“Gute Lehre braucht Unterstützung und Wertschätzung – auch seitens der Professor/innenschaft”

Interview mit Katja Reinecke

An der FU Berlin ist Dr. Katja Reinecke als Koordinatorin der Lehrqualifizierung SUPPORT für die Lehre tätig. Im Interview erzählt sie uns von ihren Erfahrungen mit der hochschuldidaktischen Weiterbildung von und für ProfessorInnen in einem Blended-Learning-Format.

UH: Frau Reinecke, Sie haben ein Programm in der Hochschuldidaktik speziell für die Zielgruppe der Professorinnen und Professoren entwickelt. Wie haben Sie denn versucht, deren spezielle Situation dabei zu berücksichtigen?

KR: Wir haben uns für ein Angebot entschieden, das ausschließlich Professorinnen und Professoren offen steht. Dabei war eine folgende Überlegung grundlegend: In der Präsenzebene sollte das Peer-Lernen betont werden, dafür ist ein hohes Maß an Offenheit und Austausch in der Gruppe notwendig. Ein/e Professor/in kann auch durchaus von einem/r wissenschaftlichen Mitarbeitenden lernen, aber eventuell fällt es den Teilnehmenden unter „Gleichen“ leichter, sich zu öffnen und ggf. eigene Unsicherheiten auch zu thematisieren. Daher kam die Idee, ein Programm speziell für diese Zielgruppe zu entwickeln.

Dass Professorinnen und Professoren im Vergleich zum Mittelbau eine andere Situation haben, scheint zunächst offensichtlich, jedoch war die genaue Definition dieser „speziellen Situation“ nicht ganz einfach. Es handelt sich um eine zeitlich sehr eingespannte Personengruppe, mit sehr unterschiedlichen Aufgaben – darunter ist die Lehre nur eine. Die Terminverfügbarkeit ist gering und hochschuldidaktische Veranstaltungen haben nicht automatisch die höchste Priorität. Andererseits handelt es sich um eine Teilnehmendengruppe, die das selbstgesteuerte Lernen und die eigenständige Wissensverarbeitung sehr gewöhnt ist. Aus diesen Gründen lag ein Blended-Learning-Konzept nahe, um den Bedürfnissen der Professorinnen und Professoren gerecht zu werden.

Angemeldete Teilnehmende werden von uns vorab zu ihren Bedarfen, Wünschen und Erwartungen an das Programm befragt. Wir sprechen die Zielgruppe ganz klar stärkenorientiert an, richten uns also explizit an erfahrene Lehrende, die engagiert sind, um sich auch nach längerer Berufserfahrung (erneut) mit Fragen der Lehre auseinanderzusetzen. Wir wollen den Teilnehmenden keine Nachhilfe oder Belehrungen anbieten, sondern die Möglichkeit geben, an eigenen Fragestellungen weiterzuarbeiten und in Austausch mit anderen erfahrenen, engagierten Lehrenden – auch aus anderen Fachbereichen –  zu treten.

Wir haben außerdem sehr viel individuellen Gestaltungsspielraum im Konzept belassen, die Teilnehmenden wählen online unter verschiedenen Modulen aus und bringen in der Präsenzzeit ihre eigenen Themen ein. Wir haben uns gegen ein fixes Curriculum entschieden und sehen unsere inhaltlichen Angebote eher als Anreiz und Ermöglichung. Grundsätzlich hoffen wir, dass durch das Peer-Austausch-Format auch eine Haltung unter den Lehrenden gefördert wird, dass Lehre und Didaktik durchaus thematisieren werden können und sollen. Wenn die Professorinnen und Professoren die eigene Lehre als Bereich ansehen, in dem professionalisierende Entwicklung nicht nur zeiteffizient möglich ist, sondern sich auch lohnt und wünschenswert ist – dann sind wir zufrieden.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit diesem Format gemacht?

Wie bei dieser Zielgruppe erwartet, waren die Anmeldungen zu Beginn eher zurückhaltend. Darum sprechen wir teilweise von uns aus aktiv Lehrende an, die uns in anderen Kontexten durch besonderes Engagement oder Interesse an Lehre/Didaktik aufgefallen sind.

Die Rückmeldungen der bisherigen Teilnehmenden sind durchgehend positiv. Die Trainerin ist ebenso mit dem Konzept für erfahrene Lehrende zufrieden; sie beschreibt aber auch die Herausforderungen der offenen Herangehensweise, die in besonderem Maße auf die individuellen Anforderungen und Bedürfnisse der Teilnehmenden eingeht. Inhaltlich sind die Fragen, die sich Professor/innen stellen, nicht grundsätzlich andere als die der Nachwuchswissenschaftler/innen: Wie gehe ich mitheterogenen Studierendengruppen um?; Wie gestalte ich einen abwechslungsreichen Medieneinsatz?; Wie ‘ermüde’ ich nicht an einer Vorlesung, die ich jedes Semester wieder anbiete? u.ä.

Bei welchen Bausteinen Ihres Konzeptes würden Sie sagen „Ja, genau so ist es gut.“? An welchen Bausteinen arbeiten Sie noch bzw. würden Sie es heute anders machen?

Wir konnten die Bausteine inzwischen in mehreren Durchgängen testen und sind mit den Inhalten generell zufrieden. Derzeit sitzen wir an der Weiterentwicklung und wollen insbesondere die Passung zwischen online angebotenen Inhalten und Präsenzphase konzeptionell stärken

Grundsätzlich fehlen uns momentan präzisere Rückmeldungen darüber, wie die Teilnehmenden mit den Inhalten und der Form des Onlineangebots zurechtkommen. Neben der persönlichen Evaluation am Workshopende werden wir in Zukunft auch anonymisiert die Nutzerzugriffe und das Downloadverhalten unserer Webpräsenz auswerten.

Was ist Ihr Fazit zur hochschuldidaktischen Weiterbildung von Professorinnen und Professoren?

Wir sehen diese absolut als lohnenswert an, auch wenn es bei der Werbung und Weiterentwicklung des Blogs etwas mehr Durchhaltevermögen und Zeit benötigt. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden und der Trainerin bestätigen uns die Relevanz unseres Angebots. Gute Lehre braucht Unterstützung und Wertschätzung – auch seitens der Professor/innenschaft, die ja einen großen Einfluss auf die Lehrqualität und Lehrentwicklung in den Fachbereichen haben. Wir bieten ein hochwertiges Programm an und werden uns weiter dafür einsetzen, dieses Angebot  bekannt zu machen und zu verbreiten. Unser Ziel ist,  die Bedingungen, unter denen Lehre stattfindet zu verbessern und zur Entwicklung von Lehrqualität beizutragen. Das ist nur gemeinsam mit den Professorinnen und Professoren sowie mit Unterstützung der Hochschulleitung möglich.

Vielen Dank für das tolle Gespräch!

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