von Video nicht unbedingt. Sie brauchen ja keine komplizierten Schnitte. Schneiden Sie vielleicht lediglich Anfang und Ende des Videos ab, wo Sie zur Kamera greifen oder sich warm reden – das geht entweder ganz einfach mit einem der vielen kostenlosen Online-Tools, oder Sie laden sich den kostenlosen Video-Player VLC herunter und schneiden damit. Falls Sie mit dem Smartphone aufnehmen, können Sie wahrscheinlich auch direkt am Handy einen Ausschnitt rausschneiden.
  • Bonus: Nur falls Sie wollen, können Sie sich ein Stativ für Ihr Smartphone holen – ich nutze dieses hier für aktuell 27 Euro. Falls Sie mitgezählt haben, dann wissen Sie, dass meine “Ausrüstung” aus Mikrofon und Stativ nur 40 Euro gekostet hat.

So habe ich z. B. mein Home Office eingerichtet, um ein Video aufzunehmen. Sie sehen zwei normale Lampen, das Mikro liegt auf dem Stuhl und wartet darauf, in mein Handy eingesteckt zu werden, welches gleich aufs Stativ kommt. Das Stativ steht auf meinem zweiten Schreibtisch, könnte aber auch auf einem Stuhl stehen.

Und so kann es dann im Video aussehen.

Ausschnitt aus Nina Bachs Video

Für fünf Minuten Auf- und Abbau und knappe 40 Euro ein solides Ergebnis.

 

Die Präsentation: Ihre Vorträge als Video

Was ist aber nun mit den Inhalten, die Sie für die Lehrveranstaltung geplant haben? Vielleicht wollten Sie eine Software oder ein Vorgehen,z. B. eine Literaturrecherche, am PC demonstrieren. Dann können Sie aufnehmen, was Sie am Bildschirm tun, sprich, einen Screencast aufnehmen.

 

Die Variante Screencast: Schnell und einfach

An Hardware brauchen Sie nur ein Mikro (s. oben), und falls Sie keins haben, können Sie vielleicht auch Ihr Handy als Mikrofon nutzen – probieren Sie es doch mal aus. Außerdem brauchen Sie eine Software, mit der Sie Ihren Bildschirm und Ihre Stimme aufnehmen können. Ich nutze am liebsten SnagIt, das aktuell für Dozierende knappe 33 Euro kostet. Die Software ist sehr einfach zu bedienen, hat aber auch begrenzte Funktionen. Es gibt auch kostenlose Softwares, u. a. kann man den oben erwähnten VLC-Player auch zum Screencasten nutzen.

Falls Sie neugierig sind, finden Sie hier ein Screencast-Video, das ich 2019 für ein Seminar erstellt habe. Das Video habe ich mit Camtasia aufgenommen, einer professionellen Schnitt- und Screencast-Software, die viel kann, aber auch 183 Euro kostet. Allerdings kann man Camtasia, wie die meisten zahlpflichtigen Softwares, 30 Tage lang kostenlos testen. Vielleicht reichen Ihnen 30 Tage, um alle Ihre Videos zu erstellen?

Screencasts sind also leicht zu erstellen. Und wie sieht es aus, wenn Sie einen Vortrag mit PowerPoint halten wollten?

 

Die Variante PowerPoint: Auch viel einfacher, als Sie denken!

Was viele nicht wissen: Mit PowerPoint lassen sich direkt Videos erstellen. PowerPoint nimmt Ihre Folien UND Ihre Stimme auf und lässt Sie das Ergebnis direkt als Video speichern. Diese Variante ist ebenfalls extrem einfach und kostengünstig – Sie brauchen wieder nur ein Mikro und Ihre normale PowerPoint-Präsentation. Dabei können Sie einstellen, dass Ihre Webcam Sie mit aufnimmt und in der Ecke des Videos anzeigt, oder einfach nur die Folien aufnehmen.

Wie das genau funktioniert, können Sie direkt bei Microsoft Office nachlesen. Oder Sie schauen sich das schöne Erklärvideo dazu von eLearning-Expertin Martina Keglovits an (6 min).

 

Fazit: Sie können gleich heute beginnen, wirksame Lehrvideos zu erstellen, ohne dass es Sie zu viel Zeit kostet.

Nun hoffe ich, Sie davon überzeugt zu haben, dass Sie wirklich ohne große Investitionen gleich jetzt mit der Gestaltung eines Lehrvideos beginnen können. Haben Sie dabei nicht zu hohe Ansprüche an sich – Ihr Lehrvideo muss nicht auf “Hollywood-Niveau” sein. Die Studierenden werden das Video sowieso schätzen!

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Prezi vs. PowerPoint: die Qual der Wahl

brezel und brötchen - das ist powerpoint versus prezi

PowerPoint-Präsentationen erinnern mich an Weißbrot: Dieser Klassiker ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Allerdings häuft sich in letzter Zeit auch die Kritik – gibt es nicht vielleicht gesündere Alternativen?

Am Weißbrot wird bemängelt, dass es nicht genügend Nährstoffe enthält und aufgrund der fehlenden Ballaststoffe auch nicht satt macht. Entsprechend werden PowerPoint-Präsentationen dafür kritisiert, dass sie oft oberflächlich eingesetzt werden und zu keinem nachhaltigen Lernerfolg führen.

Ist Prezi vielleicht eine Alternative zum Weißbrot PowerPoint?

Die Vor- und Nachteile von Prezi

Die Präsentationssoftware Prezi ist sehr schick – typisch sind die fließenden Übergänge zwischen Bausteinen, die ein sog. Zoomable User Interface (ZUI) bilden. Subjektiv bin ich der Meinung, dass diese Übergänge die Übersicht über die Struktur eines Themas erleichtern. Der rote Faden der Präsentation ist gut erkennbar.

Dass man nicht-linear präsentieren kann, ist ein weiterer Vorteil. Falls man zu einer vorigen Folie zurückspringen will, muss man sich nicht linear durch die Folien durchklicken wie in PowerPoint, sondern kann elegant raus- und an der passenden Stelle wieder reinzoomen.

Es gibt zahlreiche Vorlagen zur Auswahl, die mit ästhetischen Schriftarten und Farbkombinationen verführen. Das Einpflegen der eigenen Inhalte ist einfach, ebenso das Hinzufügen von Elementen.

Inzwischen sind aber einige Funktionen von Prezi kostenpflichtig, z. B. ist jede Präsentation, die man erstellt, öffentlich im Internet zugänglich, wenn man nicht das kostenpflichtige Abo kauft. Dies allein dürfte für einige Lehrende ein Ausschlusskriterium sein.

Außerdem finde ich die Anordnung der Bausteine und die Navigation durch die vielen fließenden Übergänge unnötig kompliziert. Hier braucht man schon etwas Zeit, um sich einzuarbeiten.

Ist Prezi besser als PowerPoint?

Bisher liegen keine Forschungsergebnisse vor, die einen Unterschied zwischen Prezi und PowerPoint nahelegen. Ich habe eine Studie gefunden, in der die Teilnehmenden eine positivere Rückmeldung zu Prezi gegeben haben.

Participants evaluated Prezi presentations as more organized, engaging, persuasive, and effective than both PowerPoint and oral presentations.

(Moulton, Türkay, & Kosslyn, 2017)

Der Lernerfolg war aber auch in dieser Studie bei allen Präsentationsformaten gleich. Prezi kann also scheinbar höchstens mit der Beliebtheit punkten.

Vielleicht ist Prezi ja die Brezel in unserer metaphorischen Präsentationssoftware-Bäckerei – ein beliebter Snack, der aber etwa die selben Nährstoffe enthält wie das Weißbrot.

Braucht man überhaupt eine Präsentationssoftware?

Eine Metaanalyse zeigte neulich, dass der Einsatz jeglicher Präsentationssoftware tatsächlich keinen Effekt auf den Lernerfolg zeigt – weder einen positiven noch einen negativen.

Vielleicht ist es wenig hilfreich, die Frage als Dichotomie, also als logischen Ausschluss zu formulieren. Denn der bisherige Einsatz von Powerpoint hat weder gross genutzt noch geschadet. Statt also ein Entweder-Oder zu postulieren, lohnt es sich zu fragen, wie Präsentationssoftware gewinnbringend eingesetzt werden kann. 

(Philipp, 2019)

Fazit: Wie sollte man also präsentieren?

Da keine Präsentationssoftware lernförderlicher ist als eine andere und der Einsatz jeglicher Präsentationssoftwares keinen eigenen Effekt hat, finde ich es wichtig, als Dozierende/r nach dem persönlichen Geschmack zu arbeiten. Denn das, womit man sich selber wohlfühlt, kann man auch am besten umsetzen – sei es nun eine PowerPoint, eine Prezi oder ein “Chalk-and-Talk” ganz ohne Software.

Ob Weißbrot wirklich weniger gesund ist als Vollkornbrot, wird inzwischen auch in Frage gestellt. Es kommt vielleicht eben doch nicht auf das Brot an, sondern auf die Gesamtkombination.

Ebenso beim Vortrag: Für die Motivation und Lernförderlichkeit sorgen andere Faktoren, z. B. das Wecken von Aufmerksamkeit, verständliche Erklärungen oder aktivierende Zwischenfragen. Ich möchte Prezi trotzdem etwas öfter einsetzen und testen, ob ich den “Beliebtheitsfaktor” auch aufdecken werde.

Dieser Beitrag erschien zunächst auf bach-teachandstudy.de.

Hier wird er mit Zustimmung der Autorin veröffentlicht.

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