Zum Semesterstart: Ein Gruß von der Schweiz nach Deutschland

Die Schweizer Hochschulen hat der Lockdown mitten im Semester getroffen; die meisten deutschen Hochschulen starten erst dieser Tage ins neue Semester.

Unser lieber schweizerischer Kollege Stephan Holländer hat deshalb hier seine Erfahrungen der letzten Wochen mit der Online-Lehre in 7 Tipps zusammengepackt und wünscht einen guten Start ins Online-Semester.

Tipp 1

Es gilt, den Präsensunterricht für die Fernlehre abzuspecken und für die Fernlehre inhaltlich sich auf das Grundgerüst des «roten Fadens» der Thematik zu beschränken. Bei den Unterrichtsformen muss zwischen Vortrag, Webcast und Selbststudium Phase in kurzen Intervallen (max. 15-30 Min.) abgewechselt werden (siehe die Checkliste von Ulrike Hanke) . Die Gesamtlänge eines Präsensunterrichts muss zugunsten von Selbstlernphasen, virtuellen Gruppenarbeiten und Diskussionen in der Fernlehre gekürzt werden.

Tipp 2

Die Umarbeitung oder Neukonzipierung eines Präsensunterrichts braucht je nach Umfang etwa eine Woche, um ihn in eine Online-Version zu bringen. Es gilt der Grundsatz: weniger ist mehr und Mut zur Lücke. Es braucht erklärende Texte und Links, hochgeladene PowerPoint-Präsentationen, Videos von verschiedenen Plattformen zum Thema, um Gesagtes zu vertiefen oder zu illustrieren. Die zusätzlichen Dokumente und Linklisten sollten in einem entsprechenden Bereich des Moodle-Servers der Hochschule hochgeladen und mit einer Mitteilung den Studierenden vorgängig zugehen.

Tipp 3

Ein Unterrichtsablauf mit Zeitangaben der einzelnen Lernschritte und den Unterlagen, die die Studierenden während der Fernlehre bei der Hand haben sollen, sollten mit aufgeführt werden. Diese Information sollte zwei Tage vor dem Unterricht als E-Mail-Mitteilung den Studierenden zugehen.

Tipp 4

Ich wollte im Videokonferenzsystem ein Video mit meinen Studierenden teilen, aber es hat sich gezeigt, dass die Tonqualität und die Bildqualität zu schlecht sind. Also gebe ich nun in meinem Ablaufplan für den Unterricht den Link bekannt und mache dann eine Pause, damit sich die Studierenden das Video anschauen können.

Tipp 5

Die Moodle-Server sind gegenwärtig sehr ausgelastet, also habe ich meine Unterrichtsunterlagen in einen passwortgeschützten Teil meiner Webseite gestellt, da die bei einem Basler Webunternehmen gehostet ist. In Genf beträgt die Dauer, bis etwas im Forum von Moodle hochgeladen ist, am Anfang dieser Woche 24 Stunden.

Tipp 6

Wir wurden aufgefordert, unsere PowerPoint Präsentationen für den Unterricht zu vertonen. Da gibt es aber eine Begrenzung beim Hochladen und die Dateien werden zu umfangreich. Kollegen haben begonnen, ihre Dateien in einzelnen Teilpakete zu zerlegen, ich habe mich entschieden, entweder Erläuterungen im Notizbereich von PowerPoint zu machen oder zusätzlich ein Word-Dokument mit Erläuterungen zu dem PowerPoint Präsentationen auf meiner Webseite zu hinterlegen. Es lohnt sich daher auch, die Unterlagen doppelt zu hinterlegen: Was Du für den Unterrichtstermin brauchst direkt im Videokonferenzsystem für den Unterrichtstermin, da der Moodle Server lange Verzögerungszeit beim Laden ins Moodle-Forum hat. Studierende wollen im Voraus wissen, welche Unterlagen sie für den Unterrichtstermin zur Hand haben sollen. Also Ankündigungen zum Unterricht zwei Tage vorher losschicken.

Tipp 7

Nach der Begrüssung mit Videobild sollte die Videokamera ausgeschaltet werden, da die Bandbreite der Internetverbindung sonst zu niedrig werden kann. Studierende sollen Videokamera und Mikro während den Online-Unterrichtsphasen ausgeschaltet lassen und Fragen über das Chatsystem an den Dozenten richten, die dann in Pausen mündlich übers Mikro vom Dozenten beantwortet werden. Studierende in der Schweiz haben eine gewisse Scheu, das Mikro zu benutzen und mögen auch nicht mit Videokamera für die anderen sichtbar zu sein, so meine Erfahrung. Das legt sich aber mit der Zeit.

 

Wir hoffen, dass diese Tipps für Ihre Online-Lehre hilfreich sind!

Stephan Holländer im Bild

Ein herzliches Dankeschön an unseren Gastautoren: Stephan Holländer ist selbständiger, wissenschaftlicher Dokumentar. Er unterrichtet seit 30 Jahren in der Weiterbildung, ist Lehrbeauftragter für Informationswissenschaften an den Fachhochschulen Chur, Genf und Olten und war von 2011-2018 Delegierter für Weiterbildung für den Verband Bibliothek Information Schweiz (BIS)

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“Sie können mit simplen Methoden bereits sehr viel bewirken” – Hochschullehre aus der Sicht einer Studierenden

Gastbeitrag von Bianca Morath

Als Studentin und angehende Bildungswissenschaftlerin hat unsere Praktikantin Bianca Morath eine spannende Perspektive auf die Hochschullehre, die sie hier für uns schildert.

Positive und negative Aspekte der Hochschullehre

Aktuell studiere ich Bildungswissenschaft und Bildungsmanagement im dritten Fachsemester an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Zudem habe ich vor Kurzem mein Pflichtpraktikum als Instructional Designerin begonnen.
In meiner Studienzeit habe ich bisher viel Interessantes erlebt, was mich reflektieren lässt über die aktuelle Situation an Hochschulen und was Dozierende tun können, um das Lehren und Lernen effektiver zu gestalten.

Im Verlauf meines Studiums habe ich bereits viele positive sowie negative Aspekte der Hochschullehre wahrgenommen. Der Studiengang Bildungswissenschaft und Bildungsmanagement befasst sich damit, wie Lehren und Lernen optimiert werden können. Aufgrund dessen legen viele unserer Dozierenden Wert auf anregende, motivierende Methoden für die Vorlesungs- und Seminargestaltungen. Ein zentraler Aspekt für mich als Studierende ist, dass die Struktur in den Vorlesungen gut erkennbar ist. Dies wird vor allem durch Transparenz gewährleistet, beispielweise durch vorgegebene Lernziele zu den jeweiligen Sitzungen. Somit wissen wir Studierende, was auf uns zukommt und worauf wir uns beim Lernen fokussieren sollten.

Eine Schwierigkeit innerhalb einiger Vorlesungen, die meine KommilitonInnen und ich immer mal wieder erleben, ist das Vortragstempo mancher Dozierenden. Zudem kommen meist vollgepackte PowerPoint-Folien dazu, welche innerhalb von einer Sitzung behandelt werden. Natürlich ist es schwierig, umfangreiche Themen in kurzer Zeit zu vermitteln, jedoch ist die Folge für uns Studierende, dass wir zu viele Inhalte in zu kurzer Zeit aufnehmen müssen und wir während der Veranstaltung von Minute zu Minute weniger mitbekommen. Deshalb empfinden wir es als äußerst notwendig, PowerPoint-Folien so zu gestalten, dass die Kernpunkte auf der Folie stehen, mehr aber nicht. Andernfalls bleibt der Fokus nur noch auf der Präsentation statt auf dem eigentlichen Inhalt, der vermittelt werden soll.

Aktivierende Lehrmethoden in der Sitzung und online

Bei einer Sitzung mit sehr viel Input ist es wünschenswert, auf weitere aktivierende Methoden zurückzugreifen, wie zum Beispiel die Flipped-Classroom Methode oder der Einsatz von mehreren Lernstopps, damit die Studierenden genug Zeit haben, sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen.
In einer weiteren Veranstaltung, die mir besonders positiv im Gedächtnis blieb, gab es mehrmals eine kurze Partner- oder Einzelarbeit von zwei bis fünf Minuten nach einem inhaltlichen Input, in der wir die vorherigen Inhalte anhand von wenigen Fragen wiedergeben sollten. Somit wurde geprüft, wie viel wir Studierenden in den letzten 20-30 Minuten verstanden haben. Danach wurden die Fragen innerhalb des Plenums kurz besprochen. Diese Methode empfinde ich als sehr passend, besonders bei komplexen Themen, da offene Fragen während der Partnerarbeit oder während des Plenums geklärt werden können. Zudem ist die Monotonie, die sich schnell während einer Vorlesung einschleichen kann, dadurch dann keine wirkliche Gefahr mehr.

In Sachen Nachbereitung sind meiner Meinung nach Online-Tests oder Aufgaben bezüglich der aktuellen Sitzung sehr nachhaltig für das Lernen. In einer vorherigen Veranstaltung meines Studiums gab es nach jeder Sitzung einen Test als Nachbereitung, den wir im Learning Management System ILIAS beantworten mussten. Dieser Test wurde nicht benotet, er war lediglich ein Teil der Studienleistung und war für uns Studierende sehr nützlich, da wir unseren Wissensstand eigenständig überprüfen konnten. Somit waren wir uns im Klaren darüber, bei welchen Inhalten noch Lernbedarf bestand und welche Inhalte wir schon sehr gut verstanden haben. Zudem sind Online-Tests oder Aufgaben sehr praktisch für die Klausurvorbereitung, da man mit den Fragen bzw. Aufgaben sein Wissen jederzeit prüfen kann.

Fazit: Weniger ist mehr

Werden teure Ressourcen benötigt, um gute, motivierende Lehrmethoden einzusetzen? Die Antwort ist nein. Das Motto „Weniger ist mehr“ findet in diesem Kontext einen passenden Platz. Trotz mangelnder Zeit und Ressourcen können Sie mit simplen Methoden bereits sehr viel bewirken. Die Nutzung des Learning Management Systems der Universität kann sich als sehr nachhaltige Methode erweisen, um Ihre Studierenden auch außerhalb des Vorlesungsraumes beim Lernen zu unterstützen. Gute Lehrmethoden müssen nicht auf teuren Ressourcen basieren. Meist reicht es, wenn Sie Transparenz und Struktur in Ihre Veranstaltung miteinbringen. Aktivierende Methoden wie Vorwissensaktivierungen, Problemorientiertes Lernen und Flipped-Classroom können bereits dazu beitragen, Ihre Studierenden beim Lernen zu unterstützen und zu motivieren.

Die Uni Freiburg. Foto von AlterVista über Wikipedia unter der Lizenz CC BY-SA 3.0.

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Prezi vs. PowerPoint: die Qual der Wahl

brezel und brötchen - das ist powerpoint versus prezi

PowerPoint-Präsentationen erinnern mich an Weißbrot: Dieser Klassiker ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Allerdings häuft sich in letzter Zeit auch die Kritik – gibt es nicht vielleicht gesündere Alternativen?

Am Weißbrot wird bemängelt, dass es nicht genügend Nährstoffe enthält und aufgrund der fehlenden Ballaststoffe auch nicht satt macht. Entsprechend werden PowerPoint-Präsentationen dafür kritisiert, dass sie oft oberflächlich eingesetzt werden und zu keinem nachhaltigen Lernerfolg führen.

Ist Prezi vielleicht eine Alternative zum Weißbrot PowerPoint?

Die Vor- und Nachteile von Prezi

Die Präsentationssoftware Prezi ist sehr schick – typisch sind die fließenden Übergänge zwischen Bausteinen, die ein sog. Zoomable User Interface (ZUI) bilden. Subjektiv bin ich der Meinung, dass diese Übergänge die Übersicht über die Struktur eines Themas erleichtern. Der rote Faden der Präsentation ist gut erkennbar.

Dass man nicht-linear präsentieren kann, ist ein weiterer Vorteil. Falls man zu einer vorigen Folie zurückspringen will, muss man sich nicht linear durch die Folien durchklicken wie in PowerPoint, sondern kann elegant raus- und an der passenden Stelle wieder reinzoomen.

Es gibt zahlreiche Vorlagen zur Auswahl, die mit ästhetischen Schriftarten und Farbkombinationen verführen. Das Einpflegen der eigenen Inhalte ist einfach, ebenso das Hinzufügen von Elementen.

Inzwischen sind aber einige Funktionen von Prezi kostenpflichtig, z. B. ist jede Präsentation, die man erstellt, öffentlich im Internet zugänglich, wenn man nicht das kostenpflichtige Abo kauft. Dies allein dürfte für einige Lehrende ein Ausschlusskriterium sein.

Außerdem finde ich die Anordnung der Bausteine und die Navigation durch die vielen fließenden Übergänge unnötig kompliziert. Hier braucht man schon etwas Zeit, um sich einzuarbeiten.

Ist Prezi besser als PowerPoint?

Bisher liegen keine Forschungsergebnisse vor, die einen Unterschied zwischen Prezi und PowerPoint nahelegen. Ich habe eine Studie gefunden, in der die Teilnehmenden eine positivere Rückmeldung zu Prezi gegeben haben.

Participants evaluated Prezi presentations as more organized, engaging, persuasive, and effective than both PowerPoint and oral presentations.

(Moulton, Türkay, & Kosslyn, 2017)

Der Lernerfolg war aber auch in dieser Studie bei allen Präsentationsformaten gleich. Prezi kann also scheinbar höchstens mit der Beliebtheit punkten.

Vielleicht ist Prezi ja die Brezel in unserer metaphorischen Präsentationssoftware-Bäckerei – ein beliebter Snack, der aber etwa die selben Nährstoffe enthält wie das Weißbrot.

Braucht man überhaupt eine Präsentationssoftware?

Eine Metaanalyse zeigte neulich, dass der Einsatz jeglicher Präsentationssoftware tatsächlich keinen Effekt auf den Lernerfolg zeigt – weder einen positiven noch einen negativen.

Vielleicht ist es wenig hilfreich, die Frage als Dichotomie, also als logischen Ausschluss zu formulieren. Denn der bisherige Einsatz von Powerpoint hat weder gross genutzt noch geschadet. Statt also ein Entweder-Oder zu postulieren, lohnt es sich zu fragen, wie Präsentationssoftware gewinnbringend eingesetzt werden kann. 

(Philipp, 2019)

Fazit: Wie sollte man also präsentieren?

Da keine Präsentationssoftware lernförderlicher ist als eine andere und der Einsatz jeglicher Präsentationssoftwares keinen eigenen Effekt hat, finde ich es wichtig, als Dozierende/r nach dem persönlichen Geschmack zu arbeiten. Denn das, womit man sich selber wohlfühlt, kann man auch am besten umsetzen – sei es nun eine PowerPoint, eine Prezi oder ein “Chalk-and-Talk” ganz ohne Software.

Ob Weißbrot wirklich weniger gesund ist als Vollkornbrot, wird inzwischen auch in Frage gestellt. Es kommt vielleicht eben doch nicht auf das Brot an, sondern auf die Gesamtkombination.

Ebenso beim Vortrag: Für die Motivation und Lernförderlichkeit sorgen andere Faktoren, z. B. das Wecken von Aufmerksamkeit, verständliche Erklärungen oder aktivierende Zwischenfragen. Ich möchte Prezi trotzdem etwas öfter einsetzen und testen, ob ich den “Beliebtheitsfaktor” auch aufdecken werde.

Dieser Beitrag erschien zunächst auf bach-teachandstudy.de.

Hier wird er mit Zustimmung der Autorin veröffentlicht.

Effektive Lehrplanung: Die Wahl einer passenden Lehrstrategie

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Externen Anforderungen gerecht werden, die eigenen Ressourcen realistisch managen und vor allem noch lernförderlich und motivierend auf die Bedürfnisse der Lernenden eingehen? Die Planung guter Lehre ist schon kompliziert genug. Wie kann man es sich einfacher machen?

Eine Lehrstrategie vereinfacht die Planung

Eine Lehrstrategie ist im Prinzip ein Schema, das die Struktur, didaktischen Methoden und ggf. auch Inhalte der Lehre festlegt. Es gibt zahlreiche Lehrstrategien, und es lohnt sich, zumindest einen Überblick über einige sinnvolle Möglichkeiten zu bekommen. Denn so kann man, ausgehend vom Kontext der Lehrveranstaltung, eine passende Lehrstrategie wählen.

Fallbeispiel: Das Seminar zu PISA und Co.

Ich werde z. B. im kommenden Sommersemester eine Lehrveranstaltung mit dem Titel “Bildungssysteme im internationalen Vergleich” an der Universität Freiburg halten. Im Modulhandbuch stehen nur zwei Stichpunkte zu den gewünschten Inhalten, ansonsten darf ich frei gestalten. Da ich zwei Gruppen parallel übernehmen soll, ist Blended Learning nötig, um Fahrtkosten einzusparen. Organisatorisch hat es sich angeboten, jede Gruppe im Zweiwochentakt zu sehen, das ergibt 7 Präsenztermine pro Gruppe. Die Prüfungsleistung muss schriftlich sein, ansonsten darf ich auch hier frei gestalten.

Nun stehe ich also vor der Aufgabe, ein sinnvolles Konzept für das Seminar zu finden. Was sollen die Studierenden bloß in den Onlinephasen tun? Welche Prüfungsleistung ist sinnvoll, und wie kann die Lehre die Studierenden darauf vorbereiten?

Die Lernziele zeigen den Weg

Ich stelle mir zunächst die Frage:

Was genau sollen die Studierenden nach diesem Seminar können?

Die Antwort im Modulhandbuch finde ich eher unbefriedigend. Die Studierenden sollen etwas über internationale Bildungssysteme lernen sowie über internationale Vergleichsstudien wie PISA. Das Problem hierbei: Der Studiengang ist eigentlich auf die Erwachsenenbildung ausgerichtet. Schulsysteme haben wenig berufliche Relevanz. AbsolventInnen des Studiengangs bekommen selten Stellen in der Lehrerbildung, Schulentwicklung o. Ä., denn dafür werden vorzugsweise LehrerInnen eingestellt.

Dennoch bildet das staatliche Bildungssystem die Grundlage für die Erwachsenenbildungs-Landschaft. Außerdem ist es für alle Bürgerinnen und Bürger relevant, da die Förderung künftiger Generationen allen am Herzen liegen sollte. Daraus ergibt sich aus meiner Sicht das erste Lernziel: Die Studierenden sollen die persönliche und berufliche Relevanz das Themas im Verlauf des Seminars erkennen und diskutieren.

Außerdem konnte ich herausfinden, dass die Studierenden noch keine Erfahrungen mit dem Schreiben wissenschaftlicher Texte haben werden. So ergibt sich für mich ein weiteres Ziel: Die Studierenden sollen in das Schreiben eines wissenschaftlichen Textes (inkl. der vorausgehenden Literaturrecherche) eingeführt werden.

Wenn die Studierenden eine Literaturrecherche durchführen, um anschließend einen Text über die Relevanz des Bildungssystems zu schreiben, dann gehen sie im Prinzip einen kleinen Forschungsprozess durch.

Ergebnis: forschendes Lernen

Nach diesem bottom-up-Prinzip kam ich auf die Idee, das Seminar nach der Lehrstrategie des forschenden Lernens zu gestalten.

“Forschendes Lernen zeichnet sich vor anderen Lernformen dadurch aus, dass die Lernenden den Prozess eines Forschungsvorhabens […] in seinen wesentlichen Phasen – von der  Entwicklung der Fragen und Hypothesen über die Wahl und Ausführung der Methoden bis zur Prüfung und Darstellung der Ergebnisse in selbstständiger Arbeit oder in aktiver Mitarbeit in einem übergreifenden Projekt –  (mit)gestalten, erfahren und reflektieren.” (Huber 2009, S. 11)

In den Präsenzveranstaltungen werden Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens vorgestellt. Die Studierenden üben diese in den Online-Phasen anhand von Forschungsfragen, die die Relevanz von Bildungssystemen und Vergleichsstudien ergründen. Die Prüfungsleistung ist ein Portfolio mit Mini-Hausarbeiten und Reflexionen zum Forschungsprozess.

Die Analyse der Lernziele offenbarte also eine sinnvolle Lehrstrategie und erleichterte somit meine weitere Planung.

Fazit: Eine Lehrstrategie verbessert die Qualität der Lehre

Die Wahl einer Lehrstrategie ist nicht nur ein Trick, um die eigene Planung zu erleichtern (obwohl das wirklich hervorragend funktioniert!). Indem sie eine Analyse der Lernziele erfordert, erhält die Lehrveranstaltung sogar mehr Relevanz und Stringenz. Es lohnt sich also, ein paar Lehrstrategien zu kennen und immer eine passende auszusuchen.

Möchten Sie mehr zum Forschenden Lernen und weiteren zukunftsträchtigen Strategien für Ihre Lehre erfahren?

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Huber, L., Hellmer, J., & Schneider, F. (2009). Forschendes Lernen im Studium: Aktuelle Konzepte und Erfahrungen. Motivierendes Lehren und Lernen in Hochschulen. Bielefeld: UVW Univ. Verlag Webfiler.

Dieser Beitrag erschien zunächst auf bach-teachandstudy.de.

Hier wird er mit Zustimmung der Autorin veröffentlicht.

Lernstationen: Eine missbrauchte Lehrmethode

männchen machen lernstationen und langweilen sich

In dieser Reihe berichte ich davon, was ich aus meinen Erfahrungen als Dozentin gelernt habe. Das sind Best Practices für gelungene Kurse, Seminare und Workshops: wissenschaftlich fundiert, aktivierend, motivierend und lernförderlich. Im ersten Teil geht es um Lernstationen: Weshalb setze ich sie nicht mehr ein und womit habe ich sie ersetzt?

Poor Practice Lernstationen: Ein missbrauchter Klassiker

Haben Sie in Ihrer Schulzeit auch Lernstationen erlebt?

Die Lehrkraft legt an verschiedenen Tischen Texte zum Lesen aus. Die Klasse wird in mehrere Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe setzt sich an einen Tisch und liest stillschweigend den Text. Die Lehrkraft stoppt die Zeit, nach etwa acht Minuten lässt sie die Gruppen die Station wechseln.

Ich fand diese Methode als Schülerin ätzend. Das Lesen der Texte war passiv; im besten Fall gab es zusätzlich eine kleine Übungsaufgabe oder 3-4 Minuten zum Austausch mit der Gruppe. Aufgrund der kurzen Zeit war dieser zwangsweise oberflächlich. Der Stationenwechsel war immer eine kleine Erlösung: Vielleicht wird die nächste Station interessanter? – So die unterschwellige Hoffnung. Jedoch wartete auch hier nur ein Text und weitere acht Minuten stiller Einzelarbeit.

Lernstationen wurden und werden genutzt, um die Darbietung von Informationen zu unterschiedlichen Themen „aufzulockern“. Lehrkräfte wissen nicht, wie sie in der gegebenen Zeit möglichst viel „Wissen vermitteln“ können und greifen deshalb auf die „spaßige“ Methode der Lernstationen zurück.

In diese Falle bin auch ich getappt: In zwei meiner ersten Workshops habe ich Lernstationen eingesetzt… obwohl ich sie als Lernende nie genossen habe. Die Reaktion der Teilnehmenden hätte mich eigentlich nicht überraschen sollen: Sie fanden die Lernstationen langweilig und wünschten sich eine andere Methode. Dabei hatte ich sie im zweiten Fall, weil ich bereits ein schlechtes Gefühl zur Methode hatte, mit kleinen Schokolädchen bestochen!

Wenn man Lernende mit Süßigkeiten oder sonstigen Goodies und Freebies bestechen muss, dann hat man bei der Planung etwas falsch gemacht. Foto von pixabay.

Better Practice: Lernstationen richtig umsetzen

Wenn man bestimmte Prinzipien beachtet, kann die Lernstationen-Methode jedoch sehr motivierend und lernförderlich sein:

  1. Lernstationen sollten niemals aus rein passiven Aufgaben bestehen. Für die Stationen sollte es aktivierende Aufgaben geben: Malen, experimentieren, berühren, anwenden, ausrechnen, diskutieren…
  2. Aus diesem Punkt ergibt sich die nächste Anforderung: Der Einsatz von Lernstationen benötigt einen längeren Zeitrahmen, mindestens 90 Minuten.
  3. Autonomie ist motivierend. Der starre Stationenwechsel erlaubt jedoch nur wenig
    Autonomie, der Lernprozess kann nicht personalisiert werden. Optimalerweise
    sollten die Lernenden mehr Autonomie erleben. Dafür gibt es unterschiedliche
    Möglichkeiten:
    1. Die Lernenden dürfen sich die Zeit selbst einteilen.
    2. Es müssen nicht alle Lernstationen bearbeitet werden.
    3. Die Lernenden dürfen sich eigenständig in Gruppen einteilen und bestimmen, welche Stationen besucht werden.

Ich denke, diese Ausführungen machen deutlich, dass Lernstationen – wenn man sie didaktisch sinnvoll umsetzen will – sehr viel Arbeit bereiten.

Alternative Best Practices: Lernstationen ersetzen mit…

Ich setze keine Lernstationen mehr ein, da ich meistens im Bereich „Lernen lernen“ lehre und sich deshalb thematisch eher wenige „haptische“ Aufgaben oder Experimente anbieten. Ich nutze stattdessen eine der folgenden Alternativen.

Flipped Classroom

Im Flipped Classroom werden Inhalte in einer Online-Lernumgebung bearbeitet, die Präsenzzeit kann mit Übung, Diskussion, Vertiefung und Reflexion gefüllt werden. Das hat den Vorteil, dass die Lernenden sich im Voraus individualisiert mit dem Thema beschäftigen können; sie kommen mit dem gleichen Vorwissen in den Workshop. Dieser wird zudem viel spannender und motivierender.

Die Vorbereitung in der Online-Lernumgebung kann ganz vielseitig gestaltet werden. Es können
z. B. Texte, Videos, Aufgaben, Quizze eingesetzt werden – je nach Thema und didaktischem Design.

Markt der Ideen

Wenn ich Teilnehmenden mehr als 10 kleine Inputs geben möchte, z. B. zu Lehrmethoden oder Lernstrategien, lege ich kurze, lebendige Arbeitsblätter im Raum aus. Ich nutze die Schriftgröße 14 für die Arbeitsblätter, sie sind maximal 1,5 Seiten lang. Passende Beispiele oder Artefakte lege oder stelle ich, wenn immer möglich, dazu.

Die Teilnehmenden bewegen sich frei im Raum und können die Texte je nach Lust und Laune
anschauen. So können sie sich auf die Inhalte konzentrieren, die ihnen besonders nützlich oder spannend erscheinen. Deshalb der Name „Markt der Ideen“: Es entsteht ein Raum, in welchem die Lernenden, wie Kunden auf dem Markt, eine Auswahl an Ideen ergattern können.

Den Markt leite ich immer ein: Ich erkläre, weshalb ich ihn einsetze und worauf die Teilnehmenden beim „Marktspaziergang“ achten sollen. Im Anschluss an den Markt frage ich, welche Ideen besonders interessant waren und welche vielleicht gefehlt haben. Es ergibt sich immer eine interessante Diskussion.

Aufgrund der hohen Autonomie und Personalisierung kommt diese Lehrmethode bei den
unterschiedlichsten Zielgruppen gut an. Bisher hat sie in meinen Workshops ausschließlich positive Rückmeldungen bekommen.

Fazit: Lernstationen sind nicht der Königsweg

Der Lernstationen-Missbrauch muss in unserer Lehre ein Ende haben! Wenn Lernstationen nicht didaktisch angemessen oder ökonomisch sind, dann bietet sich als Alternative ein Flipped Classroom oder ein Markt der Ideen an.

Dieser Beitrag erschien zunächst auf bach-teachandstudy.de.

Hier wird er mit Zustimmung der Autorin veröffentlicht.

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